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MZ-Samstagsinterview

Manni Schwabl hat noch ganz viel vor

Der Ex-Nationalspieler spricht im MZ-Interview über seine Karriere, Freundschaft, Schulden und seinen runden Geburtstag.
Von Jürgen Scharf, MZ

Erst Profifußballer, nun Funktionär: Seit vier Jahren ist Manfred Schwabl Präsident der SpVgg Unterhaching.
Erst Profifußballer, nun Funktionär: Seit vier Jahren ist Manfred Schwabl Präsident der SpVgg Unterhaching. Foto: Eibner

Regensburg.Herr Schwabl, am Montag hatten Sie 50. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Vielen Dank.

Wie haben Sie gefeiert?

Wir haben reingefeiert in der Nähe meiner Heimat Holzkirchen mit etwa 100 Leuten. Da ging es quer durch: ein paar Fußballer, Freunde, Verwandte. War sehr solide (lacht).

Waren auch Gäste aus der Oberpfalz da?

Der Hans Dorfner aus Regensburg war mit seiner ganzen Familie da. Mit dem Hans bin ich ja seit langem eng befreundet. Ich bin unter anderem sein Trauzeuge, und da nimmt man ja nicht jeden, denke ich. Wir sind übrigens auch aus der Nummer, dass wir bei Bayern direkte Konkurrenten um einen Platz im Mittelfeld waren, gut rausgekommen. Da zeigt es sich dann wirklich, ob man miteinander kann.

Bei vielen Fußballern ist nach der Karriere so viel kaputt in den Gelenken, dass sie kaum noch Sport treiben können. Wie geht es Ihnen?

Ich hab bereits mit 31 aufgehört, also relativ früh, aber nicht verletzungsbedingt. Ansonsten bin ich ohnehin relativ unfallfrei durch die Zeit gekommen. Ein paar kleinere Verletzungen, aber nie was wirklich Schlimmes.

Das heißt, Sport treiben ist noch möglich?

Ja, Fußball, Tennis, ich könnte alles machen. Allerdings komm’ ich einfach nicht dazu. Wenn, dann geh ich mal aufs Laufbandl. Es ist aber mein Wunsch für die nähere Zukunft, sich etwas mehr Zeit für den eigenen Körper zu nehmen.

Was war Ihr schönster Moment als Fußballer?

Da fällt einem schon das erste Länderspiel ein. Das war unterm Franz Beckenbauer. In Hamburg bin ich gegen Dänemark eingewechselt worden. Das vergisst du nie.

„Ich sage immer, dass man die Dinge realistisch einschätzen muss. Das heißt ja nicht, dass sie weniger interessant sind.“

Was war der bitterste Moment?

Sicherlich der Abstieg mit dem Club, verbunden mit meinem verschossenen Elfmeter im Spiel gegen die Bayern. Das verfolgt mich in Gesprächen bis heute. Ist auch etwas schade, weil ich war fünf Jahre beim Club und hatte da eine Superzeit. Wir waren auch im Europapokal. Erinnern tun sich die Leute aber meist nur an den verschossenen Elfmeter.

FC Bayern, 1. FC Nürnberg, TSV 1860 München. Früher konnten Sie sagen, dass Sie bei allen drei großen bayerischen Klubs gespielt haben. Mittlerweile haben sich die Kräfteverhältnisse im Freistaat etwas verschoben, oder?

Ja, das kann man so sagen, wenn man auf Augsburg und Ingolstadt schaut. Die waren jetzt relativ gut auf der Überholspur. Die Entwicklung bei beiden ist super. Allerdings ist die Fanbasis bei 1860 und dem Club, trotz der teils schwierigen sportlichen Situation natürlich immer noch riesig.

Bayern wird Meister, das ist klar. Aber halten Augsburg und 1860 die Klasse?

Augsburg schafft’s. Alleine wegen dem Trainer Markus Weinzierl. Dem fällt immer was ein, der zieht schon noch einen Joker raus, wenn es gebraucht wird. Bei den Sechzgern kann man dagegen nur noch hoffen. Da ist der Druck enorm. Ein Abstieg wäre für den Verein fatal.

Steigt Nürnberg auf?

Der Relegationsplatz ist jetzt mehr oder minder gesichert. Wenn man sich dann anschaut, wer da aus der ersten Bundesliga kommen könnte, wird das sicher schwer. Aber es hat sich schon oft gezeigt, dass es am Ende der vermeintlich Kleinere geschafft hat.

