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„Tankflucht“ vor E10 nach Tschechien

E10-Verwirrung und kein Ende. Die Bürger sind sauer und tanken das teure Super-Plus. Im Landkreis haben Autofahrer die Tankstellen hinter der Grenze entdeckt.
Von Arist Nick Sass

Cham/Ceska Kubice. Ständig fahren Pkws mit deutschen Kennzeichen an die Tankstelle direkt hinter der Grenze. Es bilden sich immer wieder Warteschlangen, obwohl einige Hundert Meter weiter eine weitere Tankstelle auf ihre Kunden wartet. Auch dort das selbe Bild – Fahrzeug-Warteschlangen mit überwiegend deutschen Kennzeichen vor den Zapfsäulen. Dazwischen – fast schon verloren wirkend – auch einige wenige heimische Tankkunden. An den Zapfsäulen vor Folmava kostet der Liter herkömmliches E5-Superbenzin derzeit um die 1.42 Euro, während im Landkreis Cham das ungeliebte E10-Superbenzin, auch Bio-Sprit genannt, um die 1.55 Euro pro Liter kostet. Das Super-Plus kostet gar um die 1.63 Euro pro Liter.

Aber nicht nur Fahrzeuge mit Chamer Kennzeichen reihen sich im Minutentakt in die Warteschlangen vor den Zapfsäulen ein – auch Pkw mit REG-, SAD-, DGF- und gar WEN-Kennzeichen mischen sich darunter. Auch ein Audi aus München tankt seinen Pkw nochmal randvoll, bevor sich die Familie wieder auf den Weg zurück über die Grenze macht.

Die etwas gestresste, dennoch freundliche Dame an der Tankstellenkasse bestätigt den Eindruck, dass wieder mehr deutsche Pkw-Lenker den Weg zu ihrer Station suchen. „Es kommen immer Kunden aus Deutschland zu uns“, erzählt sie in gutem Deutsch. „Aber in der letzten Zeit tanken wieder mehr Deutsche hier.“ Ob das mit der E10-Debatte in Deutschland zusammenhängen könne? Das kann die junge Frau nicht bestätigen, da sie sich noch nicht damit beschäftigt habe. „Diesel geht nicht so gut“, räumt sie noch ein. Es werde überwiegend „Natural 95“ getankt, also das herkömmliche Superbenzin mit 95 Oktan.

Dieter N. aus Furth im Wald (Name von der Redaktion geändert), der gerade seinen Ford volltankt, fährt nicht wegen des etwas günstigeren Spritpreis zum tanken über die Grenze, sondern „aus Frust um die E10-Debatte. Niemand will es mir schriftlich geben, dass mein Wagen das E10 verträgt“, ärgert sich N. Zwar stehe sein vier Jahre alter Focus auf der E10-Verträglichkeitsliste des Herstellers, „aber das genügt mir nicht.“ So fährt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Tanken über die Grenze.

Ähnlich denkt der Familienvater aus München, der mit seiner Familie ein paar Tage Ferien in Tschechien verbracht hatte. Jetzt tankt er seinen Audi randvoll. „Zu Hause in München tanke ich nur noch das sündhaft teure Super-Plus, obwohl mein A3 erst drei Jahre alt ist.“ Ihm gehe es weniger um die Motor-Verträglichkeit, sondern weil er sich darüber ärgert, dass seiner Meinung nach „wertvolles Getreide zur Ethanolgewinnung verschwendet wird.“ Zudem sei der Verbrauch wesentlich höher. „Was ist da Bio?“

Zurück im Landkreis, fragten wir bei einer Tankstelle in Furth im Wald, ob man den vermehrten Tanktourismus spüre. Die Inhaberin verneinte, wies aber darauf hin, dass ja noch Schulferien wären und daher noch ´keine vernünftig Aussage machen könne. Zudem fuhren ihre Station viele Stammkunden an.

Ein Tankstelleninhaber in Cham dagegen verweigerte eine Aussage zu einem möglichen verstärkten Tanktourismus nach Tschechien. Er verwies auf die Pressestelle von Aral. Dass der E10-Sprit von seinen Tankkunden trotz „Benzingipfel“ der Bundeskanzlerin immer noch sehr verhalten angenommen werde, wollte er dagegen schon bestätigen.

Informationen über die E10-Verträglichkeit geben die Hersteller und die Autohändler.

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