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Gaudino: „Wir hatten es früher schwerer“

Der ehemalige Bundesligastar spricht im Interview mit unserer Zeitung über den FC Bayern, Tätowierungen und seinen Sohn.
Von Jürgen Scharf, MZ

Maurizio Gaudino war als Profi einer, der gut mit dem Ball umgehen konnte – hier bei seiner Vorstellung beim VfL Bochum.
Maurizio Gaudino war als Profi einer, der gut mit dem Ball umgehen konnte – hier bei seiner Vorstellung beim VfL Bochum. Foto: Archiv/dpa

Regensburg.Herr Gaudino, vor 14 Jahren haben Sie Ihre Karriere als Profi-Fußballer beendet. Was haben Sie danach gemacht?

Zunächst war ich beim SV Waldhof Mannheim tätig, in verschiedenen Positionen: als Spieler, als Sportdirektor und auch als Interimstrainer. Danach war ich bei der SG Sonnenhof Großaspach und bin auch dort für kurze Zeit als Coach eingesprungen. Derzeit arbeite ich als Sportdirektor beim SSV Reutlingen. Zudem bin ich schon seit vielen Jahren als Spielerberater aktiv. Hier arbeite ich vor allem mit jungen, talentierten Spielern, die wir langsam aufbauen wollen.

Wollten Sie jemals dauerhaft als Trainer arbeiten?

Nein, das kam für mich nicht infrage. Deswegen habe ich auch nie den Trainerschein gemacht. Für mich war klar, dass ich nicht wieder jeden Tag auf dem Trainingsplatz stehen will. Obwohl ich eines zugeben muss: Wenn man älter wird, fragt man sich manchmal, ob der Trainerjob nicht vielleicht doch was gewesen wäre.

„Wenn man älter wird, fragt man sich manchmal, ob der Trainerjob nicht vielleicht doch was gewesen wäre.“

Maurizio Gaudino

Wo leben Sie derzeit?

Vor drei Jahren bin ich von Stuttgart nach München gezogen, unter anderem auch, um meinen Sohn Gianluca bei seinem Weg in den Profi-Fußball zu unterstützen.

Sie haben als Berater einige Spieler unter Vertrag, die in den hohen Amateurklassen spielen. In der Regionalliga Bayern spielt auch der SSV Jahn Regensburg. Hatten Sie hier schon Kontakt?

Einen direkten Kontakt gab es noch nicht, aber Jahn Regensburg ist für mich in meiner Arbeit als Berater wie viele andere Klubs aus der 3. Liga oder Regionalliga interessant, weil diese Vereine das Sprungbrett für Talente nach ganz oben sind.

Lange Haare, Goldkettchen, Ohrring: Sie galten zu Ihrer aktiven Zeit als Paradiesvogel. Heute sind viele Spieler über den gesamten Körper tätowiert und es juckt keinen mehr. Was hat sich da geändert?

Es ist alles viel offener geworden. In der Tat warst du früher sofort abgestempelt, wenn du irgendwie anders aufgetreten bist. Wir hatten es da sicher schwerer. Heute sind die Fußballer von oben bis unten tätowiert, manche sind so etwas wie laufende Gesamtkunstwerke. Das ist Wahnsinn – aber keiner stört sich daran. Ich gönne das den Jungs auch. Jeder kann sich so geben, wie er will, allerdings geht es mittlerweile fast in die andere Richtung. Heutzutage laufen die Spieler bei fünf Grad minus noch bewusst mit kurzen Ärmeln auf dem Trainingsplatz rum, damit man ihre Tattoos sieht. Und die, die nicht tätowiert sind oder sonstwas machen, sind jetzt quasi die Außenseiter.

Sie managen Ihren Sohn. Wie fühlt sich das an, als Vater und Ex-Profi dem Filius beim Fußballspielen zuzuschauen?

Das ist in erster Linie mal sehr schön. Nicht zuletzt, weil ich meinen Sohn auch als Berater betreue und wir uns auch auf dieser Ebene bis ins letzte Detail über Fußball unterhalten können. Das ist was anderes, als wenn es immer alleine von Vater zu Sohn wäre, denn dem Vater, dem glaubt man ja nie was. Wenn ich die Rolle des Beraters einnehme, dann ist es einfacher, Dinge kritisch anzusprechen. Am Anfang war aber auch das natürlich etwas schwierig, mittlerweile haben wir aber eine sehr schöne Basis gefunden, um uns über Fußball auszutauschen.

Was hat Ihr Sohn von Ihnen fußballerisch geerbt?

Das ist eine Frage, die ich nicht so gerne höre, denn man sollte hier nicht ewig Vergleiche ziehen. Eines kann ich aber sagen: Gianluca hat sicher genau wie ich diese absolute Fußball-Verrückheit. Diesen Spaß daran, Tag und Nacht Fußball zu spielen.

Maurizio Gaudino mit seinem Sohn Gianluca
Maurizio Gaudino mit seinem Sohn Gianluca Foto: dpa

Er wurde nun vom FC Bayern an den FC St. Gallen in die Schweiz ausgeliehen. Wie geht es ihm dort?

Sehr gut. Er lernt dort, in der Verantwortung als zentraler Punkt einer Mannschaft zu stehen. Deswegen war es genau die richtige Entscheidung. Beim FC Bayern spielst du den Ball fünf Meter weiter und hast sofort einen Scorerpunkt, weil du lauter Weltklassespieler neben dir hast, die dann ein Solo und ein Tor machen. In St. Gallen muss sich Gianluca ganz anders bewähren und er hat zuletzt sehr gute Spiele gezeigt.

Es wird derzeit darüber diskutiert, warum beim FC Bayern zuletzt so wenig eigene Talente den Durchbruch geschafft haben. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Nein, dazu kann ich wenig sagen. Ich bin auch nicht jeden Tag im Training dabei, um mir da ein Bild machen zu können. Es liegt aber sicher immer zu einem großen Teil am Trainer der Profis. Der Louis van Gaal hat beim FC Bayern konsequent auf Jugendspieler gesetzt und macht das bei Manchester United wieder genauso. Bei Pep Guardiola war das eher sporadisch der Fall. Jetzt schauen wir einfach mal, was die Zukunft bringt.

„Der FC Bayern ist für mich im Moment im leichten Sinkflug.“

Maurizio Gaudino

Ist es für Ihren Sohn eigentlich eine Last, dass es der Vater bis zum Nationalspieler geschafft hat?

Das glaube ich nicht, ich glaube, dass das eher ein Ansporn für ihn ist. Gerade jetzt, weil er derzeit nicht in der Bundesliga ist. In Deutschland gäbe es immer Vergleiche, in der Schweiz kann er viel einfacher seinen eigenen Weg gehen.

Ihre Eltern stammen aus Italien. Haben Sie einen Lieblingsklub in der Serie A?

Ja, schon, den SSC Neapel.

Dann können Sie das Champions-League-Rückspiel des FC Bayern gegen Juventus Turin ja relativ objektiv verfolgen. Was glauben Sie, wie es ausgeht?

Der FC Bayern ist für mich im Moment im leichten Sinkflug. Sie haben natürlich immer noch diese überragenden Einzelspieler, die eine Partie alleine entscheiden. Diese tolle mannschaftliche Kompaktheit, dieses außergewöhnliche Passspiel, das sie unter Guardiola bereits hatten, sehe ich derzeit aber nicht. Ich glaube nicht, dass Juventus gegen Bayern vor vier, fünf Monaten nochmal so zurückgekommen wäre wie im Hinspiel. Unterm Strich bleibt Bayern aber Favorit und sollte sich auch durchsetzen.

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