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Turnier

Eine Mannschaft für die Zukunft

Bei der Baseball-EM gibt Trainer Martin Helmig elf Neulingen eine Chance. Im Interview erklärt der Ex-Legionäre-Coach warum.

Auf dem Aufstellungszettel von Coach Martin Helmig für das Nationalteam stehen auch vier Spieler der Legionäre Regensburg, darunter zwei Neulinge. Foto: Eisenhuth
Auf dem Aufstellungszettel von Coach Martin Helmig für das Nationalteam stehen auch vier Spieler der Legionäre Regensburg, darunter zwei Neulinge. Foto: Eisenhuth

Regensburg.Herr Helmig, Sie sind jetzt ein paar Monate Bundestrainer. Wie bewerten Sie Ihre bisherige Amtszeit?

Ich hatte eigentlich wenig Zeit, um all dies vorzubereiten. Gleich als ich den Job angenommen hatte, standen zwei Reisen auf dem Programm. Ich war insgesamt drei Wochen am Stück in Deutschland unterwegs und habe so viele Bundesliga-Spiele besucht, wie nur ging. Währenddessen habe ich viele Gespräche geführt und ein Verhältnis zu den Spielern aufgebaut. Das halte ich für sehr wichtig. Ich bin ein Coach, der nicht nur Befehle erteilt, sondern den Spielern etwas vermitteln will. Und dazu muss man sie erreichen.

Im Kader findet sich die ein oder andere Überraschung wieder. Es fällt auf, dass die Gewichtung stark auf das Pitching gelegt ist und kaum Ersatzspieler für die Positionen nominiert wurden ...

Ich muss ganz klar sagen, dass wir viele hochqualitative Spieler gehen lassen mussten, die ich gerne dabei gehabt hätte, aber wir haben uns dann doch dafür entschieden, so viele Pitcher wie möglich für ein so langes Turnier mitzunehmen. Außerdem haben wir einige Werfer dabei, die auch Positionen spielen können.

Sie vertrauen auf elf Neulinge. Bewusst?

Ich habe nicht darauf geachtet, wer wie viele Europameisterschaften gespielt hat, sondern die Spieler mitgenommen, die der Mannschaft helfen können.“

Kann man von einem Umbruch sprechen?

Wir haben bestimmt ein paar junge Spieler dabei, die noch nicht die Erfahrung haben, aber sie haben die Leistung gebracht. Ich denke, es ist ganz wichtig, jemanden, der eine gute Saison oder gute Playoffs spielt, zu belohnen. Es gibt bei jedem Hochs und Tiefs und wenn jemand einen Lauf hat, will man ihn auch dabei haben.

Die Schlüsselposition des Shortstops wurde mit Philip Schulz aus Heidenheim und US-Profi Nadir Ljatifi neu besetzt ...

Das ist die beste Wahl, da bin ich mir ganz sicher. Philip Schulz ist aktuell der beste deutsche Shortstop, er macht defensiv seine Plays und ist der beste Mann, den wir haben. Ich bin zufrieden mit ihm. Nadir ist einer der Kandidaten für die Zukunft.

Hat die Leute, die noch gestrichen wurden, wie die Regensburger Lukas Jahn und Maik Ehmcke, die Entscheidung hart getroffen?

Dies sind Jungs, die ich sehr gerne dabei gehabt hätte. Es ist eine der schwersten Entscheidungen, die man treffen muss, und wir haben das Thema im Trainerstab bestimmt zehn Stunden hin und her gewälzt. Man macht das nicht gerne, letztendlich entscheidet man sich nicht gegen einen Spieler, sondern für einen Spieler.

Neben Chris Howard und Ludwig Glaser haben Sie mit Marcel Jimenez und Jonathan Eisenhuth zwei Debütanten aus Regensburg berufen. Was waren die Beweggründe?

Ich entscheide ohne irgendwelche Vorbehalte, sondern einfach danach, was ich denke, dass das Beste für uns ist. Jimenez hat es sich verdient, hier zu sein. Eisenhuth hat tolle Auftritte gehabt und gegen den dritten der Weltrangliste, die Niederlande, in fünf Innings nur einen Punkt abgegeben. Dies sind Sachen, die ich berücksichtige.

