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Senioren

Modeltraum mit 66 Jahren

Über 50-Jährige werden für die Werbebranche immer interessanter – und damit auch Models im Seniorenalter.
Von Sandra Arens

Vor der Kamera posieren, dabei stets gut aussehen, so lächeln wie gewünscht – das kann auch sehr anstrengend werden, sagt Model Barbara Lutz. Sie mag ihren Job trotzdem und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Foto: Stephanie Wolff/elbmodels/dpa
Vor der Kamera posieren, dabei stets gut aussehen, so lächeln wie gewünscht – das kann auch sehr anstrengend werden, sagt Model Barbara Lutz. Sie mag ihren Job trotzdem und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Foto: Stephanie Wolff/elbmodels/dpa

Düsseldorf.Barbara Lutz lebt den Jungmädchentraum schlechthin: Sie ist Model – und 66 Jahre alt. Mit ihren 1,76 Metern, den langen Haaren und der schlanken Figur verkörpert die Düsseldorferin das, was viele Menschen in ihrem Alter sein möchten: fit, gut aussehend und keineswegs schon altes Eisen.

„Senioren sind heute viel aktiver und interessieren sich für eine große Bandbreite an Themen“, sagt Paul Müller-Rode, Inhaber der Modelagentur elbmodels, die auf sogenannte Best-Ager-Models spezialisiert ist. Models im Seniorenalter seien für Kosmetik und Mode, aber auch für Medikamente, Versicherungen, Hörgeräte, Flug- und Schiffsreisen und Pflege sehr begehrt.

Körperliche Fitness wichtig

Für jedes Produkt finde sich das passende Werbegesicht – die gemütliche Oma zur Bewerbung eines neuen Küchengeräts genauso wie die coole Geschäftsfrau, die auch mit 70 noch Wert auf den perfekt sitzenden Hosenanzug legt. „Das Alter unserer Models beginnt dort, wo es für andere Agenturen endet“, sagt Müller-Rode. „Knapp die Hälfte unserer Models sind über 50 Jahre alt. Unser ältestes Model hat mit 90 Jahren aufgehört.“

„Best-Ager-Models“ machen keineswegs nur Werbung für Stützstrümpfe und Pillen. Barbara Lutz posiert mit ihren 66 Jahren genauso für Mode wie ihre jüngeren Kolleginnen. Foto: Stephanie Wolff/elbmodels/dpa
„Best-Ager-Models“ machen keineswegs nur Werbung für Stützstrümpfe und Pillen. Barbara Lutz posiert mit ihren 66 Jahren genauso für Mode wie ihre jüngeren Kolleginnen. Foto: Stephanie Wolff/elbmodels/dpa

Die Arbeitsagentur bestätigt: Die Nachfrage nach Models im Seniorenalter ist da. Wer in die Modelwelt einsteigen möchte, kann sich bei der Künstlervermittlung melden. Ansprechpartnerin in München ist Lidwina Brandmair. „Ich berate Interessierte, inwieweit eine Tätigkeit als Model für sie infrage kommt. Sehe ich Potenzial, nehme ich sie in unsere Kartei auf und vermittele sie im besten Fall weiter“, erklärt sie.

Brandmair ist vor allem wichtig, dass Bewerber ein kommunikatives Wesen haben und körperlich fit sind. „Ein Fotoshooting kann bis zu acht Stunden dauern. Es kann vorkommen, dass das Model für das perfekte Bild immer wieder die gleiche Treppe hochsteigen muss. Da ist Kondition gefragt.“

Spezielle Charaktere gesucht

Ihre Kondition musste Barbara Lutz auch schon oft beweisen: „Ich habe für ein Medikament gegen Schwindel Werbung gemacht und musste auf einer schiefen Ebene stehen. Die Schuhe waren auf einer Rampe festgeklebt. In dieser Position zu verharren, war sehr anstrengend.“ Sie ergänzt: „Wichtig ist auch, dass man spontan und flexibel ist.“ Häufig erfahre man erst kurzfristig von einem neuen Job. „Ein bisschen steht man immer auf Abruf bereit“, sagt sie.

