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Ratgeber

So trainieren Sie den Schulweg

2018 wurden in der Oberpfalz 61 Kinder auf dem Schulweg verletzt. Hier gibt’s Tipps, worauf Kinder und Eltern achten müssen.
Von Susanne Wolf

Eltern oder Großeltern sollten mit Erstklässlern den Schulweg zu den üblichen Schulzeiten regelmäßig üben, damit das Kind die realen Verkehrsbedingungen kennenlernt. Foto: Mascha Brichta/dpa
Eltern oder Großeltern sollten mit Erstklässlern den Schulweg zu den üblichen Schulzeiten regelmäßig üben, damit das Kind die realen Verkehrsbedingungen kennenlernt. Foto: Mascha Brichta/dpa

Region.Bald, genauer am 9. September, sind die Sommerferien um. Ab 10. September startet für die ehemaligen Vorschulkinder der Ernst des Lebens. Wenn für sie und ältere Kinder der Unterricht (wieder) anfängt, dann stauen sich vor und nach dem Unterricht wieder massig Autos vor den Schulen.

Diese „Elterntaxis“ stellen jedoch potenzielle Gefahren für Schüler dar. Um das zu vermeiden, sollten Kinder zu Fuß in die Schule gehen oder mit dem Bus fahren. Auch Abc-Schützen können den Weg bereits alleine meistern – wenn er vorab geübt wurde. Ostbayerische Experten geben Informationen und Tipps rund ums Thema „Schulwegtraining“.

1. Wieso gefährden sogenannte „Elterntaxis“ Schüler?

Immer weniger Kinder gehen zu Fuß in die Schule und nach Hause, sondern werden mit dem Auto chauffiert. „Das sorgt direkt vor den Schulen für allmorgendliches Verkehrschaos“, sagt Sandra Schmidt, kommissarische Geschäftsführerin des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit (ZV KVS) Oberpfalz. „Durch gewagte Wendemanöver, Stehen im Halteverbot und zugeparkte Gehwege wird der Schulweg zu einem echten Hindernislauf. Dabei kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen und leider auch zu Unfällen.“ Das bestätigt Dietmar Winterberg, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz: „Parkende Autos und überflüssiger Fahrzeugverkehr stellen für die Kinder eine zusätzliche Gefahrenquelle dar.“

Elterntaxis stellen potenzielle Gefahren für Kinder dar. Foto: Patrick Pleul/dpa
Elterntaxis stellen potenzielle Gefahren für Kinder dar. Foto: Patrick Pleul/dpa

Um das zu vermeiden, hat der ZV KVS Oberpfalz das Elternhaltezonen-Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Polizei installiert – bisher in Regenstauf und Marktredwitz. Dabei gibt es in der Nähe der Schule Haltestellen, wo Eltern ihre Kinder aussteigen lassen können und sie keine Gefahr mehr darstellen. „Sollte sich das Auto gar nicht vermeiden lassen, dann ist es wichtig, nicht direkt vor die Schule zu fahren, sondern einen Fußweg – zum Beispiel eine Stelle, an dem sich das Kind mit Mitschülern trifft – einzubauen“, sagt Heidi Hügel, Jugendsozialarbeiterin an der Realschule am Judenstein in Regensburg. „So lassen sich dann auch möglichst Unfälle verhindern.“

2. Wie bereitet man Kinder richtig auf den Schulweg vor?

Damit Kinder den Weg bald alleine meistern, sollte er mehrmals vor Schulbeginn erkundet und geübt werden. Dabei zeigt man Gefahrenbereiche und richtige Verhaltensweisen. „Der kürzeste Weg ist aber nicht immer der sicherste“, sagt Reinhard Roderer von der Verkehrswacht Regensburg. „Mit ein bisschen Übung lernen Kinder schnell, wo Gefahren lauern und wie sie sich auf dem Schulweg richtig verhalten müssen“, weiß Schmidt.

