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Für Yildirim zählt das Jetzt und Hier

Der neue Sportchef der SpVgg Greuther Fürth hat viel erlebt, will sich mit der Vergangenheit aber nicht aufhalten.

Gespräch mit dem Boss: Ramazan Yildirim (rechts) und SpVgg-Präsident Helmut Hack
Gespräch mit dem Boss: Ramazan Yildirim (rechts) und SpVgg-Präsident Helmut HackFoto: Zink

Regensburg.Herr Yildirim, in Regensburg sind Sie insbesondere als Ex-Spieler des SSV Jahn bekannt. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?

Da erinnere ich mich gerne daran, auch wenn meine Zeit nicht damit zu vergleichen ist, wie es dem Jahn heute geht. Jetzt ist das neue Stadion da, direkt an der Autobahn, alles total modern. Das sind ganz andere Möglichkeiten als wir sie damals an der Prüfeninger Straße hatten. Das hatte auf der anderen Seite aber auch eine ganz eigene Atmosphäre. Inmitten von Wohnblöcken zu spielen, das war schon etwas ganz Eigenes.

War der Jahn damals eigentlich wirklich ein Chaos-Klub, wie es immer hieß? Kam das Gehalt manchmal zu spät?

Nein, überhaupt nicht. Vielleicht lag das aber auch ein wenig daran, dass es in dieser Zeit sportlich so gut lief.

Sogar sehr gut...

...ja. Unter Günter Sebert als Trainer haben wir 2003 den Aufstieg geschafft. Nach langer Zeit konnte der Jahn wieder 2. Liga spielen. Das war wunderbar. Für die ganze Region, wie ich damals das Gefühl hatte.

Inmitten von Wohnblöcken zu spielen, das war schon etwas ganz Eigenes.

Ramazan Yildirim

Nach dem Aufstieg war für Sie die Zeit beim Jahn aber vorbei. Warum eigentlich?

Das war eine sehr schlimme Erfahrung für mich. Ich hatte meinen Vertrag ja schon verlängert. Dann wurde aber plötzlich alles ausgetauscht, auch der Aufstiegstrainer musste gehen. Mir wurde ebenfalls nahegelegt, mir einen anderen Verein zu suchen. Da habe ich den Vertrag aufgelöst, auch wenn ich es nicht verstanden habe. Die Entscheidung des Vereins musste ich aber letztlich akzeptieren. Zum Glück wechselte ich dann zu Rot-Weiß Essen. Hier bin ich in der nächsten Saison gleich noch einmal aufgestiegen.

Auch ich selbst denke sehr gerne an die Zeit in Regensburg zurück.

Ramazan Yildirim

Haben Sie noch in irgendeiner Form Kontakt zum SSV Jahn?

Nein, habe ich nicht mehr.

Von Jahn-Fans hört man allerdings immer wieder, dass ihr Name noch in guter Erinnerung ist.

Das ist schön, das zu hören. Das freut mich natürlich und ist vielleicht ein Beleg dafür, dass man sich korrekt verhalten und seine Leistung gebracht hat. Auch ich selbst denke sehr gerne an die Zeit in Regensburg zurück.

Lesen Sie hier: Fürth: Viele Wechsel werfen Fragen auf

Nach Ihrer Zeit als Profifußballer arbeiteten Sie als Co-Trainer, als Chef-Trainer und jetzt als Sportdirektor. Was machen Sie eigentlich am liebsten?

Am liebsten mache ich das, was ich mache. Also meine aktuelle Tätigkeit – und da bin ich jetzt Direktor Profifußball bei der SpVgg Greuther Fürth. Ich bin ja erst vier Wochen im Amt, aber schon in dieser Zeit musste einiges bewegt werden. Hier setzte ich alles rein, andere Dinge werden da ausgeblendet. Im Moment fühlt sich das auch alles sehr gut für mich an.

Sie haben den Fußballlehrerschein. Ist es in Ihrem neuen Posten ein großer Vorteil, wenn man umfassend ausgebildet ist?

Das ist ein Riesenvorteil, etwa auch als Trainer gearbeitet zu haben, weil man sich mit dem Coach dann ganz anders unterhalten kann. Auch in der Rolle als Vermittler ist es gut, alle Facetten des Fußballgeschäfts zu kennen.

Wenn der Sportdirektor den Trainerschein hat, ist er aber oft auch der Schattenmann des aktuellen Coaches, weil er jederzeit übernehmen könnte.

Was andere denken, kann ich nicht beeinflussen. Wir haben mit Stefan Ruthenbeck jedenfalls einen richtig guten Trainer und intern klare Abmachungen, wer welche Aufgaben hat. Wir arbeiten gut zusammen, da gibt es also keine Irritationen.

