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Partnerschaft

Liebe unter Kollegen: Wie damit umgehen?

Eine Liebesbeziehung unter Kollegen oder mit dem Chef – für manche ein Tabu, für andere gelebte Realität.
Von Bernadette Winter

Den Austausch von Zärtlichkeiten sollten Liebespaare im Büro lieber unterlassen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Den Austausch von Zärtlichkeiten sollten Liebespaare im Büro lieber unterlassen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Überlingen.Liebe am Arbeitsplatz sei nach wie vor ein Tabu, meint Karriereberaterin Jutta Boenig. Dabei kennt jeder jemanden, dem das schon passiert ist - ob als Affäre oder als ernste Beziehung. Es liegt nahe, dass sich Menschen dort verlieben, wo sie für eine gemeinsame Sache glühen und eng zusammenarbeiten, wie Psychotherapeut Wolfgang Krüger erklärt. Aber wie kann eine Partnerschaft im Job gelingen?

Grundvoraussetzung ist, dass beide Nähe aushalten können und eine konstruktive Konfliktkultur pflegen, weiß Krüger. Beziehungen am Arbeitsplatz haben Auswirkungen auf das gesamte System, ob es um Gerüchte geht, um das Verhalten von Vorgesetzten oder Kunden, hat Boenig festgestellt. „Kein Unternehmen sieht das gerne.“ Auch für Führungskräfte sei das problematisch. Wie damit umgehen? Das Paar ansprechen? Liebschaften verbieten? Das sei schon rein rechtlich nicht möglich, erläutert Boenig.

Gemeinsamer Job lässt kaum Leidenschaft entstehen

Wie gut eine Lebensgemeinschaft unter Kollegen klappe, hänge davon ab, wie involviert beide sind, sagt Paartherapeutin Andrea Bräu. Manche träfen sich höchstens in der Kantine zum Essen. Oder als Pädagogen im Lehrerzimmer in der Pause. Andere wiederum sind vom gemeinsamen Frühstück bis zum Abendessen ständig in Kontakt.

Beziehung

Ist ein Seitensprung das Ende?

Manche tragen Verletzungen durch den Partner lange mit sich herum. Zu verzeihen, lohnt sich – kostet aber viel Kraft.

„Solche symbiotischen Paar-Beziehungen sind immer schwierig“, meint Bräu. Wer von morgens bis abends alles zusammen mache, habe es schwer, noch Leidenschaft entstehen zu lassen, weil es so wenige Impulse von außen gebe. Dass Freizeit, Liebe und Beruf immer mehr zusammen gehen, sieht Krüger als großes Konfliktpotenzial. „Auf Dauer ist das nicht gesund“, sagt Bräu. Distanz schaffe Nähe. Partnern, die zusammenarbeiten, rät Bräu daher, sich zumindest ein eigenes Hobby zu suchen oder sich mit Freunden alleine zu treffen.

Arbeit versaut die Atmosphäre

Gerade bei Paaren, die gemeinsam eine Firma führen, liegt das Geschäft immer mit im Bett. Krüger schlägt deshalb als Regel vor: Keine Gespräche im Privatleben über die Arbeit. „Liebe braucht Freiräume und Leichtigkeit, die Arbeit versaut die Atmosphäre in der Liebesbeziehung.“ Beide könnten beispielsweise vereinbaren, maximal eine Stunde nach Feierabend noch über die Firma zu sprechen und die Arbeit am Wochenende ganz rauszuhalten, empfiehlt Boenig.

Ein Herz für die Kollegin: Eine Seltenheit ist Liebe im Büro nicht. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Ein Herz für die Kollegin: Eine Seltenheit ist Liebe im Büro nicht. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ab wann sollten die Lebensgefährten die Kollegen oder gar Vorgesetzte informieren? „Wenn man anfängt, die Wohnungsschlüssel auszutauschen und die engen Freunde kennenlernt, kann man es offiziell machen“, findet Krüger. Boenig rät dazu, das Thema durchaus charmant offensiv anzugehen. Der Vorteil: Die Kollegen streuen nicht mehr Gerüchte.