„Straßen sollten möglichst an Ampeln, Fußgängerüberwegen oder -furten, die durch Schulweghelfer abgesichert sind, überquert werden“, so Winterberg. Kinder sollten lernen, nicht hinter Hindernissen wie einem Auto oder einer Hecke auf die Fahrbahn zu treten. Hügel empfiehlt, ihnen am Weg Möglichkeiten zu zeigen – zum Beispiel, wo sich die sog. Notinseln befinden –, um sich bei einem Problem Hilfe zu holen.

Schulwegsicherheit

  • Schulwegunfall:

    Die Einstufung als Schulwegunfall erfolgt, wenn ein Schüler bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres auf dem Weg von oder zu einer schulischen Veranstaltung, einer Betreuungseinrichtung oder einem Hort verletzt oder getötet wurde.

  • Unfälle:

    Im Regierungsbezirk Oberpfalz ereigneten sich im vergangenen Jahr 53 Schulwegunfälle mit 61 verletzten Kindern, in Niederbayern 52 Unfälle mit 81 verletzten Kindern. 2019 kam es in der Oberpfalz (Stand 31. Juli) bereits zu 30 Schulwegunfällen mit 34 verletzten Kindern, im Regierungsbezirk Niederbayern waren es 20 Unfälle mit 24 verletzten Kindern. In der Oberpfalz kam in den letzten zehn Jahren kein Schüler auf dem Schulweg ums Leben. In Niederbayern ist seit 2011 kein Schüler mehr auf dem Weg zur oder von der Schule getötet worden.

  • Maßnahme:

    Die Polizei überwacht in den ersten Schultagen die Verkehrssicherheit an stark befahrenen Schulwegen sowie vor Schulen und Kindergärten.

Kleidung und Schulranzen sollten zur besseren Wahrnehmung der Schüler auffällig und hell sein. „Reflektierende Elemente an Kleidung und Schultaschen stellen sinnvolle Ergänzungen dar“, erklärt Winterberg. Mobiltelefone sollten auf dem Schulweg im Ranzen bleiben, da sie ablenken, da „die Nutzung von Handys die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen eine Gefahrenquelle darstellt“, erläutert er. Wichtig ist, das Kind rechtzeitig loszuschicken, damit keine Hektik oder Eile bei ihm entsteht und es dadurch nicht unachtsam wird, sagt Roderer. „Denn in so einem Moment vergisst man dann schnell die Sachen, die einem die Eltern eigentlich gezeigt haben.“ Das erhöht laut Winterberg auch das Unfallrisiko.

3. Was ist zu tun, wenn das Kind mit dem Bus fährt?

Mit Buskindern können Eltern den Schulweg bereits in den Ferien mit dem Bus abfahren. Dann wissen die Schüler, in welchen Bus sie steigen sollen, wo die Endhaltestelle ist und wo sich gefährliche Stellen am Fuß- oder Radweg befinden, sagt Hügel. Winterberg warnt: „Bushaltestellen sind keine Spielplätze!“

Anfangs sollten Eltern die Abc-Schützen noch zu Fuß zur Schule bringen. So können sie gleich den Schulweg unter realen Bedingungen üben. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Anfangs sollten Eltern die Abc-Schützen noch zu Fuß zur Schule bringen. So können sie gleich den Schulweg unter realen Bedingungen üben. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Zudem sollten Kinder dort nicht drängeln und auf ausreichenden Abstand zum heranfahrenden Bus achten. „Am besten stellen sie sich hinten an, wenn sie auf den Bus warten, und lassen lieber die Großen vor“, empfiehlt Roderer. „Im Gedränge ist ganz schnell etwas passiert.“ Winterberg rät: „Beim Aussteigen ist außerdem auf herannahende Radfahrer und Fußgänger zu achten.“ Der Nachwuchs darf auch nie vor oder hinter dem haltenden Bus über die Straße laufen, sondern muss warten, bis der Bus die Haltestelle verlassen hat. Muss das Kind die Straße queren, dann erst, wenn der Bus weggefahren ist.