Seit 2012 sind Sie Präsident der SpVgg Unterhaching. Ihr Klub spielte Ende der Neunziger Jahre zwei Jahre in der ersten Bundesliga. Erleben wir das irgendwann wieder?

Also ganz oben zu planen, wäre vermessen. Ich sage immer, dass man die Dinge realistisch einschätzen muss. Das heißt ja nicht, dass sie weniger interessant sind. Der Standort Unterhaching gibt die Möglichkeiten für einen soliden Zweitligisten her. Nicht mehr und nicht weniger. Und das zu erreichen, ist schwer genug, auf Sicht aber sicher nicht unmöglich.

Im Halbfinale des bayerischen Totopokals gewann die SpVgg Unterhaching mit 5:1 beim SSV Jahn Regensburg. Hier finden Sie den Bericht vom Spiel.

Wann soll es erreicht werden?

Das ist immer eine Frage der finanziellen Ausstattung. Da bewegen wir uns noch auf einem sehr dünnen Eis. Deswegen geht es bei uns ganz klar in Richtung Investor mit einer Ausgliederung der Profimannschaft. Das sollte schon spätestens im kommenden Winter über die Bühne gehen.

Angst, dass die SpVgg dann als aufgekaufter Retortenklub gelten würde?

Nein, denn man kann nicht alles haben. Die Fans haben manchmal Angst, dass man den Verein hergeben würde. Aber der Verein muss auch finanziert sein, das wird vergessen.

Zuletzt hatte man kurz den Eindruck, die SpVgg wird ein Promi-Namen-Klub. Hummels, Götze, Schwabl oder Köpke – es kickten viele Brüder oder Söhne von großen Stars. Nun sind viele davon aber wieder weg. War das also alles nur Zufall?

Ja, absoluter Zufall. Wir haben nicht geplant, dass wir jetzt unbedingt tolle Namen haben müssen. Das hat sich einfach für gewisse Zeit so ergeben. Sicher auch, weil man sich gegenseitig kennt. Letztlich geht es aber immer nur um die sportliche und charakterliche Qualität, egal wie jemand heißt.

Ja Manni Sch

Die Regelung, dass selbst der Regionalliga-Meister für den Aufstieg in die Relegation muss, finden Sie…

...schwierig planbar für die Vereine. Mir muss aber einer mal die Königslösung verraten. Alle wollten fünf Regionalligen, und die 3. Liga will nur drei Absteiger, was man auch verstehen kann. Wer gibt da jetzt am Ende nach? Wo ist der Ansatzpunkt? Das ist nicht leicht. Vielleicht sollte man mal über eine Aufstiegsrunde nachdenken.

Würden Sie dem SSV Jahn den Aufstieg gönnen?

„Es gab schwierige Zeiten, klar, da habe ich mich aber nicht verkrochen.“

Wie läuft es bei Ihrem Sohn Markus, der zu dieser Saison aus Unterhaching zum VfR Aalen gewechselt ist?

Er ist gleich Kapitän geworden. Der VfR ist bei seinem Ziel, die Klasse zu halten, auf einem guten Weg und auch für ihn persönlich läuft’s sportlich gut.

Hätten Sie ihn lieber noch gerne länger bei der SpVgg gehabt?

Nicht unbedingt. Es ist für ihn auch gut, dass er woanders spielt, weil er hier immer mit mir verglichen wurde. Das ist natürlich auch schwierig für die Jungs.

Bei der Jahresversammlung der SpVgg gaben Sie bekannt, dass Sie eine Finanzierungslücke von 300 000 Euro zur Not aus der eigenen Tasche bezahlen werden.

Ja, das stimmt.

Vor Jahren hieß es mal, dass Sie fast all ihr Geld aus der Profikarriere verloren haben und vor einem Berg Schulden stehen würden. Das scheint sich nun wieder geändert zu haben.

Mei, ich war auf dem Spielfeld ein Kämpfer und so war ich es auch da. Es hatten sich Schulden angehäuft, das stimmt, es waren aber auch Gegenwerte da. Das wurde öffentlich immer vergessen, da wurde nur gesagt, der Schwabl hat so und so viel Schulden. Das ist aber auch klar, wenn ich eine Tennishalle und ein Mehrfamilienhaus baue. Dennoch gab es schwierige Zeiten, klar, da habe ich mich aber nicht verkrochen. Jetzt kann ich es mir wieder leisten, ehrenamtlich diesen Job bei der SpVgg zu machen und auch noch Geld mitzubringen.

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