Bräu meint, gerade bei kleineren Unternehmen, in denen es sehr familiär zugeht, fühlten sich die Kollegen durch einen solch mutigen Schritt wertgeschätzt. „Die Partner sollten sich aber darüber einig sein und das vorher absprechen“, stellt sie klar. Solch eine Partnerschaft könne produktivitätssteigernd wirken, weiß Krüger. „Der Zusammenhalt mit und in der Firma wird größer, gerade in kleineren Unternehmen.“

Nicht zu sehr zusammen glucken

Zärtlichkeiten gilt es den Experten zufolge im Büro dennoch zu unterlassen. „Generell sollte man nicht zu sehr zusammen glucken und nicht auch noch die Mittagspause zusammen verbringen“, warnt Boenig. Den Kollegen könnte man so signalisieren, wir arbeiten noch, wir sind nicht nur im Dauerflirtmodus.

Zukunft

Wie Paare ihre Zukunft verhandeln

Kaum ein Paar kommt darum herum, sich mit seiner Zukunft zu beschäftigen. Nicht immer sind Kompromisse möglich.

Schwierig wird es mit den Kollegen, sollte das Paar sich wieder trennen. Habe einer von beiden Liebeskummer, bespreche er oder sie das besser nicht mit den Mitarbeitern, raten die Experten. Selbst wenn das jemand ist, mit dem man ein gutes Verhältnis hat. Schließlich muss der- oder diejenige mit allen Beteiligten weiter arbeiten.

Generell entstehen die Probleme vor allem dann, wenn die Beziehung schief geht, weiß Bräu. Viele schafften es nicht, dem anderen ohne Groll zu begegnen, wenn sie ihn oder sie weiter tagtäglich sähen. Nicht selten verlässt einer dann das Unternehmen.

Mentor und Protegé: Liebe verträgt keine Macht

Zu den Klassikern unter den Liebesverhältnissen am Arbeitsplatz gehören den Experten zufolge nach wie vor Chef und Sekretärin oder Mentor/in und Protegé. „Die Tatsache, dass einer offiziell mehr Macht hat, bringt eine große Schräglage in die Beziehung“, warnt Krüger. Liebe vertrage keine institutionalisierte Macht. In einem solchen Fall sollte das Paar beruflich getrennte Wege gehen, findet Bräu.

Zusammenleben

So gelingen Beziehungspausen

Paare, die in der Krise stecken, kommen nicht selten auf die Idee, eine Pause einzulegen. Der Ausgang ist ungewiss.

Wenn einer der beiden Aufstiegschancen hat und Karriere machen will, könnte das das Verhältnis ebenfalls negativ beeinflussen. „Liebe und Sexualität können nur funktionieren, wenn wir den anderen auf Augenhöhe betrachten“, legt Bräu dar. Ist das nicht der Fall und kommen noch Machtspiele hinzu oder hat einer das Gefühl, sich durch den beruflichen Status des anderen aufzuwerten, wird es schwierig.

Wer Karriere macht, will das daheim diskutieren

Nicht selten kommen Neidgefühle auf, hat Boenig beobachtet. „Derjenige, der Karriere macht, will das ja auch zuhause weiter diskutieren. Der andere hört dann zu, und hört trotzdem nicht zu.“ Die Beraterin empfiehlt: Nicht totschweigen, sondern ansprechen und analysieren: Welche gemeinsamen, welche einzelnen Ziele gibt es?

Vielleicht könnte der Partner sich ebenfalls weiterentwickeln und das als Anreiz sehen. „Dazu braucht es oft einen externen Sparringspartner“, sagt Boenig. Das könne ein guter Freund sein oder eine ganz neutrale Person.

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