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Samstagsinterview

Oberpfälzer Spuren beim Ironman Hawaii

Wer gewinnt den legendären Ironman Hawaii? Kein Oberpfälzer kennt das Rennen und die Tücken besser als Wolfgang Schmatz.
Andreas Brey, MZ

Beim Ironman Mallorca sicherte sich Wolfgang Schmatz vor zwei Wochen sein WM-Ticket für Kona 2017. Der Oberpfälzer war bereits neunmal in Hawaii am Start. Foto: Ingo Kutsche
Beim Ironman Mallorca sicherte sich Wolfgang Schmatz vor zwei Wochen sein WM-Ticket für Kona 2017. Der Oberpfälzer war bereits neunmal in Hawaii am Start. Foto: Ingo Kutsche

Amberg.Wolfgang Schmatz, erstmal Gratulation zu Ihrem grandiosen Rennen vor zwei Wochen beim Ironman Mallorca. 9.03.21 Stunden – und das auf diesem schweren Kurs und mit mittlerweile 54 Jahren. Was ist Ihr Geheimnis?

Das Geheimnis ist, auf den Tag genau fit zu sein. Man merkt, dass die zehnjährige Zusammenarbeit mit meiner Trainerin Susanne Buckenlei Früchte trägt. Sie weiß ganz genau, wann sie bei mir Gas geben oder rausnehmen muss.

Mit dem Sieg in Ihrer Altersklasse auf Mallorca haben Sie jetzt schon das Ticket für die WM 2017 auf Hawaii sicher. Ärgert es Sie, dass Sie mit dieser grandiosen Form nicht schon diesen Sonntag beim legendären Ironman in der Bucht von Kailua Kona am Start sind?

Überhaupt nicht! Ich werde das Rennen von der Couch aus verfolgen. Wobei ich genau so nervös sein werde wie die Sportler vor Ort. Ich weiß, was sich dort abspielt, was die Athleten vor dem Start tun. Das Einchecken der Räder, die letzte Nacht vor dem Rennen, das Aufstehen, der Gang zum Pier, das Body-Marking (Aufbringen der Startnummern am Körper, Anm. d. Redaktion). Das ist ein einmaliges Prozedere. Das gibt es nur auf Hawaii. Ich kriege jetzt schon Gänsehaut, wenn ich nur dran denke.

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Ironman auf Hawaii: Die Favoriten 2016

Für die meisten Hobbytriathleten wird die Qualifikation für Hawaii immer ein Traum bleiben. Sie hingegen sind so etwas wie ein Dauergast.

Wer sich für Hawaii qualifizieren will, muss unglaublich viel investieren. Allein der Startplatz kostet fast 1000 Dollar. Hinzu kommen 3000 Euro für Flug, Hotel, Mietwagen sowie die Kosten für Trainer, Trainingslager und den Qualifikationswettkampf.

Und dann noch das extreme Training...

Als ich 2000 das erste Mal in Kona war, reichte mir ein zweiwöchiges Trainingslager. Es gab nur wenige Quali-Rennen, dort gab es aber viele Startplätze. Da bist du nach Roth gefahren und hast dich als 37. deiner Altersklasse qualifiziert. Heute gibt es so viele Rennen, da musst du schon unter die ersten Drei deiner Altersklasse kommen, um den Slot für Hawaii zu kriegen. Zudem hat sich die Leistungsdichte verändert. Die starken Altersklassen-Athleten fahren mindestens zweimal zwei Wochen in der Vorbereitung auf Lanzarote, Mallorca oder Fuerteventura, um zu trainieren.

So trainiert Wolfgang Schmatz

  • Die Trainerin:

    Seit zehn Jahren wird Wolfgang Schmatz von Susanne Buckenlei („Professional Endurance Team“) trainiert. Die Umfänge bewegen sich zwischen 10 (Minimum Winter) und 25 Stunden (Maximum Sommer) pro Woche.

  • Das Schwimmen:

    Es ist die schwächste Disziplin des Ambergers Wolfgang Schmatz – und das, obwohl er die 3,8 Kilometer beim Ironman unter einer Stunde bewältigt. Drei- bis viermal schwimmt er dafür wöchentlich zwischen 2,7 und 3,8 Kilometer.

  • Das Radfahren:

    Zwei Trainingslager (Mallorca, Lanzarote oder Fuerteventura) pro Jahr plus sechs Ausflüge in die Berge (Deutschland, Schweiz, Italien): In die zweite Disziplin investiert der 54-Jährige viel Zeit. 2015 fuhr er rund 17 000 Kilometer.

