mz_logo

Samstagsinterview
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Samstagsinterview

Für Paulus schließt sich ein Kreis

Was mit Fröschen begann, in die erste Liga führte, endet für Thomas Paulus mit dem Aufstieg. Dem Jahn bleibt er erhalten.
Von Birgit Pinzer, MZ

Innenverteidiger Thomas Paulus im Spiel gegen Burghausen.Foto: Nickl
Innenverteidiger Thomas Paulus im Spiel gegen Burghausen.Foto: Nickl

Regensburg. Thomas Paulus, mit dem Abschiedsspiel beim SV Töging schließt sich für Sie ein Kreis. Dort haben Sie mit vier Jahren mit dem Fußball begonnen. Standen Sie dort zwischenzeitlich mal auf dem Platz?

Ich bin vor 22 Jahren von Töging für drei Jahre zum TV Parsberg gewechselt, bevor ich in die Jugend zum 1. FC Nürnberg kam. Später habe ich dann nicht mehr in Töging gespielt.

Sie waren in den 14 Jahren Ihrer Profi-Karriere nur bei drei Vereinen. Erst beim Club, dann in Aue und nun zum Abschluss zwei Jahre beim SSV Jahn. Allerdings hatten Sie in der Zeit elf Trainer. Wie gelingt es einem Spieler, sich so oft auf einen neuen Chef einzustellen?

Es ist nicht leicht. Aber da gibt es nicht viel zu überlegen. Der Trainer steht vor einem, sagt, was zu tun ist und dann macht man das. Trainer und Spieler wollen Erfolg haben. Und sollte es nicht passen, musst du auch das annehmen und einfach dran bleiben. Es kommt immer wieder eine Chance, die du dann einfach nutzen musst.Es gibt aber natürlich schon auch Trainer, bei denen man sich vom ersten Tag an denkt: Es gibt aber natürlich auch Trainer, bei denen man sich vom ersten Tag an denkt: „Hmm. Das könnte schwierig werden. (Paulus lacht)“ Aber ich glaube, richtig kompliziert wird es erst, wenn du die ganze Woche trainierst, aber nicht spielst.

Thomas Paulus und der Club, Mannschaftsfoto des 1. FC Nürnberg für die Bundesliga-Saison 2004/2005. Zu sehen sind in der hinteren Reihe (von links): Torwarttrainer Michael Fuchs, Stefan Kießling, Tomasz Hajto, Thomas Paulus, Dominik Reinhardt, Bartosz Bosacki, Sven Müller, Markus Schroth, Physio Timo Zink. In der mittlere Reihe steht links außen Trainer Wolfgang Wolf. Foto: dpa/Archiv
Thomas Paulus und der Club, Mannschaftsfoto des 1. FC Nürnberg für die Bundesliga-Saison 2004/2005. Zu sehen sind in der hinteren Reihe (von links): Torwarttrainer Michael Fuchs, Stefan Kießling, Tomasz Hajto, Thomas Paulus, Dominik Reinhardt, Bartosz Bosacki, Sven Müller, Markus Schroth, Physio Timo Zink. In der mittlere Reihe steht links außen Trainer Wolfgang Wolf. Foto: dpa/Archiv

War das für Sie so als in Nürnberg Hans Meyer Wolfgang Wolf als Coach ablöste?

Ja, schon. Aber ich weiß auch, dass Hans Meyer mir viel beigebracht hat und ein super Trainer ist. Ich habe erst kürzlich mit ihm beim DFB-Pokalsieger-Treffen gesprochen. Als er zum Club kam, lief es anfangs gut. Ich spielte, obwohl er zuvor gesagt hatte: „Thomas, deinen Namen habe ich nicht so richtig auf dem Zettel. Ich schau mir das mal an.“ Und ein paar Tage später sagte er: „Ich muss mich entschuldigen, ich bin von dir überrascht, du wirst am Wochenende spielen, du hast dich im Training brutal aufgedrängt.“

Allerdings blieb das nicht so.

Ich war in der Vorbereitung länger krank und von da an war ein Knick drin. Aber das gehört dazu. Es geht nicht immer nur nach oben.

Aber war das nicht trotzdem schwierig? Wolfgang Wolf hat von Paulus, dem kommenden Nationalspieler, gesprochen.