Zehnter Platz zur Winterpause der 2. Liga, ist das in Ordnung?

Ich denke, die Situation mit dem zehnten Platz ist sehr gefährlich, weil das dazu führen könnte, dass die Spannung nicht von Beginn an voll da ist. Einfach weil man denkt, dass man in einer sicheren Zone ist. Aber du kannst schnell unten reinrutschen, das wollen wir allerdings auf keinen Fall. Wir wollen die Spannung hochhalten, gleich ins erste Spiel mit absoluter Power gehen.

Ich denke, die Situation mit dem zehnten Platz ist sehr gefährlich, weil das dazu führen könnte, dass die Spannung nicht von Beginn an voll da ist.

Ramazan Yildirim

Die SpVgg hat grandiose Jahre hinter sich, hat ein Jahr Bundesliga gespielt und ist danach erst in der Aufstiegsrelegation gescheitert. Wie schwierig ist es, jetzt wieder mit Mittelmaß zufrieden sein zu können?

Wichtig ist es, die Situation so anzunehmen, wie sie ist und weder zu weit in die Vergangenheit noch zu weit in die Zukunft zu schauen. Das Kleeblatt hat eine große Tradition, da sind wir alle sehr stolz drauf. Wir haben aber ein schwieriges letztes Jahr erlebt und tun gut daran, uns einfach auf unseren Weg zu konzentrieren. Bei dem geht es darum, langsam wieder etwas aufzubauen, mit dem wir erfolgreich sein können.

Die SpVgg wird das Stadion modernisieren. Das kostet viel Geld. Haben Sie Angst, dass der Klub zu viel in Steine statt in Beine investiert?

Es ist sicher nicht ganz einfach, beidem gerecht zu werden. Es gibt im Fußball aber viele positive Beispiele von Klubs, die das wunderbar gelöst haben. Eintracht Braunschweig zum Beispiel. Ich glaube auch, dass bei uns alles gut durchdacht ist. Es wird nichts getan, was große Risiken mit sich bringt. Die Modernisierung des Stadions ist eine große Chance für den Verein. An diesem Schritt führt auch kein Weg vorbei.

Und besteht denn jetzt konkret die Gefahr, dass der Spieleretat in der kommenden Saison gesenkt werden muss?

Unsere Stadionmodernisierung wird langfristig finanziert. Was den Etat für die kommende Saison angeht, sind wir von vielen Einflüssen, wie etwa den Fernsehgeldern abhängig und deren tatsächliche Größe haben wir in der Rückrunde noch in der eigenen Hand. Letztlich wollen wir diesen Bereich unseres Etats aber so konstant wie möglich halten.

46 Spiele für den Jahn

  • Stationen:

    Ramazan Yildirim wurde 1975 in Peine geboren. Als aktiver Spieler stand er unter anderem beim VfB Lübeck, dem SSV Jahn Regensburg, Rot-Weiss Essen, den Kickers Offenbach und Eintracht Braunschweig unter Vertrag. Für den SSV Jahn absolvierte er von 2001 bis 2003 46 Spiele und schoss fünf Tore.

  • Neue Aufgabe:

  • Nach seinem Karriereende arbeitete er zunächst als Trainer, unter anderem beim VfB Lübeck und den Sportfreunden Lotte.

  • Neuer Posten: Beim türkischen Spitzenclub Fenerbahce Istanbul arbeitete Yildirim in der Saison 2014/2015 als Co-Trainer. Zu Beginn des Jahres wurde er Direktor Profifußball bei der SpVgg Greuther Fürth.

Wie sehen Sie die allgemeine Lage der 2. Bundesliga?

Ganz abgesehen von der guten wirtschaftlichen Entwicklung ist die Liga sportlich wahnsinnig interessant, weil es eine sehr hohe Leistungsdichte gibt.

Wer steigt auf?

Die beiden Mannschaften, die am Ende die meisten Punkte haben.

Und wer steigt ab?

(lacht) Ja, eben die, die die wenigsten haben. Mal ehrlich, man kann das jetzt nicht wirklich beantworten. Nach oben haben Leipzig und Freiburg sicher tolle Möglichkeiten und stehen derzeit auch zu Recht vorne. Aber es kann noch viel passieren.

Viel passiert ist in den vergangenen Jahren auch bei der SpVgg Greuther Fürth. Es gab in vier Jahren vier Sportdirektoren. Wie lange bleiben Sie jetzt im Amt?

Was in der Vergangenheit war, kann ich nicht bewerten, wenn überhaupt dann ist das eher Ansporn für mich, jetzt für Konstanz zu sorgen. Ich bin hier, weil ich hierbleiben möchte. Also möchte ich möglichst lange an dieser spannenden Aufgabe arbeiten, das versteht sich doch von selbst.

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