  • Das Laufen:

    Mit etwas über 3 Stunden zählt Schmatz zu den Topläufern in der Altersklasse – und das trotz geringer Umfänge von maximal 40 Kilometern pro Woche. Hinzu kommen mehrmals wöchentlich Kraft- und viel Stabilisationstraining.

Und Sie mischen trotz der starken Konkurrenz immer noch vorne mit...

Wenn du in Hawaii gut sein willst, brauchst du eine unglaubliche Grundlage. Diese Lektion habe ich von Thomas Hellriegel (1997 erster deutscher Hawaii-Sieger, Anm. d. Red.) gelernt. Du musst extrem viel Zeit investieren, um dir diese Grundlage zu erarbeiten. Ich bin beispielsweise im vergangenen Jahr 17 000 Kilometer mit 170 000 Höhenmetern Rad gefahren.

180 Kilometer – zum großen Teil durch die Lavawüste – führt die Radstrecke des Ironman Hawaii. Wolfgang Schmatz kennt die Tücken des Kurses – und die gefürchteten Mumukuwinde.
180 Kilometer – zum großen Teil durch die Lavawüste – führt die Radstrecke des Ironman Hawaii. Wolfgang Schmatz kennt die Tücken des Kurses – und die gefürchteten Mumukuwinde.

Außerdem solltest du die Qualifikation frühzeitig schaffen. Die meisten Europäer lösen ihr Ticket Mitte des Jahres in Frankfurt, Zürich oder Klagenfurt. Anschließend fallen sie dann – und das ist absolut normal – in ein Loch, aus dem sie bis Kona im Oktober nicht mehr rechtzeitig rauskommen.

Sie arbeiten seit zehn Jahren mit Susanne Buckenlei, die auch die Regensburger Profitriathletin Sonja Tajsich früher trainierte, zusammen. Wie gelingt es ihr Sie immer wieder zu motivieren?

Das muss sie gar nicht. Ich gebe ihr das Ziel vor, sage ihr also, was ich machen möchte, und sie schreibt mir dann dazu den passenden Plan. Das besondere ist, obwohl wir schon so lange zusammarbeiten, gibt es jedes Jahr unterschiedliche Pläne. Sie sind nie langweilig oder ähnlich.

 „You are an Ironman!“ Mit diesen Worten empfängt der berühmteste Streckensprecher der Welt, Mike Reilly, die Eisenmänner, die auf dem Ali Drive dem Ziel entgegen laufen. Wolfgang Schmatz hörte bei jedem seiner neun Starts den legendären Ruf.
„You are an Ironman!“ Mit diesen Worten empfängt der berühmteste Streckensprecher der Welt, Mike Reilly, die Eisenmänner, die auf dem Ali Drive dem Ziel entgegen laufen. Wolfgang Schmatz hörte bei jedem seiner neun Starts den legendären Ruf.

Zudem werde ich seit 2002 bei Medifit, einem ambulanten Reha Zentrum in Kümmersbruck, professionell betreut. Dieses Krafttraining das ganze Jahr über ist extrem wichtig – gerade für Langdistanz-Triathleten.

Es wird viel geschrieben über den Mythos Hawaii, die Härte des Rennens. Ist es wirklich so hart?

Ja. Es wird zwar gesagt, dass Lanzarote wegen der bergigen Radstrecke schwerer wäre, aber Hawaii ist dennoch härter. Allein, wenn du das erste Mal nach deiner Ankunft zum Schwimmtraining an den Pier gehst, kommen sie dir alle mit nackten Oberkörpern entgegen.

Normalerweise schwimmt Wolfgang Schmatz die 3,8 Kilometer unter einer Stunde – nur auf Hawaii nicht. Schuld sind die zum Teil heftigen Wellen.
Normalerweise schwimmt Wolfgang Schmatz die 3,8 Kilometer unter einer Stunde – nur auf Hawaii nicht. Schuld sind die zum Teil heftigen Wellen.

Es gibt nirgendwo auf der Welt einen größere Anzahl an so extrem durchtrainierten Körpern wie in diesen Tagen auf Hawaii. Das Rennen selbst ist brutal. Über 2000 Schwimmer in dieser kleinen Bucht. Die schlagen und treten dich – und zwar die vollen 3,8 Kilometer. Du musst dir sogar den Weg zum Ausstieg erkämpfen. Das ist ja nur so eine schmale Treppe, über die alle rauswollen.