Vielleicht war diese Aussage auch gar nicht so glücklich für mich. Aber ich weiß auch, dass der Weg, wenn man aus der eigenen Vereins-Jugend kommt Profi zu werden, brutal schwer ist. Es kommt vor, dass teure Spieler hinzugeholt werden, die manchmal mehr gelten.

Was haben Sie sich gedacht?

Ich hatte zwar noch ein Jahr Vertrag, aber ich sagte zu meinem Berater: „Bitte lass uns das irgendwie lösen.“ Nürnberg war top, ich habe dort Bundesliga gespielt, ich habe ein Tor gemacht, wir haben den DFB-Pokal gewonnen, aber ich war nicht mehr glücklich.

Sie gingen zu Erzgebirge Aue.

Und alle um mich herum sagten, „Du bist nicht ganz dicht.“ Ich hätte nach Fürth wechseln können. Aber ich kann nicht zehn Jahre für Nürnberg spielen und nach Fürth wechseln, das konnte ich nicht bringen.

Wie lief es für Sie in Aue?

Aue hatte sich sehr um mich bemüht, Ablöse gezahlt, die Erwartungen waren brutal hoch. Erst war alles super, wir waren Tabellenvierter oder -fünfter, dann habe ich gegen Gladbach einen Bock geschossen, der zum Gegentor führte und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Bei der nächsten Mannschaftssitzung sagte Trainer Schädlich: „Ich glaube, ,Pauli’ braucht mal eine Denkpause.“ Aber diese Pause dauerte zehn Spiele. Das war die brutalste Phase meiner Karriere.

Sie zweifelten, ob der Wechsel richtig war?

Genau. Es ging mir wie am Ende in Nürnberg. Man trainiert von Montag bis Freitag, aber am Wochenende sitzt man nur da draußen.

Dann wurde Schädlich entlassen, und mit Roland Seitz kam ein Neumarkter.

Und es kam das erste Training mit ihm, ich flog auf den Arm und brech’ ihn mir. Ich dachte: „Das kann jetzt nicht wahr sein.“ Ich hab die Vorbereitung mit Gips gemacht und Seitz hat mir eine Chance gegeben. Das war der Anschub, von diesem Punkt an lief es für mich in Aue die nächsten siebeneinhalb Jahre – trotz des Abstiegs. Aber wir stiegen ja auch wieder auf. Ich bin dort als Mensch, als Spieler gereift. Aue war perfekt für mich.

Thomas Paulus (rechts neben dem Schiedsrichter) noch in Diensten Aues bei einem Spiel gegen den Jahn un der Zweitliga-Saison 2012/2013. Foto: Eibner
Thomas Paulus (rechts neben dem Schiedsrichter) noch in Diensten Aues bei einem Spiel gegen den Jahn un der Zweitliga-Saison 2012/2013. Foto: Eibner

Mit Aue verbindet Sie eine besondere Beziehung. In Aue hatten Sie mit dem Club in der Saison 2003/04 auch Ihr Profi-Debüt gefeiert. Sie sind Ihrem Gegner auf den Hintern gestiegen, der Schiedsrichter unterstellte Absicht und Sie flogen vom Platz und kassierten auch noch sechs Spiele Sperre in Ihrem ersten Spiel.

Ich habe mich gefreut, als Wolfgang Wolf zu mir sagte: „Du spielst.“ Und dann passiert mir zehn Sekunden vor der Halbzeit so ein Sch... . Ich bin in den Bus gestiegen und dachte mir: „Okay, du bist jetzt einmal mit den Profis mitgefahren, hast eine Halbzeit gemacht, und ab morgen wirst du wieder bei den Amateuren spielen. Das verzeiht dir niemand.“ Aber Wolf stellte mich für das DFB-Pokal-Spiel gegen den FC Bayern München auf. Und ich wusste, ich habe eine zweite Chance bekommen. Wir kamen sogar ins Elfmeterschießen und ich habe gegen Oliver Kahn getroffen, eines der Highlights meiner Karriere, auch wenn wir leider ausgeschieden sind.

Ich kann mich noch gut an ein anderes Spiel erinnern, am 2. April 2004, Jahn Regensburg gegen den Club, da sahen Sie beim 2:1-Sieg des Jahn besonders beim 1:0 von Kolomaznik nicht gut aus.

Ich erinnere mich auch (Paulus lacht). Aber im Nachhinein: Wir sind aufgestiegen, der Jahn ist abgestiegen.

