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Jan Frodenos Lust, sich zu quälen

Triathlonstar Jan Frodeno spricht im MZ-Interview über Verletzungen, Vaterglück, Bierdurst und den Traum vom Weltrekord.
von Thorsten Drenkard, MZ

  • Jan Frodeno Foto: dpa

Neumarkt.Herr Frodeno, sieben Stunden, 41 Minuten und 33 Sekunden, das ist die Weltbestmarke auf der Triathlon-Langdistanz, die Sie versuchen wollen, bei der Challenge Roth am 17. Juli zu unterbieten: Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Ich werde alles dafür tun, dass mein großer Traum vom Weltrekord Wirklichkeit wird. Aber fest steht auch, dass noch ein paar andere gute Jungs am Start sein werden. Meine Prämisse ist es zu gewinnen. Wenn ich zum Beispiel sieben Stunden, 41 Minuten und 20 Sekunden laufe, am Ende aber Zweiter werden würde, wäre das ja auch doof (lacht). Welche Zeit an diesem Tag möglich ist, wird auch vom Wetter abhängen und davon, was mein Körper, meine Beine und mein Kopf sagen.

Sie haben sich im Februar einen neun Zentimeter langen Riss in der Wadenmuskulatur zugezogen, mussten Ihren Start in Ihrer früheren Heimat Südafrika absagen. Was macht der Heilungsprozess, wie ist Ihr Leistungsstand?

Man sagt allgemein, dass die Heilung ungefähr eine Woche pro Zentimeter braucht. Eine Restvernarbung in der Muskulatur bleibt aber. Im Moment befinde ich mich noch im Grundlagen- und Aufbautraining. Vom Tempo her bin ich zwar noch nicht dort, wo ich sein möchte, aber das wird noch kommen.

Ihr erster Ironman 2016 ist am heutigen Samstag in Lanzarote. Kommt der Termin für Sie nicht etwas zu früh?

Lanzarote ist optimistisch gewählt. Ich gehe immer vom Besten aus und möchte mich nicht drücken. Das Rennen ist aber nicht das, bei dem ich absolut topfit am Start sein werde.

In zwei Monaten steht dann die Challenge Roth an, bei der Sie erstmals starten – warum?

Das hat viele Gründe. Natürlich ist Roth auf jeden Fall ein Rennen, das man als Triathlet einmal mitgemacht haben sollte. Die Stimmung hier ist legendär, das habe ich schon von vielen aus der Szene gehört.

Der stimmungsvolle Höhepunkt der Challenge Roth ist stets der Solarer Berg: Was wissen Sie darüber?

Zunächst einmal, dass er eigentlich kein Berg, sondern vielmehr ein Hügel ist (lacht). Aber er ist langsam genug, um alles auf dem Fahrrad wahrzunehmen. Was die Faszination und Stimmung anbelangt, ist er vielleicht vergleichbar mit dem Col du Galibier bei der Tour de France. Ich bin schon sehr gespannt auf die Atmosphäre.

Hawaii-Sieger, Sportler des Jahres, Laureus-Award-Gewinner, bei Ihnen reiht sich eine Auszeichnung an die nächste. Mittlerweile sind Sie in der Liga der Promi-Sportler angekommen. Wie fühlt sich das so an?

Je mehr man in diesem Kreis prominenter und erfolgreicher Sportler sein darf, desto mehr stellt man fest, dass das alles auch Menschen mit ganz normalen Problemen wie jeder andere auch sind. Das ist sehr angenehm.

Wie sehen Sie den Triathlon in der öffentlichen Wahrnehmung?

In Deutschland findet der Triathlon großen Zuspruch. Er ist eine sehr, sehr moderne Sportart, ganz einfach deshalb, weil er nah dran am Jedermann ist. Jeder kann dabei sein, egal ob auf oder neben der Strecke. Es ist eine spannende Phase momentan für meinen Sport, und ich freue mich in gewisser Weise als Botschafter einen Teil zurückgeben zu können – schließlich habe ich alles meiner Sportart zu verdanken.

Es ist knapp sechs Jahre her, da waren sie körperlich und mental völlig ausgebrannt – Burnout: In den vergangenen Wochen und Monaten geht es für Sie von Verleihung zu Pressetermin zu Auszeichnung. Wie ist es um Ihre inneren Akkus derzeit bestellt?

