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Samstagsinterview
Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 2

Samstagsinterview

Wenn Peter Draisaitl immer gefragt ist

Ein liegengebliebener Puck machte Peter Draisaitl bei Olympia 1992 berühmt. Jetzt hat er seinen Traumjob.
Von Claus-Dieter Wotruba

Peter Draisaitl war schon in Regensburg, Straubing, Nürnberg oder Tschechien Eishockeytrainer – jetzt ist er bei den Kölner Haien tätig, wo er einst auch spielte. Foto: Andreas Gebert/dpa

Regensburg.Wenn das Stichwort Olympia bei Peter Draisaitl fällt, denkt jeder sofort an den 1992 auf der Linie liegengeblieben Puck im Penaltyschießen gegen Kanada. Die Geschichte ist vieltausendmal erzählt, Deutschland wäre Halbfinalist gewesen.

Es wird immer wieder darüber geredet, wenn es auf Olympia zugeht. Das ist auch in Ordnung so. Aber jeden Tag steht das nicht auf der Tagesordnung, so ist es dann auch wieder nicht. Wenn es damals nicht so bitter und schade gewesen wäre, wäre es eine großartige Sache. Am liebsten hätte ich den halben Zentimeter angeschoben.

Was verbinden Sie sonst mit Olympia?

Ich durfte dreimal dabei sein. Es ist für jeden Sportler ein besonderes Erlebnis.

Was ist der Unterschied zu einer Weltmeisterschaft?

Vom sportlichen Wert war eine WM vielleicht sogar manchmal wichtiger, aber vom ganzen Drumherum ist das mit Olympia nicht zu vergleichen.

Dass mit Christian Ehrhoff einer ihrer Spieler in Köln auf der Liste der fünf Fahnenträger-Kandidaten steht, wird sie freuen.

Es wäre fantastisch für ihn und das deutsche Eishockey. Ich hoffe, der Christian darf das.

Können Sie nachvollziehen, dass sich die NHL diesmal ausblendet?

Nachvollziehen vielleicht schon, weil es ein großes Business ist. Aber gutheißen und gefallen tut ich es mir nicht. Eine Teilnahme der NHL-Spieler wäre überragend. So ist das nur schade, dass nicht die besten Spieler spielen dürfen.

In Deutschland sorgt Olympia für einen eher kuriosen DEL-Spielplan aus Sicht eines Klubtrainers. Es sind nur noch drei Spieltage nach Pyeongchang zu spielen.

Es ist, wie es ist. In Europa ist das überall ähnlich. Einmal in vier Jahren muss man da durch.

Es ist ja derzeit so eng wie vielleicht noch nie in der DEL im Bereich zwischen Platz vier und elf oder zwölf, in dem Sie sich mit Köln bewegen.

Ich habe so eine Tabelle auch noch nicht erlebt. Damit müssen wir auch klarkommen.

Sind die Kölner Haie der Traumjob in der Trainerkarriere des Peter Draisaitl?

Definitiv ja. Hier trainieren zu dürfen wo ich lange gespielt habe und weil ich Köln deswegen als meine Heimat betrachte: Das ist sicher etwas Besonderes, ja.

Wie hat sich der Trainer Draisaitl entwickelt, seit er 2007 aus Regensburg weg ist? Es gab diverse Stationen unterschiedlichster Natur, auch in Tschechien.

Jede Station, jede Erfahrung, fast jeder Tag ist nicht wie der andere: Man sammelt unentwegt Erfahrungen, die man für sich verarbeiten muss. Was Tschechien angeht, war das für mich das Beste, was ich damals machen konnte. Die viereinhalb Jahre haben mir unfassbar viel gegeben. Ich habe viel gelernt und möchte keinen Tag missen.

Was ist dort anders?

Ach, da ist alles anders. Die Qualität, die Herangehensweise, man muss eine neue Liga kennenlernen, die Spieler, die Teams, die Mentalität dahinter. Das ist ein unendlich langer Lernprozess gewesen, der mich wirklich weitergebracht hat.

Viele deutsche Trainer haben so eine Gelegenheit ja nicht.

Ich habe damals die Gunst der Stunde genutzt mit dem großen Vorteil, dass ich Tschechisch spreche. Das ist die absolute Voraussetzung, um in Tschechien arbeiten zu können. Das ist mittlerweile sehr wichtig, weil du sonst gegenüber der Gruppe nicht auf den Punkt kommunizieren kannst. Sonst kann es zu Missverständnissen führen – und das ist tödlich..

Die Zeit in Regensburg war nicht so lange. Schaut man noch drauf, was der Klub hier so macht?

Die Vereine, die ich mal gecoacht habe, da guckt man immer wieder mal hin. Ich bin aber zu lange und zu weit weg, um Internas zu kennen. Da sind auch andere Leute, die da arbeiten. Ich habe keinen persönlichen Kontakt mehr.

Ihr Sohn Leon hat es in der NHL sehr weit geschafft. Wie viel Einfluss des Vaters ist da dabei?

Der hält sich mittlerweile in Grenzen. Wir reden mehr auf freundschaftlicher Basis, ob er gesund, ob er glücklich ist: Das ist das, was mich in erster Linie interessiert. Sein Eishockey muss er alleine vorantreiben und das macht er auch. Da braucht er keinen Vater, der ihm jeden Tag reinquatscht.

Ihn live spielen zu sehen, ist schwer mit einem Trainerjob.

Als ich ohne Arbeit war, war ich einige Wochen da und habe die gesamten Playoffs mitgenommen. Das war eine unvergessliche Erfahrung, gerade in einer so eishockeyverrückten Stadt wie Edmonton. Ein Riesenerlebnis. Ich habe seit seiner Juniorenzeit kein einziges Spiel von ihm verpasst. Ich habe immer die Apps, schaue sie immer mindestens in der Zusammenfassung an. Nur momentan komme ich ein bisschen ins Stottern und nicht ganz hinterher.

War es absehbar für Sie, dass ein Leon Draisaitl mal so groß herauskommt?

Ich bin nicht der Vater, der die Karriere des Sohnes plant. Das habe ich nie gemacht, ich habe immer ihn machen lassen. Ich hab’s ihm gewünscht, klar. Als er zu den Juniors rüber ist, eigentlich schon in Mannheim, war abzusehen, dass in dem Jungen etwas steckt. Ich habe ihn begleitet und geholfen, wo ich konnte, wenn er es wollte. Aber da drüben – wie im Profisport generell – muss sich jeder Athlet seinen Weg selber bahnen. Die Konkurrenz ist riesig.

In Deutschland bei der WM war Leon sehr dominant. Eine schöne Sache, wenn man das als Vater von der Tribüne verfolgt.

Natürlich. Ich habe auch ein paar Jahre für die Nationalmannschaft spielen dürfen. Das ist immer noch etwas Besonderes – das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Der Leon ist da ein hundertprozentiger Patriot, der die Nationalmannschaft liebt und immer kommt, wenn er kann. Und das wird auch so bleiben.

Gibt es Ambitionen, Pläne, wo es noch hingehen soll als Trainer?

Nein, den Traumjob darf ich aktuell ja machen. Und sich in dem Business Luftschlösser zu bauen, ist kontraproduktiv. Das lebt von der täglichen Arbeit. So gehe ich das an und mache mir keine Sorgen, was übermorgen oder in den nächsten Jahren sein könnte.

Der Meistertitel mit Köln als Trainer wäre vielleicht so ein Traum?

Das wäre mit Sicherheit das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen. Aber dahin ist es noch ein langer Weg.

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