Holen die Eltern das Kind von der Bushaltestelle ab, sollten sie sich am besten gleich auf die Seite stellen, an der der Bus hält.“Hat das Kind zum Beispiel einen Einser in Mathe geschrieben, dann will es das sofort mitteilen. Stehen auf der anderen Straßenseite die Eltern oder Großeltern, kann es in so einem Fall sein, dass es vor Freude über die Straße und vor ein Auto läuft“, erzählt Roderer.

4. Was gilt es speziell bei Abc-Schützen zu beherzigen?

Vertrauen ist das A und O. „Es ist verständlich, dass Eltern besorgt sind und ihr Kind begleiten wollen. Das ist am Schuljahresanfang völlig in Ordnung“, erklärt Hügel. „Jedoch sollte man bedenken, dass Kinder selbstständig werden möchten und der Schulweg wichtig für die soziale Interaktion mit Mitschülern ist.“

Wann der richtige Zeitpunkt ist, den Weg alleine zu gehen, entscheiden laut Roderer die Eltern. Indem sie mit den Kindern den Schulweg einüben, geben sie ihnen Sicherheit und schenken ihnen Vertrauen. „Anfangs können sie sich in der Nähe aufhalten und von Weitem beobachten, wie ihr Kind den Weg meistert, um ein beruhigendes Gefühl zu erhalten“, sagt Hügel. Dem stimmt Roderer zu, denn „Kinder reagieren anders, wenn keine Begleitperson dabei ist“.

Grundschule

Fünf Tipps für den Schulanfang

Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule stellt einen bedeutenden Schritt dar. So können Sie ihr Kind unterstützen.

Laut Winterberg sollten Schulanfänger grundsätzlich nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren. „Das Verkehrsaufkommen ist mittlerweile so hoch“, sagt Roderer. „Meiner Meinung nach sollten Kinder erst in der vierten Klasse mit dem Rad in die Schule fahren, wenn sie ihre Fahrradprüfung abgelegt haben.“

5. Wie können auch Helikoptereltern unbesorgt sein?

Überbesorgten Eltern rät Hügel, ruhig zu bleiben und den Schulweg in den Ferien gut mit den Kindern einzuüben. Zudem könne man sich auf die Schülerlotsendienste der Schulen verlassen, die gefährliche Stellen möglichst abdecken. „Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Gefahren“, sagt die Sozialpädagogin, „und versuchen Sie, dass Ihr Kind mit Mitschülern den Schulweg gemeinsam bestreitet und möglichst nicht alleine gehen muss.“

6. Ist es gut, wenn Kinder den Schulweg zusammen gehen?

Schülerlotsen sind an einer Grundschule in Neustadt im Einsatz. In den Städten und Gemeinden gibt es immer einen Bedarf an Schülerlotsen – egal, ob Schüler oder Erwachsene. Foto: Margot Kirzinger
Schülerlotsen sind an einer Grundschule in Neustadt im Einsatz. In den Städten und Gemeinden gibt es immer einen Bedarf an Schülerlotsen – egal, ob Schüler oder Erwachsene. Foto: Margot Kirzinger

Schmidt spricht sich dafür aus: „Wird der Weg mit anderen Kindern zurückgelegt, gibt es nicht nur viel zu lachen, sondern auch die soziale Komponente wird nachhaltig gefördert und der Zusammenhalt wächst.“ Sind mehrere Kinder zusammen unterwegs, können sie durch Albereien schon mal kurz abgelenkt sein. Davor sollten Eltern sie warnen. Zudem sollten der Schulweg und mögliche Gefahrenquellen gut eingeübt sein, findet Roderer.

„Ein zu Fuß zurückgelegter Schulweg ist für Kinder eine wichtige Erfahrung, um die aktive Teilnahme am Verkehrsleben zu verinnerlichen. Außerdem ist er ein großer Schritt in die Selbstständigkeit und ein paar Schritte an der frischen Luft fördern obendrein die Konzentrationsfähigkeit“, resümiert Schmidt.

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