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Tischtennis-WM

Steger hofft auf neue große Momente

Der Tischtennis-Profi aus Winklarn spricht im MZ-Interview übers Älterwerden und seine Chancen, bei Olympia dabei zu sein.
Von Jürgen Scharf, MZ

Bastian Steger hat schon viele große Turniere gespielt. Diese Erfahrung soll ihm in Kuala Lumpur helfen.
Bastian Steger hat schon viele große Turniere gespielt. Diese Erfahrung soll ihm in Kuala Lumpur helfen. Fotos: dpa

Regensburg.Herr Steger, Sie sorgen derzeit in der Tischtennis-Bundesliga mit einer überragenden Einzelbilanz für Furore. Sind Sie mit 34 nun im besten Tischtennis-Alter und in der Form Ihres Lebens?

Ob es die Form meines Lebens ist, weiß ich nicht. Aber in der Tat läuft es derzeit sehr gut. Recht viel besser habe ich sicher noch nie gespielt. Und mit dem Alter komme ich ganz gut zurecht (lacht). Mitte Dreißig ist für einen Tischtennisspieler im Prinzip ohnehin noch ein normales Alter, wenn die körperliche Basis stimmt. Wenn du gesund bist und auf die Fitness achtest, kannst du auch als Profi sicher bis Ende Dreißig dabei sein.

Ist das Ihr Ziel?

Mal schauen. Beim SV Werder Bremen habe ich meinen Vertrag eben erst bis 2017 verlängert, und es ist derzeit nicht mein Plan, dass das dann unbedingt das Ende sein muss.

Einer der ganz Großen Ihres Sports hat bis 50 gespielt und gerade seine Karriere beendet: Jan-Ove Waldner. War der auch für Sie ein Idol?

Ja, sogar das absolute Idol. Als ich mit dem Tischtennis-Spielen angefangen habe war Jan-Ove Waldner bereits das Maß aller Dinge. Er ist der beste Tischtennis-Spieler aller Zeiten und es war eine große Ehre für mich, dass ich später ein paarmal gegen ihn spielen konnte. Einmal habe ich sogar gewonnen, das war natürlich großartig.

Waldner ist der Tischtennis-Superstar und hat viel Geld verdient. Das ist in diesem Sport aber gar nicht so einfach. Ab welchem Level kann man als Tischtennis-Profi eigentlich seinen Lebensunterhalt verdienen?

In Deutschland tust du dich etwa als Spieler in der zweiten Liga sicher eher schwer, davon leben zu können. In der Bundesliga geht das dagegen auf jeden Fall. Wenn man vernünftig wirtschaftet, kannst du als Bundesligaspieler im Normalfall auch etwas zur Seite legen, so dass du nach der Karriere nicht mit leeren Händen dastehst.

„Ob es die Form meines Lebens ist, weiß ich nicht. Aber in der Tat läuft es derzeit sehr gut.“

Bastian Steger

Sie wollen noch ein paar Jahre spielen. Aber haben Sie schon Pläne für danach?

Noch nichts konkretes, zuletzt habe ich jedoch bereits den Trainerschein gemacht. Das würde mich interessieren. Nur muss ich sagen, da wir gerade schon über Geld gesprochen haben, dass es hier das Problem gibt, dass Trainerstellen im deutschen Tischtennis meist nicht gut bezahlt werden. Dieser Job hat hier nicht das Ansehen wie etwa in Asien.

Das Ansehen des Tischtennis-Sports in Deutschland im Allgemeinen hat jüngst ihr Nationalmannschaftskollege Dimitrij Ovtcharov kritisiert. Er meinte, dass es verschlafen wurde, diesen Sport stärker ins Rampenlicht zu rücken.

Ja, da der Dima sicher nicht unrecht. Man hat sicher einiges versäumt. Und das alles vor dem Hintergrund, dass wir mit Timo Boll und Dimitri Ovtcharov die beiden besten Spieler Europas hier bei uns haben. Die Aushängeschilder und Zugpferde, die man in jedem Sport fordert, wären also da.

Ovtcharov meinte auch, dass die jüngsten Regeländerungen wie etwa bei den Bällen (hier wurde von Zelluloid auf Plastik umgestellt, Anm. der Red.) den Sport in keiner Weise nach vorne gebracht hätten.