Und dann kommen noch 180 Kilometer auf dem Rad und der Marathon...

Das Radfahren in den Lavafeldern ist heftig. Die größte Gefahr ist aber, dass du auf der ersten Hälfte eine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens kassiert. Die Athleten hängen in riesigen Gruppen zusammen, weil auf den ersten 90 Kilometern aufgrund der Leistungsdichte keiner weg fahren kann. Wenn der Wind dann noch dazu kommt, wird es unvorstellbar. Da kannst du manchmal nicht mehr auf dem Aerolenker liegen. Der bläst dich sonst von der Straße.

Und dennoch kommen Sie immer wieder. Was war das schönste Rennen auf Hawaii?

Wolfgang Schmatz zuhause in Amberg: Die großen Holzschalen erhielt der 54-Jährige für seine zwei WM-Siege (2012 und 2013) in seiner Altersklasse. Sein Streckenrekord von 9.16.38 Stunden in der AK 50 hat noch heute Bestand. Foto: Brey
Wolfgang Schmatz zuhause in Amberg: Die großen Holzschalen erhielt der 54-Jährige für seine zwei WM-Siege (2012 und 2013) in seiner Altersklasse. Sein Streckenrekord von 9.16.38 Stunden in der AK 50 hat noch heute Bestand. Foto: Brey

Hmmmh. 2013, bei meinem zweiten Sieg in der Altersklasse. Nicht nur weil ich dort den Streckenrekord von 9.16.38 Stunden in der AK 50 aufgestellt habe, der noch heute Bestand hat. Sondern weil ich den Sieg von 2012 wiederholen konnte. Die Leistung zu bestätigen, war die große Herausforderung. Plötzlich stehst du nämlich im Fokus. Da kommen in den Tagen vor dem Rennen schon Konkurrenten auf dich zu und versuchen, dich zu verunsichern.

Konkurrenzkampf gibt es also in den Altersklassen genauso wie bei den Profis. Wer macht in diesem Jahr dort das Rennen?

Ich bin mir sicher, dass es ein Deutscher wird. Ich tippe auf Sebastian Kienle.

Warum Kienle, der Weltmeister von 2014, und nicht Jan Frodeno, der Titelverteidiger und aktuelle Weltrekordler?

Weil Kienle sich meiner Meinung nach besser vorbereitet hat. Jan Frodeno wollte sich eigentlich in Südafrika qualifizieren, hatte aber Anfang des Jahres einen Muskelfaserriss. Also ging er den Quali-Umweg über Lanzarote, wo er mit Platz 2 eine Superleistung zeigte. Ich hätte an seiner Stelle aber nicht auch noch Roth gemacht. Sebastian Kienle hat nur einen Ironman dieses Jahr gemacht und Frankfurt auch gewonnen. Hinzu kamen viele Halbdistanzen, wo er im Laufen unglaublich stark war.

„Für Hawaii-Neulinge habe ich nur einen Tipp: Vergesst die Zeit, genießt einfach das Rennen!“

Wolfgang Schmatz, Ultra-Triathlet

Aber Frodeno wirkt unschlagbar!

Sicher, er hat die idealen Voraussetzung, der Körperbau, die Übersetzung. Aber Kienle hat sich im Schwimmen und Laufen verbessert und er wirkt kampfbereit.

Lesen Sie weiter: So ging der Ironman Hawaii 2016 aus – so schlugen sich die Profis und die Agegrouper aus der Region.

Mit Ralf Preissl, Gaby Mehrl, Silvia Weishäupl oder Andreas Aschenbrenner sind einige Agegrouper aus Ostbayern am Start. Welchen Tipp haben Sie für sie?

Der Ralf Preissl ist ja zum dritten Mal dort, er weiß, was ihn erwartet. Für die Hawaii-Neulinge habe ich nur einen Tipp: Vergesst die Zeit, genießt einfach das Rennen!

Die ARD überträgt am Samstag von 18.45 Uhr bis 19.55 Uhr live im Fernsehen. Das Finale des Wettkampfes mit der Zielankunft in Kailua-Kona wird ebenfalls ab 1.15 Uhr live in der ARD übertragen. Das ganze Rennen ist ab dem Startschuss um 18.20 Uhr im Livestream von hessenschau.de zu sehen.

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