„Ich lasse einfach alles in Ruhe auf mich zukommen. Genau das ist der Luxus, den man sich im Alter nehmen sollte.“

Barbara Lutz, Best-Ager-Model

Neben körperlicher Fitness zählen für Agenturinhaber Paul Müller-Rode auch Vorerfahrungen. „Unsere Models müssen nicht unbedingt schon einmal vor der Kamera gestanden haben“, sagt er. „Theatererfahrungen helfen genauso wie Erfahrungen in einem kommunikativen Job.“ Er betont außerdem: „Ein schönes Gesicht reicht nicht aus. Meist suchen wir spezielle Charaktere.“ Auch die klassischen 90-60-90-Maße seien bei Models im Seniorenalter nicht entscheidend. „Die Proportionen müssen stimmen.“

Barbara Lutz hat mit 54 Jahren mit dem Modeln begonnen. An ihren ersten Auftrag erinnert sie sich noch gut. „Anfangs war alles neu für mich. An die Situation am Set mit dem Gewirr aus Kameras und Kabeln musste ich mich erstmal gewöhnen.“ Was ihr geholfen hat: Sie hatte Lust darauf, sich zu präsentieren. „Die Kamera muss einen reizen. Ich fühle mich manchmal wie eine Katze, die mit der Kamera spielt wie mit einem Ball.“ Zu diesem Spiel gehöre aber auch Konzentration. „Ich muss über Stunden ganz bei der Sache zu sein und die Bereitschaft haben, mich auf die individuellen Kundenwünsche einzulassen.“

Ruhe und Gelassenheit gefragt

Um Jobs zu ergattern, stehen für Barbara Lutz auch Castings auf der Tagesordnung. Wenn sie den Auftrag nicht erhält, geht für sie die Welt nicht unter. „Solche Dinge darf man nicht persönlich nehmen. Manchmal wird einfach ein anderer Typ gesucht.“ Diese Gelassenheit ist es, die Paul Müller-Rode an älteren Models schätzt. „Sie gehen entspannter an die Aufträge heran und bewegen sich häufig ganz souverän in der aufregenden Modewelt.“ Das liege auch daran, dass viele ältere Models bereits Rentner und nicht auf den Verdienst angewiesen seien.

Barbara Lutz arbeitet als professionelles Model. Mit ihren 66 Jahren gilt sie als „Best Agerin“ - und ist als Model sehr gefragt. Foto: Konstantinos Gavrias/elbmodels/dpa
Barbara Lutz arbeitet als professionelles Model. Mit ihren 66 Jahren gilt sie als „Best Agerin“ - und ist als Model sehr gefragt. Foto: Konstantinos Gavrias/elbmodels/dpa

Aber dürfen Rentner nebenbei überhaupt Geld verdienen? „Ja, wenn sie das reguläre Rentenalter erreicht haben, hat ein Hinzuverdienst keine Auswirkungen auf die Höhe der Altersrente“, erklärt Dirk von der Heide, Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. Auch bei der Höhe des Zuverdienstes gebe es keine Grenze. „Das ist nur der Fall, wenn Menschen vor dem Erreichen des regulären Rentenalters ihre Altersrente beziehen“, erklärt er. „Die Höchstgrenze liegt dann bei 6300 Euro im Kalenderjahr. Wird mehr hinzuverdient, werden 40 Prozent des über der Grenze liegenden Betrages von der Rente abgezogen.“

Barbara Lutz denkt mit 66 Jahren noch lange nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Sie will noch mehr. „Ich mache ein Theatercoaching, um mich noch besser vor der Kamera präsentieren zu können“, sagt sie. Filme reizen sie, eine Statistenrolle in einem Kinofilm hatte sie schon. „Ich lasse einfach alles in Ruhe auf mich zukommen“, sagt sie. „Genau das ist der Luxus, den man sich im Alter nehmen sollte.“

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