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Hochzeit

Ein Symbol fürs gemeinsame Eheleben

Geschenke zur Hochzeit sollen besonders sein. Etwas, von dem das Paar lange etwas hat. Wie wäre es mit einem Hochzeitsbaum?
Von Dorothée Waechter

Gemeinsam um den Hochzeitsbaum kümmern - von dem Geschenk haben Brautpaare lange etwas. Foto: Christin Klose/dpa
Gemeinsam um den Hochzeitsbaum kümmern - von dem Geschenk haben Brautpaare lange etwas. Foto: Christin Klose/dpa

Passau.Ein Eheversprechen gehört zu den besonderen Momenten im Leben. Das wird gefeiert, und das Ereignis bezeugt mit Bildern, Videos und Urkunden. Und vielleicht auch einem Baum. Den pflanzen manche Gäste, aber auch die Paare selbst als Zeichen für die geschlossene Ehe, die genauso langlebig und stabil wie eben ein Baum sein soll. Und der Hochzeitsbaum steht für die bestenfalls tiefe Verbundenheit der Ehepartner.

„Zugleich ist der Apfel natürlich eine besondere Symbolik, die von Brautpaaren häufig gewählt wird“, sagt der Baumschulmeister Gerhard Baumgartner aus Dietersburg bei Passau. Die Frucht steht für Gesundheit, ewige Jugend und Unsterblichkeit.

Mensch und Bäume schon lange verbunden

Die Geschichte des Menschen ist mit den Bäumen seit alters her eng verbunden. Sie waren oftmals Treffpunkt für die Gemeinschaften - auf dem Dorfplatz etwa, unter der alten Ulme oder der großen Eiche. Und die Wälder waren heimlicher Treffpunkt der Verliebten, die ihre Initialen ins Holz schnitzten. Aber Bäume geben noch mehr her: Ihr Holz ist ein Wert, der wächst und der gerade in früheren Zeiten ein wichtiges Element war, um die eigenen Existenz zu sichern - als Bauholz für das Haus, zum Schreinern von Möbel oder als Tauschmittel.

In manchen Regionen war ein Hochzeitsbaum daher einst sogar Pflicht: In Norddeutschland mussten bis zum Jahr 1848 junge heiratswillige Männer eine bestimmte Anzahl von Bäumen gepflanzt haben, erläutert Lorena Dreher-Mester, Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung Hambergen (Niedersachsen). Erst mit diesem Nachweis konnten sie damit rechnen, dass die Eheschließung erlaubt wurde.

Der Apfel steht für Gesundheit und ewige Jugend - wer bei einer Hochzeit ein Bäumchen überreicht, hat ein Geschenk mit symbolischer Wirkung. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Der Apfel steht für Gesundheit und ewige Jugend - wer bei einer Hochzeit ein Bäumchen überreicht, hat ein Geschenk mit symbolischer Wirkung. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Für Baumschulmeister Baumgartner sind Apfelbäume ideal für diesen Zweck. Sein Tipp steht durch seinen Wuchs für die Ehe, die aus zwei getrennten Leben hervorgeht: „Ein Mehrsortenbaum hat zwei Sorten auf einem Stamm, und die verschiedenen Triebe wachsen ineinander und blühen.“ Außerdem hat diese Züchtung einen ganz praktischen Vorteil: Während Apfelbäume eigentlich die Pollen anderer Apfelbäume zur Befruchtung brauchen, können sich die verwobenen Sorten eines Mehrsortenbäume gegenseitig befruchten. „Besonders schön ist es, wenn man bei einem Hochzeitsbaum darauf achtet, dass die Blüten tatsächlich unterschiedliche Farben haben“, findet der Baumschulmeister.

Unter den Apfelbäumen mit weißen Blüten empfiehlt er die Sorten ‚Ontario‘, ‚Teuringer Winterrambur‘ oder ‚Borowinka‘. Rosa erblühen die Sorten ‚Zuccalmaglios Renette‘, ‚Erwin Bauer‘, ‚Ceres‘ und ‚Uhlhorns Augustkalvill‘. Der ‚Blutapfel‘ mit rotem Fruchtfleisch färbt seine Blüten ebenfalls rot.

„Besonders schön ist es, wenn man bei einem Hochzeitsbaum darauf achtet, dass die Blüten tatsächlich unterschiedliche Farben haben“

Gerhard Baumgartner, Baumschulmeister

Bernd Hallen, Vorsitzender im Verband der rheinischen Baumschulen, legt Wert darauf, dass die Gehölzart langlebig ist. Dafür steht vor allem ein Baum: die Eiche. „Die Eiche hat ein starkes Dickenwachstum“, erläutert der Gehölzexperte. Und ihre Pfahlwurzeln machen den Baum außerdem sehr standhaft. In der Symbolsprache wird die Eiche daher gerne für Eigenschaften wie Stärke und Besonnenheit verwendet.

Die Weide dagegen symbolisiert Tatendrang mit Leichtigkeit auf der einen Seite und Flexibilität auf der anderen Seite. „Die Haselnuss steht für die Wahrheitsliebe“, sagt Hallen. Damit lassen sich Ehrlichkeit und Geradlinigkeit der Partner verdeutlichen.

Viele Faktoren bei Standortbestimmung

Der Standort eines solchen Hochzeitsbaumes ist oft schwierig. Ganz abgesehen von den individuellen Bedürfnissen der Arten und Sorten an Boden und Sonneneinstrahlung spielen auch Faktoren wie die Größe eines heranwachsenden langlebigen Baumes eine Rolle. Nicht jeder hat schließlich Platz für eine Eiche auf dem Grundstück. Und darüber hinaus: Nicht jedes Paar hat schon ein eigenes Haus mit Garten - oder aber es bleibt dort nicht das ganze Leben lang.

Viele Gemeinden stellen daher inzwischen Paaren, die sich im Ort das Ja-Wort geben, einen Platz zur Verfügung, an dem der Hochzeitsbaum gepflanzt werden kann. Die Gemeinde Hambergen beispielsweise hat einen eigenen Hochzeitswald. In der für Gehölze idealen Zeit im Herbst treffen sich alle Baumpaten und setzen ihre Bäume gemeinsam ein.

Das kann auch andernorts der Weg für Paare und die Schenkenden eines solchen Hochzeitsbaums sein: Manche Kommune freut sich vielleicht über die Spende des Baums für eine Allee oder den Gemeindewald - man sollte sie aber vorher fragen.

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