Auch da hat er sicher nicht Unrecht. Über die neuen Bälle wurden in der gesamten Tischtennis-Szene viel diskutiert. Den Vorteil konnte auch ich nicht erkennen.

Was muss denn getan werden, damit der Tischtennissport wieder mehr Zugkraft bekommt?

Es bräuchte einfach ein paar gute Ideen und jemanden, der diese erfolgreich umsetzt. Tischtennis ist meiner Meinung nach ein grundsätzlich absolut spektakulärer Sport, er muss nur auch entsprechend aufbereitet werden, insbesondere bei Fernseh-Übertragungen. Das geht von der Super-Zeitlupe bis hin zu Analyse, das sollte auch bei uns Standard sein. Man sieht doch beim Skispringen, was man aus einer Sportart machen kann, wenn man sie gut präsentiert. Als Spieler kann ich da derzeit selbst allerdings wenig machen.

Mit Timo Boll (Mitte) und Dimitrij Ovtcharov (rechts) freute sich Bastian Steger 2012 über die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in London.
Mit Timo Boll (Mitte) und Dimitrij Ovtcharov (rechts) freute sich Bastian Steger 2012 über die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in London. Foto: Archiv/dpa

Da haben Sie in der Tat andere Aufgaben. Nun zum Beispiel die Mannschaftsweltmeisterschaft in Kuala Lumpur. Wann sind Sie denn angereist?

Am Dienstag sind wir angekommen. Somit hatten wir drei, vier Tage, um uns zu akklimatisieren. Normalerweise reicht das auch. Am Sonntag haben wir unser erstes Gruppenspiel.

Werden Sie sicher zum Einsatz kommen?

Definitiv kann man das vorher nie sagen. Ich glaube aber, dass in den Vorrundenbegegnungen jeder in der Mannschaft seine Chance bekommen wird. Dort muss ich mich dann zeigen und dem Bundestrainer beweisen, dass er auch in den K.o.-Runden voll auf mich setzen kann.

Was ist sportlich für Ihr Team drin?

Nun, wie in den vergangenen Jahren ist es nahezu unmöglich, Erster zu werden, weil China einfach so stark ist. Deswegen wäre eine Finalteilnahme für uns wieder ein Riesenerfolg. Wir sollten uns zunächst einfach voll darauf konzentrieren, zu versuchen, die anderen Nationen zu schlagen.

„Bei Olympia könnte ich sicher meine Erfahrung einbringen. Das, denke ich, spricht für mich.“

Bastian Steger

Abgesehen von der WM läuft mittlerweile auch der Countdown für die Olympia-Nominierungen. Was glauben Sie? Werden Sie dabei sein?

Da ist die Weltmeisterschaft ein wichtiger Faktor. Wenn ich hier überzeuge, steigen meine Chancen sicher, dass der Bundestrainer auch bei Olympia auf mich setzen wird.

Bei der WM sind Sie nun dabei, für die EMhat Sie Jörg Roßkopf zuletzt jedoch nicht nominiert...

...ja, das stimmt. Das habe ich mittlerweile aber abgehakt. Es ist eben so, dass zuletzt ganz bewusst jüngere Spieler berufen wurden, um diese aufzubauen. Bei Olympia könnte ich allerdings sicher meine Erfahrung einbringen. Das, denke ich, spricht für mich. Nach so vielen Jahren im Profi-Tischtennis weiß man einfach, was in bestimmten Momenten zu tun ist.

Es wäre bereits ihre dritte Olympia-Teilnahme. Vor vier Jahren in London gewannen Sie dabei sogar die Bronze-Medaille mit der Mannschaft. Wenn Sie zurückdenken, dann...

...erinnere ich mich vor allem an den Moment, als unsere Bronze-Medaille feststand. Wie ich mir danach mit meinen Eltern in der Halle in die Arme gefallen bin. Das sind die Momente, für die du als Profi-Sportler deine gesamte Karriere lang arbeitest.

Einen Bericht über Alexander Valuch, der in Regenstauf spielt, und ebenfalls zur WM fährt, gibt es hier

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