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Schwimmen

Endspurt um Gold bei Olympia

Schwimmer Paul Biedermann über drei Olympische Spiele – und warum es auch mal wichtig sein kann, gar nicht zu schlafen
Von Sabrina Knoll, MZ

Zum letzten Mal wird der 30-jährige Paul Biedermann in Rio bei Olympischen Spielen an den Start gehen.
Zum letzten Mal wird der 30-jährige Paul Biedermann in Rio bei Olympischen Spielen an den Start gehen. Foto: dpa

Rio.Herr Biedermann, wie schlafen Sie zurzeit?

Sehr entspannt. Wieso?

Ihr Trainer Frank Embacher hat gesagt: Wenn Paul schlafen kann, dann mache ich mir keine Sorgen um Rio. Ist es wirklich so einfach?

Schlaf ist natürlich mit das Wichtigste, wenn es um die Regeneration geht. Aber Herr Embacher hat das ja wahrscheinlich auf den veränderten Tagesrhythmus bei den Olympischen Spielen bezogen ...

... wo die Abendabschnitte der Beckenwettbewerbe aufgrund der Primetime-Wünsche des US-TV-Markts erst ab 22 Uhr aufgerufen werden, Sie schlimmstenfalls also erst um zwei ins Bett kommen und um sechs schon wieder vom Trubel im olympischen Dorf geweckt werden?

Ja. Wir haben diesen Rhythmus im Vorfeld schon zweimal getestet und ich hatte da, toi toi toi, keine Probleme. Ich kann auch tatsächlich morgens so lange schlafen, darauf kann mein Körper anscheinend relativ schnell reagieren. Da kann man ganz gut mit Ohropax und Schlafbrille arbeiten, die Fenster lassen sich super mit Alufolie abdunkeln, da kommt nichts durch.

Wie oft begleiten Sie die Gedanken an Rio derzeit?

Klar denke ich jetzt schon immer öfter daran, es rückt ja auch immer näher. Da fragt man sich schon: Wie wird die Halle sein, wie das Becken, wie sind die Wege, wie weit ist es von der Halle bis zur Unterkunft? Das beschäftigt einen schon. Aber ich weiß auch: Ich habe noch was vor mir, bis es soweit ist. Jetzt kommt erstmal die Vorbereitung in Florianopolis mit der Nationalmannschaft.

Wie werden Sie in der Nacht vor Ihrem ersten Start schlafen?

Hoffentlich gut und lang und ganz ohne Probleme.

Für Sie sind es die dritten Spiele. Was ging damals vor Ihrem ersten olympischen Finale 2008 in Ihnen vor?

Ich kann mich da ehrlich gesagt gar nicht mehr an so viel erinnern. Da ist einfach so viel Neues auf einmal passiert, das verschmilzt alles irgendwie zu einem total tollen Gefühl. Ich weiß aber noch, dass ich am Startblock wahnsinnig aufgeregt und beeindruckt war.

Und nach dem Anschlag?

Da war da Freude pur. Über den fünften Platz, über die Zeit, über die Möglichkeit, überhaupt bei Olympischen Spielen dabei zu sein, dort schwimmen zu dürfen. Da war ich so richtig froh und glücklich. Das war ein richtig schönes Erlebnis.

Vier Jahre später dann das genaue Gegenteil: Die Spiele in London, die Ihre Spiele hätten werden sollen, begannen mit einem Vorlauf-Aus über Ihre Weltrekordstrecke 400 Meter Freistil.

Das war wirklich eine herbe Enttäuschung und auch echt hart für mich. Auch körperlich war es sehr, sehr anstrengend. Und doch musste ich es abhaken, am nächsten Tag kamen ja gleich die 200 Kraul. Aber der Start in die Spiele war schon katastrophal, das kann man nicht anders sagen.

Wussten Sie nach diesem Erlebnis schon vor dem anschließenden 200-Freistil-Finale, dass auch das nicht Ihr Rennen wird?

Das weiß ich nicht mehr, ganz ehrlich. Da sind nur ganz wenige Erinnerungen übrig geblieben, nur ein paar Gefühle, und die waren nicht gut.

Sie gingen als WM-Dritter mit großen Zielen aber auch großem Druck ins Rennen, nach dem enttäuschenden fünften Rang reisten Sie direkt wieder ab.

Ja. Ich bin da schon mit anderen Erwartungen reingegangen als 2008, aber es wurden auch viele Erwartungen an mich herangetragen. Das sind Sachen, auf die bereitet dich keiner vor. London und die Ereignisse dort waren mir eine Lehre fürs Leben.

Und nun geht es bei Ihren dritten und letzten Olympischen Spielen ausgerechnet an Ihrem Geburtstag auf den Block für die 200-Freistil-Vorläufe. Wie würden Sie sich diesmal gerne fühlen?

Am besten großartig. Mit einer guten Position und der Sicherheit zu wissen, was ich kann.

Hilft es dabei auch zu wissen, dass es 2012 weniger an den körperlichen Voraussetzungen als vielmehr an mentalen Blockaden lag?

Klar. Mir helfen alle meine Erfahrungen, die ich über die Jahre gemacht habe, auch mit meinen großen Erfolgen 2009 (Doppel-Gold und Doppel-Weltrekord bei der WM in Rom; d. Red.). Und es hilft auch zu wissen, dass ich meine vermeintlich größte Niederlage schon hinter mir habe.

Und wie würden Sie sich gerne an Ihre letzten Rennen erinnern?

Damit, dass ich weiß: Ich habe alles gegeben. Damit, zu wissen: Das war wirklich alles, was du mit deinen 30 Jahren noch rausholen konntest.

Wird dieses letzte Einzelrennen das wichtigste Rennen Ihrer Karriere?

Das wichtigste Rennen? Nee. Das wichtigste war 2009. Das schönste 2008.

Sie konzentrieren sich diesmal einzig auf die 200 Meter Freistil. Dabei hieß es immer, Sie brauchen einen Start, um in einen Wettkampf zu kommen. Machen Sie sich darüber keine Sorgen?

Nö. Aber ich überlege, am Tag vorher noch ein Timetrial zu machen, also eine Art Wettkampfsimulation. Die kann man vor Ort anmelden. Da schwimmt dann rechts neben dir ein Brustschwimmer und links einer Delphin oder so, das ist egal. Wichtig ist, dass es sich wie ein kleiner Wettkampf anfühlt. Da kann man dann schon ganz gut gucken, wie man so drauf ist.

Wie sehr bedauern Sie es, dass Ihr letzter Auftritt nicht gegen Michael Phelps sein wird, gegen jenen US-Superstar, dessen Karriere seit Rom 2009 so eng mit Ihren Höhepunkten verbunden ist?

Ach, man weiß doch nie, ob er nicht doch vielleicht noch die 200-Kraul-Staffel schwimmen wird. Andererseits ist ein Konkurrent weniger auch nicht verkehrt.

Und dann ist auch schon Mittwoch, der 10. August 2016 – Sie wachen nach dem letzten Rennen Ihrer Karriere auf. Haben Sie gut geschlafen?

Ich habe nach Möglichkeit überhaupt nicht geschlafen, weil ich einen tollen Abend im Deutschen Haus hatte.

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