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Radsport

Sagan: „Dann bist du dumm oder krank“

Der Weltmeister spricht vor dem Klassiker Flandernrundfahrt mit Tom Mustroph über die Höhen und Tiefen eines Radprofis.

Freut sich auf den Tour-Start in Düsseldorf: Peter Sagan (hier im Trikot des deutschen Teams Bora-hansgrohe am 18. März beim Klassiker Mailand-San Remo
Freut sich auf den Tour-Start in Düsseldorf: Peter Sagan (hier im Trikot des deutschen Teams Bora-hansgrohe am 18. März beim Klassiker Mailand-San Remo Foto: Yuzuru Sunada/dpa

Regensburg.Peter Sagan, warum kamen Sie zu Saisonbeginn zum deutschen Team Bora-hansgrohe und nicht zu einem größeren, prestigeträchtigeren Rennstall?

Es gab eine Menge Interessenten. Aber die meisten redeten einfach nur. Ralph (Denk) und Willi (Bruckbauer/d. Red.) waren anders. Sie ließen Taten sprechen. Und das überzeugte mich, dass sie ernsthaft an mir interessiert waren.

Was hat sich verändert durch den Übergang von Team Tinkoff, das sich aufgelöst hatte, zu Bora? Oder hat sich eigentlich nichts geändert, weil Sie weiter Ihren Bruder, weitere Fahrerkollegen aus dem alten Team und auch ihre Masseure und Mechaniker um sich haben?

Ralph half mir, meine Gruppe im neuen Team zu haben. Das ist sehr wichtig für mich. Alles geht leichter, wenn du mit Leuten arbeitest, die du magst. Es macht dann einfach Spaß. Deshalb war die Veränderung auch nicht so groß. Ich bin Ralph dankbar, dass er das möglich machte.

Bei Team Tinkoff gab es ein paar extravagante Geschichten und Abenteuer, das Besteigen des Kilimandscharo zum Beispiel. Gab es mit Bora ähnliche Abenteuer? Oder vermissen Sie das jetzt?

Unsere neue gemeinsame Reise ist ein Abenteuer für uns alle. Ich plane solche Dinge nicht. Manchmal ergibt sich die Gelegenheit, und dann ist es gut, sie zu nutzen.

Welches ist Ihr Lieblingsklassikerrennen?

Als ich mit dem Radsport anfing, waren die einzigen Profirennen, von denen ich gehört hatte, die Flandernrundfahrt, Paris-Roubaix und die Tour de France. Für mich sind Flandern und Roubaix noch immer die größten Eintagesrennen. Sie sind eine richtige Herausforderung, und auch die Fans dort sind einfach besonders.

Wie haben Sie überhaupt mit dem Radsport angefangen?

Dank meines älteren Bruders Juraj. Der hat mit neun Jahren begonnen. Ich habe gesehen, dass er gewinnen kann und habe ein Jahr später auch angefangen.

Und gewonnen. Der erste Sieg, habe ich gelesen, war ein Zeitfahren. Stimmt das?

Ja, es war ein Bergzeitfahren. Ich war neun Jahre alt.

Diese Spezialität ist Ihnen aber nicht so recht geblieben, oder?

Hm, bei kurzen Zeitfahren könnte man sehen. Bei den langen wird es schwer.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie das Talent haben, um Radprofi zu werden?

Als ich den ersten Profivertrag unterschrieben habe. Da hat die Geschichte für mich begonnen. Ich bin keiner, der viel darüber nachdenkt, was ich in fünf Jahren machen werde. Ich bin jetzt hier, und was mir passiert, das passiert. Das ist Schicksal. Ich habe zum Beispiel auch nie daran gedacht, eine Tour de France zu fahren. Das war ein Traum, mehr nicht. Aber Träume werden Tag für Tag realer und dann werden sie eines Tages auch wahr.

Teamkollege von Schillinger

  • Peter Sagan

    wurde am 26. Januar 1990 in Žilina geboren. Der Slowake gewann 2015 und 2016 den Titel des Straßenweltmeisters und eroberte bei der Tour de France seit 2012 fünfmal in Folge das Grüne Trikot des Punktbesten. .

  • Insgesamt sieben Tour-Etappen

    hat Sagan, der den spektakulären Auftritt und die Show liebt, bislang für sich entschieden. Im März 2016 gewann er mit der 100. Auflage der Flandernrundfahrt sein erstes „Monument des Radsports“.

  • Das deutsche Team

    Bora-hansgrohe (ehemals NetApp, NetApp-Endura und Bora-Argon) hat seinen Sitz im oberbayerischen Raubling. Es erhielt vom Radsport-Weltverband für 2017 und 2018 erstmals die Lizenz als UCI World Team.

  • Neuer Teamkollege

    von Peter Sagan bei Bora-hansgrohe ist Andreas Schillinger aus Kümmersbruck (Landkreis Amberg-Sulzbach). Der 33-Jährige startet seit 2010 für den Rennstall, der damals noch als Team NetApp formierte.

Bei der Tour dominieren Sie seit Jahren die Sprintwertung. Auf das grüne Trikot haben Sie ein Abo. Wird es langsam langweilig für Sie, immer das grüne Trikot zu holen oder bedeuten Wiederholung und Routine auch Glück und Zufriedenheit?

Wenn man bei der Tour Langeweile verspürt, sollte man mit Radsport aufhören.

Was bedeutet Glück für Sie persönlich?

Glück bedeutet, mit meiner Familie und den Leuten, die mir wichtig sind, zusammen zu sein. Das sind die Momente, die ich am meisten schätze.

Einige Zahlen: Ihre Höchstgeschwindigkeit auf dem Rennrad bislang? Die höchsten maximalen Wattzahlen? Die größte Ausdauerleistung in Watt während eines Rennens?

(Sagan ist unwillig, die Wattzahlen zu nennen, und sagt nur:) Maximale Geschwindigkeit mehr als 110 km/h.

Auch Andreas Schillinger aus Haselmühl (Kreis Amberg-Sulzbach) mischt bei der Flandern-Rundfahrt mit. Foto: afp
Auch Andreas Schillinger aus Haselmühl (Kreis Amberg-Sulzbach) mischt bei der Flandern-Rundfahrt mit. Foto: afp

Einige Jahre waren Sie der „König der zweiten Plätze“. Sie waren oft im Finale dabei, aber fast genauso oft schnappten Ihnen andere den Sieg weg. Jetzt gewinnen Sie häufiger, wie nicht nur die zwei WM-Titel beweisen. Was ist der Grund dafür? Werden Sie schlauer im Rennen? Werden die Konkurrenten schwächer? Verleiht Ihnen das Regenbogentrikot Flügel?

Ich denke, ich habe mehr Erfahrung gewonnen. Und ehrlich, ich werde als Fahrer auch immer besser. Und dann ist es so, dass du manchmal verlierst, und manchmal gewinnst du eben. Jetzt scheint es, dass ich mehr gewinne....

Es gibt eine Menge Diskussionen gegenwärtig über die Scheibenbremsen. Haben Sie sie schon benutzt? Sind sie besser als die herkömmlichen oder sind sie zu gefährlich? Sollte man sie im Rennen erlauben oder verbieten?

Es gibt Vorteile und Nachteile. Ich kümmere mich darum aber nicht so richtig. Ich denke, entweder nutzen alle die Scheibenbremse oder keiner. Es sollten gleiche Bedingungen für alle herrschen.

Der Sport, den Sie betreiben, war einst als Dopingsport schlechthin berüchtigt. Es gab Veränderungen, auch schmerzhafte. Wie sehen Sie aktuell die Situation?

Wer heute Dummheiten macht, der wird sofort gefunden. Es gibt keine Möglichkeit mehr. Wenn du da was machst, dann bist du dumm oder krank. Wir geben doch alles an, die Hotels, in denen wir sind. Wir sind wie im Gefängnis. Warum sollte ich auf so dünnes Eis gehen für im Grunde genommen nichts? Ich habe mir damals gesagt, als ich zu den Profis kam: Ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber ich bin zufrieden, dass ich dabei bin. Und ich hatte keine Ambitionen, dass ich das oder das Rennen unbedingt gewinnen muss. Das ist nicht meine Art. Ich mache, was mir gefällt. Und dann will ich die wichtigen Sachen richtig machen – wie Familie und Freunde.

„Wer heute Dummheiten macht, der wird sofort gefunden.“

Peter Sagan

Was bedeutet Ihnen der Radsport?

Ich mache es, seit ich klein bin. Es gehört zu meinem Leben. Aber ich hatte keine Ambitionen. Ich rechnete ja nicht mal damit, Profi zu werden. Das Leben hat mich dahin gebracht. Und als ich die ersten Siege einfuhr, da dachte ich mir, dass ich lieber weniger Siege habe, als mich dopen zu müssen, um irgendwelche Quoten zu erreichen. Lieber gewinne ich nur zwei oder drei Mal im Jahr. Ich will da nichts riskieren.

Und wie stehen Sie dazu, dass im Radsport immer mal wieder Siege gekauft werden? Wir wissen es von Jacques Anquetil, auch von Lance Armstrong. Alexander Winokurow stand deswegen vor Gericht. Was denken Sie?

Ich bin ja noch ziemlich jung im Radsport. Mir ist so etwas niemals passiert.

Sie fahren jetzt in einem deutschen Team. Was haben Sie bisher von Deutschland gesehen, und was gefiel Ihnen dort?

Am Tegernsee, wo wir unser erstes Trainingslager hatten, war es sehr schön. Der See, die Berge – eine wirklich schöne Gegend. Und auch die Leute waren sehr nett. Ich freue mich natürlich auch auf den Grand Depart der Tour de France in Düsseldorf. Das wird sicher etwas ganz Besonderes für einen deutschen Rennstall.

Auch Andreas Schillinger mischt mit bei der Flandern-Rundfahrt:

Hier geht es zu den Samstatgsinterviews der MZ-Sportredaktion:

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