Sie haben sich Ihre Zeit beim Jahn anders vorgestellt. Sie waren immer wieder verletzt, aber trotzdem hatte man den Eindruck, dass Sie zum Team gehören.

Ich war in den vergangenen zwei Jahren mehr im Reha-Center als auf dem Trainingsplatz oder im Stadion. Ich habe mit Christian Keller viel darüber gesprochen, der immer wieder sagte: „Thomas, du bist trotzdem wichtig für die Mannschaft, weil es einfach junge Spieler gibt, die zu dir hochgucken und wissen, du hast viel erlebt und kannst ihnen weiterhelfen.“

Ex-Coach Heiko Herrlich hat sie mal als „absoluten Diener des Vereins“ bezeichnet.

Ich weiß, dass mir der Verein immer zu mir gestanden ist. Und wenn ich es nicht am Wochenende auf dem Platz zurückgeben kann, dann gebe ich es halt anderweitig zurück.

Thomas Paulus beendet seine Karriere. Video: Neumayer

Was machen Sie nun nach Ihrer Karriere?

Ich werde Leiter der Jahn-Fußballschule. Ich habe mit Christian Keller darüber gesprochen und wir hatten beide schnell das Gefühl, dass das sehr gut passen könnte. Es ist eine vielschichtige, reizvolle Aufgabe. Mein Traum war immer, im Fußball zu bleiben. Gerne im Juniorenbereich, weil ich meine Erfahrungen weitergeben will.

Wenn Sie an Ihre Jugend denken, ist das vergleichbar mit den Bedingungen, heute?

Als ich mit 15 Jahren nach Nürnberg ging, gab es keine Leistungszentren wie heute, wo die Spieler von morgens bis abends betreut werden, jemand aufpasst, dass die Noten stimmen, dass Essen da ist. Ich war zuerst in einem Bungalow mit fünf Spielern. Ich war der Jüngste und wohnte im Keller, die anderen oben. Ich hatte kein richtiges Fenster, sondern habe in so einen Schacht geschaut, da sprangen Frösche rum (Paulus lacht). Meine Eltern haben mir dann ein Gitter vorgemacht. Aber die Bedingungen waren mir schnuppe, denn ich wusste: Ich bin jetzt beim FC Nürnberg, ich habe meine Chance. Klappt es nicht, habe ich es wenigstens versucht.

Heimatverbunden: Im Jahr 2005 dürfen die F-Jugendspieler des SV Töging und des FC Kelheim-Winzer mit dem Club einlaufen. Foto: uld/Archiv
Heimatverbunden: Im Jahr 2005 dürfen die F-Jugendspieler des SV Töging und des FC Kelheim-Winzer mit dem Club einlaufen. Foto: uld/Archiv

Können Sie sich vorstellen wieder in Töging zu spielen? Das war dieses Jahr knapp mit dem Klassenerhalt.

Ich weiß (Paulus lacht). Wir haben darüber gesprochen. Momentan nicht. Aber was irgendwann mal ist, das weiß ich nicht. Und derzeit vermisse ich den Fußball nicht. Ich bin dankbar, dass mir die Jungs beim Jahn mit den zwei Aufstiegen so ein Karriereende geschenkt haben. Denn ich weiß, wie schwer es ist, in Deutschland Profi zu werden. Und ich weiß, wie wenige Menschen diesen Traum leben dürfen.

Jahn-Testspiele

  • Am Sonntag

    geht es für den Jahn in Gülchsheim (17 Uhr) gegen den Regionalligisten 1. FC Schweinfurt.

  • Mit dem SV Ried

    wartet am 7. Juli (17 Uhr, in Straßkirchen, Landkreis Passau) ein österreichischer Zweitligist.

  • Im Rahmen

    des einwöchigen Trainingslagers in Bad Gögging geht es gegen Niederaichbach (9.7., 11.30 Uhr).

  • Am 15. Juli

    wartet Drittligist VfR Aalen um 14 Uhr, voraussichtlich beim ASV Cham. Am 21. Juli (17 Uhr in Ergolding) geht es gegen die U23 des FC Arsenal London. Die Generalprobe vor dem Auftakt steigt am 22. Juli in Ulm (15 Uhr) gegen den Bundesligisten FC Augsburg.

Weitere Meldungen aus dem Sport finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht