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Crosstriathlon

Hinter Kerner liegt ein hartes Jahr

Das Ziel des Burglengenfelders ist die WM im August in Kanada. Zuerst aber heißt das Heimspiel „Jag de Wuidsau“.
Von Andreas Allacher, MZ

Erschöpft und gezeichnet, aber glücklich: Thomas Kerner im Ziel Fotos: Pretzl
Erschöpft und gezeichnet, aber glücklich: Thomas Kerner im Ziel Fotos: Pretzl

Regensburg.Wie war das erste Jahr als Profi im Crosstriathlon?

Sehr lehrreich. Aber ich habe den Schritt nicht bereut, obwohl die ersten vier Rennen alles andere als glücklich verlaufen sind. Dreimal hatte ich einen Plattfuß, einmal bin ich gestürzt und musste die letzten 20 Kilometer ohne Sattel radeln. Und als ich in der Schweiz meine total verdreckte Radlerbrille weggeworfen habe, bekam ich ein Steinchen ins Auge und erlitt einen Riss in der Netzhaut. Da habe ich den Rest der Radstrecke und den Geländelauf einäugig absolviert. Von Juni bis Saisonende bin ich wegen Achillessehnenproblemen eigentlich nur im Rennen gelaufen; das Lauftraining indes hatte Pause. In Schweden gelang mir dann die erste Top-Ten-Platzierung. Obwohl die Strecke für mich nicht ideal war, hat man mit Platz acht doch gesehen, was möglich wäre. Zum Abschluss war ich mit Platz 14 in Dänemark recht zufrieden, obwohl ich nach dem Schwimmen wieder viel Rückstand hatte. Vielleicht habe ich es nach der ersten Disziplin zu oft mit der Brechstange probiert, vor allem auf dem Rad eine zu riskante Linie probiert. Ich weiß um meine Fehler, ich werde daraus lernen.

Auf der Laufstrecke...
Auf der Laufstrecke...

Was hat sich mit dem Schritt zum Profi geändert?

Seit meinem Wechsel zum Crosstriathlon im Jahr 2013 war vieles ein Selbstläufer. Ich wurde im ersten Anlauf in Den Haag Weltmeister in meiner Altersklasse. Im Jahr darauf gelang mir die Titelverteidigung, wobei die Zahl der Konkurrenten schon von fünf auf rund 30 gestiegen war. Dazu kam der erste Xterra-WM-Titel auf Maui (Hawaii). Mit dem Wechsel ins Profilager wollte ich mich weiterentwickeln und die eigenen Grenzen noch einmal versetzen. Die wichtigste Änderung: Als Profi geht mein Blick nicht mehr auf die Altersklasse, sondern auf das Gesamtklassement. Sonst hat sich wenig geändert: Ich gehe weiter 35 Stunden pro Woche gerne bei Krones in Neutraubling meinem Beruf nach, muss mein Training in den Alltag integrieren und habe bei den Wettkämpfen keinen höheren Zeitaufwand. Die Regenerationsphasen, deren Bedeutung oft unterschätzt wird, kommen freilich ein bisschen zu kurz.

„Ich weiß um meine Fehler, ich werde daraus lernen.“ Thomas Kerner

Hat sich der Schritt ins Profilager finanziell rentiert?

Es ist nicht einfach, Sponsoren für diese Randsportart zu finden, zumal die Verletzungsrisiko und die Pannenanfälligkeit doch weitaus höher sind wie in anderen Sportarten. Profi heißt auch professionell zu arbeiten, wenn es um die Planung der Reisen zu den Wettkämpfen und um das Material geht: Da müssen Verschleißteile am Rad einfach eher gewechselt werden. Die Preisgelder, die es im Crosstriathlon zu verdienen gibt, liegen im Bereich von 3000 Euro, aber nur für den Sieger. Selbst im Triathlon brauchen nur einige Spitzenleute nicht mehr in die Arbeit zu gehen. Insgesamt war es für mich eher ein Draufzahlgeschäft. Glücklicherweise habe ich zwei Sponsoren gefunden, die rund die Hälfte der Unkosten abdecken.

Wie hoch ist denn Ihr Trainingsaufwand?

Man sagt immer: Sommerathleten werden im Winter gemacht und umgekehrt. Bis zu den ersten Wettkämpfen im Mai ist 15 bis 20 Stunden Grundlagentraining angesagt. Zwischendurch geht es zwei Wochen als Guide eines Reiseveranstalters nach Fuerteventura, was gut in mein Training passt, und Ostern noch eine Woche mit dem TV Burglengenfeld ins Trainingslager nach Italien. In der Wettkampfsaison bis September stehen den formerhaltenden Maßnahmen im Mittelpunkt. Zum Training habe ich mich übrigens auch dem TriStar Regensburg angeschlossen, hier ist man in meiner Problemdisziplin Schwimmen auf einem guten Level. Denn auch wenn der Crosstriathlet im Rennen ein Einzelkämpfer ist: Die Trainingsgruppe muss passen. Wenn es hart wird, tut ein Partner gut, der einen nach vorne puscht. Denn jede Leidenschaft braucht auch Spaß.

Sie waren als Jugendlicher ein erfolgreicher Leichtathlet. Wie kommt man da zum Crosstriathlon?

Angefangen hat alles mit einem Kreuzbandriss, den ich mir 2011 beim Fußballspielen zugezogen hatte. Zur Rückkehr in den Sport dürfte ich zuerst Rad fahren. Im Gespräch mit meinem Leichtathletiktrainer Franz Pretzl, der selbst Crosstriathlon- und Wintertriathlon-Weltmeister war, wurde die Idee geboren. Da habe ich dann zuerst einmal mein Seepferdchen im Bulmare gemacht.

Sind es böse Zungen, die sagen, dass es im Crosstriathlon leicht ist, große Titel einzufahren, weil die Konkurrenz klein ist?

Das stimmt schon, aber man muss die Leistung sehen. Crosstriathlon ist eine Form des Triathlons, der sich ja auch als Breitensport immer größerer Beliebtheit erfreut, weil es ein Sport für den ganzen Körper ist. Crosstriathlon – das sind für mich „die fünf K“: Kraft, Kondition, Konzentration, Koordination und Kerner. Dazu kommt, dass man keine Sekunde unkonzentriert sein darf und selbst im Flachen keine Erholungsphasen hat. Und: Crosstriathlon bedeutet eine große Spezialisierung. Mancher Triathlet wäre wohl etwas deprimiert, wenn er bei uns mitmachen und dann auf die Ergebnisliste schauen würde. Ich hoffe, dass die Popularität des Crosstriathlon in der Zukunft nach oben geht, nachdem der Trend der Menschen zum Sport in der Natur offensichtlich ist. Viele Leute haben ja heute schon ein Mountainbike statt eines Straßenrades. Trailrunning zum Beispiel erlebt derzeit einen absoluten Boom.

Auch Kinder haben bereits den Triathlonsport für sich entdeckt. Wann ist der Einstieg in den Crosstriathlon für den Nachwuchs sinnvoll?

Ich trainiere in Burglengenfeld selbst eine Kinder-Bike-Gruppe. Es ist toll, wie schnell die Kids das Erlernte umsetzen. Sie haben großteils ein weitaus besseres Körpergefühl als wir Erwachsene. Der Einstieg ist ab sieben bis zehn Jahre möglich, aber natürlich auf deutlich verkürzten Strecken.

Gibt es für die Kinder außer Thomas Kerner Vorbilder in der Crosstriathlon-Szene?

In Deutschland ist sicherlich Sebastian Kienle, der auch schon den Ironman gewonnen hat, einer der bekanntesten Vertreter. International sind der dreimalige Weltmeister Ruben Ruzafa aus Spanien und der Mexikaner Mauricio Mendez, der ebenfalls schon den WM-Titel holte, die Aushängeschilder unseres Sports.

„Es ist toll, wie schnell die Kids das Erlernte umsetzen.“ Thomas Kerner

Was sind die Ziele des Profis Thomas Kerner für das Wettkampfjahr 2017?

Das große Ziel ist die Weltmeisterschaft am 23. August in Kanada: Da wäre ein Platz unter der Top 20 ein schöner Erfolg. Davor mache ich auf der Europa-Tour in Zypern, Griechenland und Belgien Station: Hier strebe ich ein Top-Five-Resultat an; insgesamt will ich mich mittelfristig unter den Top Ten etablieren. Die Europameisterschaft Ende Juli in Transsilvanien sehe ich eher als Test für die WM. 2018 wird dann wieder die Xterra-Weltmeisterschaft auf Maui im Mittelpunkt stehen.

Zuerst aber heißt es wieder „Jag de Wuidsau“, sozusagen der eigene Crossduathlon, der am 25. März zum vierten Mal in Ihrem Heimatort Dietldorf stattfindet.

Ja, auch das war wieder eine Idee, die zusammen mit Franz Pretzl geboren wurde. Bei dieser Veranstaltung merken die Teilnehmer, dass das ganze Dorf hinter mir steht. Das Streckennetz im anspruchsvollen Terrain des Vilstals war leicht zu finden, denn das sind alles meine früheren Trainingswege. Wir haben die Rundkurse zuschauerfreundlich gestaltet; in 400 Metern Fußweg vom Veranstaltungszentrum sind alle publikumsträchtigen Stellen erreichbar. Die Strecken sind abwechslungsreich, aber für jedermann fahrbar, so dass auch Hobbystarter willkommen sind. In den Vorjahren waren wir mit der Resonanz von rund 130 Teilnehmern sehr zufrieden, mehr als 200 sollten es angesichts der beengten Verhältnisse ohnehin nicht sein. Der Wettkampf ist der einzige dieser Art in der Region und wird wieder als Oberpfalzmeisterschaft gewertet.

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Vier Disziplinen

  • Crosstriathlon

    besteht aus den drei Disziplinen Schwimmen, Mountainbiken und Geländelauf. Dadurch sind neben Kraft und Kondition vor allem auch Konzentration und Koordination gefragt.

  • So können sich

    die Crosstriathleten keine Sekunde der Unachtsamkeit erlauben. Im Vergleich zur Triathlon-Langdistanz (neun Stunden) ist die Wettkampfdauer mit drei Stunden deutlich kürzer.

  • An Anrüstung

    braucht man zum Schwimmen Triathlonanzug (evtl. Neoprenanzug), Schwimmbrille, Badekappe, zum Biken Mountainbike (Fully), Helm, Handschuhe, Brille und Fahrradschuhe

  • Für die Laufstrecke

    rät Thomas Kerner neben Laufbekleidung dringend zu profilierten Geländelauf-Schuhen; zwei bis drei Paar sollte man davon wegen Nässe und Schmutz schon haben.

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