Die vergangenen Wochen waren intensiv, keine Frage. Eine fordernde, schöne Zeit. Aber nach all der Aufmerksamkeit und dem ganzen Trubel freue ich mich jetzt einfach auf mein Fahrrad und einen einsamen Pass. Diese Freiheit werde ich genießen.

MZ-Serie: Jeden Samstag fühlt die Sport-Redaktion einem Interviewpartner auf den Zahn.

Seit Februar sind Sie Vater eines Sohnes, wie hat sich Ihr Leben dadurch geändert?

Es hat sich alles geändert. Die Beziehung zu dem Kleinen wird jeden Tag intensiver und ich freue mich jedes Mal auf ihn, wenn ich nach dem Training nach Hause komme.

Wie klappt es, Familie und Leistungssport unter einen Hut zu bringen – Stichwort Schlaf?

Gut klappt es. Auch wenn sich das jetzt egoistisch anhört, aber ich muss zugeben, dass ich mit Ohropax und Augenmaske schlafe – so bekomme ich nicht wirklich viel mit. Jeder in unserem Geschäft weiß, wie wichtig Schlaf ist. Zum Glück habe ich eine Frau, die aus meinem Sport kommt und mir den Rücken frei hält. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Wie viele Paar Laufschuhe verbrauchen Sie im Jahr?

Ich schätze so ungefähr 50 Paar.

Hören Sie beim Lauftraining Musik, wenn Ja, was läuft gerade bei Ihnen auf den Kopfhörern?

Ich höre eher selten Musik beim Laufen im Freien, was daran liegt, dass ich einmal übel umgeknickt bin, während ich Kopfhörer auf dem Ohr hatte. Deshalb laufe ich lieber ohne Musik.

Welche Trainingseinheit nervt Sie am meisten: Laufen, Radfahren oder Schwimmen?

Allein zu schwimmen ist schon die Hölle. Zum Glück habe ich aber treue und gute Trainingspartner, die meistens dabei sind. Dann geht das schon viel besser.

Warum tut man sich diese Qualen immer wieder aufs Neue an?

Mich reizt der Trainingsalltag, der Wettkampf, das Konkurrenzdenken – das alles treibt mich an. Ich habe die Motivation, mich jeden Tag zu verbessern.

Warum sollte man als Hobbysportler, der vielleicht gerne läuft, schwimmt oder Rad fährt, alles zusammentun und einen Triathlon bewältigen?

Klar, im ersten Moment denkt man, ganz schön blöd, wer macht das und warum eigentlich. Aber die Glückshormon-Ausschüttung ist beim Triathlon so groß wie wohl bei keinem Sport. Es hat einen Suchtfaktor. Wenn jemand einmal mitgemacht hat, steht die Chance nicht schlecht, dass er dabei bleibt. Der Triathlon bietet eine gesunde sportliche Mischung und eine familiäre Gemeinschaft, in der man nach dem Training auch mal zusammen ein Bierchen trinkt.

Apropos Bier: Jüngst wurde 500 Jahre Reinheitsgebot gefeiert, wie steht es um ihren Bierdurst?

Ich trinke gerne mal ein Bier, und da ich viel rumkomme, versuche ich auch immer lokale Spezialitäten zu probieren. Aber ich muss die Puristen enttäuschen: Ich trinke zu 99 Prozent alkoholfreies Bier.

Auch wenn die durchtrainierten Körper der Triathleten eine andere Sprache sprechen, heißt es immer: Triathlon ist Kopfsache - stimmt das?

Ja, das ist wohl wahr. Denn der Triathlon, gerade auf der Langdistanz, führt dich an deine persönlichen Grenzen heran. Viele Athleten werden im Wettkampf oft das erste Mal wirklich mit sich selbst konfrontiert. Auch ich lerne mich durch den Triathlon-Sport jeden Tag selbst aufs Neue kennen – sowohl im Guten wie auch im Schlechten.

Vergangene Woche hat uns FC-Bayern-Star Sara Däbritz im Samstagsinterview mehr über ihre Träume verraten. Hier geht es zu den Samstags-Interviews der MZ-Sportredaktion. Mehr Nachrichten aus dem Sport lesen Sie hier.

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