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Psychologie

Was bei Burnout von Kindern hilft

Der Leistungsdruck steigt, immer häufiger haben Teenager ein Erschöpfungssyndrom. Das kann man dagegen tun.
Von Julian Hilgers

Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Leistungsdruck und sozialer Stress tragen dazu bei, dass bei immer mehr Jugendlichen ein Erschöpfungssyndrom diagnostiziert wird.  Foto: pexels.com/Oberbergkliniken GmbH/ob
Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Leistungsdruck und sozialer Stress tragen dazu bei, dass bei immer mehr Jugendlichen ein Erschöpfungssyndrom diagnostiziert wird. Foto: pexels.com/Oberbergkliniken GmbH/ob

Hamburg.Ein Burnout bei meinem Kind? Für viele Eltern klingt das erstmal ungewohnt. Das Erschöpfungssyndrom assoziieren viele mit einem ausgebrannten Manager, nicht mit einer 14-jährigen Schülerin. Doch die Stressbelastungen auf Jugendliche nehmen zu, sogar Kinder im Grundschulalter werden bereits mit Erschöpfungssymptomen behandelt.

„Für Eltern ist es ungewohnt, dass auch ihr Kind depressive Stimmungen haben kann. Bei uns sind Depressionen von Kindern und Jugendlichen aber täglich Brot“, erklärt Michael Schulte-Markwort. Er ist ärztlicher Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Schule sorgt für 40-Stunden-Woche

Erschöpfungssyndrome wie Burnout tauchen bei Jugendlichen immer häufiger auf, sagen die Experten. Ein großer Faktor ist die Schule. Inklusive Hausaufgaben und Lernen kommen viele Schüler auf eine 40-Stunden-Woche, sagt Schulte-Markwort. „Die Leistungsanforderungen sind gestiegen: Viele Schüler glauben, ein Abiturschnitt über 1,5 wäre nichts mehr wert.“

Auch sozialer Stress spielt bei den Jugendlichen eine große Rolle. Junge Leute suchen Akzeptanz, vergleichen sich untereinander. Dazu tragen vor allem soziale Netzwerke bei. „Ständige Bewertung in allen Bereichen ist eine enorme Belastung“, erklärt Gabriele Bringer, Geschäftsführerin des Stresszentrums Berlin. Generell seien Smartphones ein wichtiger Faktor, findet Bringer. Sie sorgen für ständige Ablenkung und Reizüberforderung bei den Jugendlichen. Gerade beim Lernen tun sich die Jugendlichen deshalb schwer. Auch weil viele nie gelernt haben, richtig zu lernen. Das sorgt für Frustration.

Dazu kommt, dass sich junge Leute generell in einer geistigen und körperlichen Umbauphase befinden, auch über die Pubertät hinaus. „Jugendliche haben nicht immer Zugang zur eigenen Gefühlswelt“, erklärt Gabriele Bringer. Wie geht es nach dem Schulabschluss weiter? Was will ich mit meinem Leben anfangen? Klare Leitbilder oder soziale Vorbilder gibt es bei diesen Fragen inzwischen kaum noch. Diesen ganzen Stress wissen viele Jugendliche nicht richtig zu verarbeiten.

Ausgleich etwa durch Sport fehlt

Auch weil oft der Ausgleich fehlt, vor allem durch Sport. „Die Bewegungsarmut hat zugenommen, die Kondition und Belastungsfähigkeit der jungen Menschen ist dadurch gesunken“, sagt Gabriele Bringer. Ein Burnout während der Schulzeit oder zu Beginn von Studium oder Ausbildung ist daher keine Seltenheit mehr. Das Problem: Ein solches Erschöpfungssyndrom beginnt schleichend, Familie und Freunde und auch Betroffene selbst merken das nicht sofort. Ein Burnout beginnt in der Regel mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen und Leistungseinbrüchen. Auch starke Bauch- und Kopfschmerzen können in diesem Zusammenhang auftreten. „Oft arbeiten die Jugendlichen dann noch mehr. Das kann in einer völligen Erschöpfungsdepression münden“, erklärt Michael Schulte-Markwort.

Der Grund: Oft verändert sich der Stoffwechsel der Jugendlichen. Das beeinträchtigt ihren Gehirnstoffwechsel und sorgt für depressionsartige Symptome, also beispielsweise Niedergeschlagenheit oder sogar selbstverletzendes Verhalten. Viele Jugendliche driften zudem ab: Sie riegeln sich ab, konsumieren möglicherweise Drogen oder verbringen zu viel Zeit am Computer, sagt Helga Land-Kistenich. Sie leitet die Therapeutische Praxis Berlin.

Damit es nicht so weit kommt, sollten sich Jugendliche früh Hilfe holen. Die erste Anlaufstelle ist die Familie, doch nicht immer fällt es den jungen Leuten leicht, sich zu öffnen. Auch ein Beratungslehrer oder andere Hilfsstellen können ein guter Ansprechpartner sein. Der erste Schritt ist dann, die Belastungen in der Umgebungen zu analysieren. Welche Dinge stören mich? Was kann man ändern?

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Antidepressiva ersetzen keine Therapie

Depressive Leute brauchen klar strukturierte Tage, feste Verhaltensregeln, Therapie – und Medikamente? Ja, sagt Tom Bschor.

„Es ist wichtig, nicht einfach weniger zu machen. Denn es gibt guten Stress und schlechten Stress. Den Spaß, zum Beispiel das Instrument oder Sporttraining, sollte man nicht streichen“, betont Schulte-Markwort. Einige Menschen müssen komplett neue Strategien entwickeln, wie sie den Alltag entspannter bewältigen. Die Maßnahmen sind aber ganz individuell.

Professionelle Hilfe lieber früher als zu spät

Wer privat nicht weiterkommt oder bereits starke Probleme oder Schmerzen hat, sollte sich deshalb um professionelle Hilfe bemühen, zum Beispiel von Psychologen. Lieber zu früh als zu spät – das gilt bei Erschöpfungssyndromen genau wie bei anderen Krankheiten. Überhaupt ist es wichtig, sich den Problemen zu stellen, damit der Stress schnell nachlässt. „Früh erkannt dauert ein Burnout etwa drei Monate an. Es kann sich in manchen Fällen aber auch zwei bis drei Jahre hinziehen“, erklärt Gabriele Bringer.

Wirklich verhindern lässt sich ein Burnout bei Jugendlichen nur bedingt. Wichtig ist ein gutes Verhältnis zu den Eltern. Gerade zu Beginn von neuen Lebensabschnitten, zum Beispiel nach dem Umzug in die erste eigene Wohnung. „Auch ein echter Freundeskreis ist Gold wert – real und nicht nur im Internet. Wer schnell neue Freunde findet, hat ein geringeres Risiko für Burnout“, sagt Gabriele Bringer.

Gerade introvertierte Menschen, die sich im sozialen Umgang schwertun, sind deshalb im Gegenzug stärker gefährdet. Grundsätzlich ist aber nicht jedes Stress- oder Erschöpfungsgefühl gleich ein Burnout. Oft kann es sich um eine kurzfristige Probleme handeln. Körperlicher und sozialer Ausgleich zum Stress im Alltag sind deshalb immer wichtig.

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