„Jimenez hat es sich verdient, hier zu sein. Eisenhuth hat tolle Auftritte gehabt und gegen den dritten der Weltrangliste, die Niederlande, in fünf Innings nur einen Punkt abgegeben.“

Martin Helmig

Beim letzten großen Turnier, dem World Baseball Classic Qualifier in Mexiko im März, lief es enttäuschend. Wo steht der deutsche Baseball?

Ach, wir müssen einfach sehen, dass wir von Spiel zu Spiel denken. Wir haben ein gutes Team, wir haben gut gespielt. Das Wichtigste ist, dass die Mannschaft das Selbstvertrauen, das wir in den letzten Wochen aufgebaut haben und woran wir tagtäglich arbeiten, aufrecht erhält.“

Vor allem die Niederlage gegen Tschechien wog schwer. Gerade Sie haben in den letzten Jahren ein Paradebeispiel an Nachwuchsarbeit und Jugendförderung geliefert. Muss sich der deutsche Baseball daran orientieren?

Natürlich haben wir viel Arbeit vor uns, keine Frage. Aber das ist aktuell kein Thema. Jetzt ist das Turnier wichtig. Klar haben die Tschechen in den letzten Jahren super Arbeit geleistet. Sie haben ihr Vorbereitungsturnier in Italien gewonnen und dabei auch die Italiener geschlagen, was phänomenal ist. Für uns wird das in der Gruppe die Hauptnummer.

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Sie sprechen es an: In den Niederlanden geht es in der Gruppe erneut gegen die Tschechen. Hat das Team die Schmach von Mexicali noch im Hinterkopf?

Das Spiel aus Mexiko ist abgehakt. Ich bin überzeugt, dass wir uns nicht noch einmal solche Blöße geben werden. Aber davor müssen wir erst einmal die anderen Spiele gewinnen. Wir haben auch noch eine schwere Partie gegen Holland und müssen Tag für Tag unsere Leistung abliefern.

Was ist bei der EM möglich?

Es ist vieles möglich, nach unten oder nach oben. Sie werden mich nicht dazu bewegen, jetzt eine Prognose abzugeben. Es wäre toll, wenn wir es unter die ersten zwei in unserer Gruppe schaffen, damit hätten wir eine gute Ausgangsposition.

Mit welcher Philosophie wollen Sie die Ziele erreichen?

Wir werden unseren Baseball-Stil spielen und nicht versuchen, irgendetwas aus der Major League zu kopieren. Wir werden versuchen, jedes Inning einen Punkt zu machen und uns nicht auf den einen großen Schlag verlassen.

Sie haben schon beinahe alles erlebt. Aber es ist Ihre erste EM als Bundestrainer. Überwiegt die Vorfreude oder die Nervosität?

Auf jeden Fall freue ich mich auf die Aufgabe. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich verrückt mache. Wenn ein Architekt ein Gebäude entwirft, sagt er auch nicht, ich will damit in die Weltausstellung, sondern in erster Linie will er ein tolles Gebäude entwerfen. Was ich sagen will: Es ist egal, ob wir jetzt eine Europameisterschaft spielen, wir müssen uns auf unsere Aufgaben konzentrieren und einfach guten Baseball spielen. Wir werden versuchen, Fehler zu vermeiden. Auf dem europäischen Level wird jeder schlechte Wurf bestraft.

Verspüren Sie einen größeren Druck als in der Bundesliga?

Das ist kein Druck, es heißt Baseball. Wenn ein Fußballspieler defensiv gut spielen muss, dann heißt das auch nicht, dass er Druck haben soll, sondern er muss einfach seinen Job erledigen. Man spricht immer viel vom mentalen Aspekt. Mental heißt lediglich, dass der Kopf sagt, was der Körper umsetzen soll und dass der Körper umsetzt, was der Kopf sagt.

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