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Recht

Was Sie zum Erben wissen müssen

Rechtmäßig vererben oder erben ist oft nicht leicht. Unsere Expertin erklärt alle Fallstricke rund ums Nachlassverfahren.
Von Elke Kestler

Wer das Testament eines Verstorbenen besitzt oder findet, ist verpflichtet, dieses beim Nachlassgericht abzugeben. Foto: Armin Weigel/dpa
Wer das Testament eines Verstorbenen besitzt oder findet, ist verpflichtet, dieses beim Nachlassgericht abzugeben. Foto: Armin Weigel/dpa

Cham.Stirbt ein Mensch, findet ein Nachlassverfahren statt. Als Nachlassgericht zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte. Hauptaufgabe des Nachlassgerichts ist die Feststellung der Erbfolge. Aber auch die Personen, die Rechte gegen den Erben geltend machen können, wie Pflichtteilsberechtigter und Vermächtnisnehmer, werden vom Nachlassgericht ermittelt und über ihre Ansprüche in Kenntnis gesetzt. Nach deutschem Recht wird jeder Verstorbene von seinen Angehörigen beerbt. Sind keine vorhanden oder schlagen diese die Erbschaft aus, so erbt der Staat.

Zur Ermittlung der Erbfolge ist es für das Nachlassgericht wichtig zu wissen, ob der Erblasser ein gültiges Testament verfasst hatte. Wer also das Testament eines Verstorbenen besitzt oder findet, ist verpflichtet, dieses beim Nachlassgericht abzugeben. Existieren mehrere Testamente, sind sie alle beim Nachlassgericht einzureichen. Die gesetzliche Erbfolge kommt nämlich nur dann zum Tragen, wenn der Verstorbene sie nicht selbst durch ein Testament geändert hatte.

Warum ein Testament wichtig ist

Elke Kestler Foto: Weinisch
Elke Kestler Foto: Weinisch

Liegen mehrere Testamente vor, ermittelt das Nachlassgericht, welches das aktuell gültige ist und ob möglicherweise einzelne Regelungen aus früher erstellten Testamenten noch Gültigkeit haben. Ist der Wortlaut nicht eindeutig, wird im Wege der Auslegung festgestellt, wer zur Erbfolge berufen ist und wer etwa nur Vermächtnisnehmer ist.

Auch stellt das Nachlassgericht fest, ob ein Testament rechtsgültig zustande gekommen ist oder etwa wegen eines Formmangels oder aufgrund fehlender Testierfähigkeit unwirksam ist. In diesem Fall gilt für die Erbfolge ein möglicherweise zuvor erstelltes Testament. Sollte keines vorliegen, gilt die gesetzliche Erbfolge. Gerade bei kinderlos Verstorbenen kommt oft eine Vielzahl auch entfernter Verwandter als Erben in Betracht. Es ist keine Seltenheit, dass Erbengemeinschaften mit zehn oder mehr Personen entstehen, die nur sehr schwer auseinanderzusetzen sind. Deshalb sollten gerade Leute ohne direkte Nachkommen ein Testament errichten, um sicherzustellen, dass ihren zukünftigen Nachlass auch die Personen erhalten, von denen man dieses möchte.

Unser Experte

  • Autor:

    Unsere Autorin Elke Nicole Kestler ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Erbrecht in Waldmünchen. Die Kanzlei ist kompetenter Ansprechpartner in allen Fragen zum Thema Erbrecht, Vorsorgevollmacht, Behindertentestament sowie für Nachfolgeplanungen von Privatpersonen und Unternehmen.

  • Kontakt:

    Kanzlei für Erbrecht Kestler, Obere Bräuhausstraße 1, 93449 Waldmünchen, Tel. (0 99 72) 30 03 69 0, Fax (0 99 72) 30 03 69 50 0, E-Mail buero@anwalt-kestler.de , Internet www.anwalt-kestler.de

Das müssen Sie zum Erbschein wissen

Für die Durchsetzung von Rechten aus dem Testament ist das Nachlassgericht nicht zuständig. Macht etwa ein Vermächtnisnehmer seinen Anspruch gegen den Erben geltend, so wird ein Rechtsstreit hierüber vor den Zivilgerichten ausgetragen.

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So sorgen Sie richtig vor

Worauf bei einer richtigen Vollmacht zu achten ist, erklärt Elke Kestler in unserem heutigen Serienteil.

Wer sich im Rechtsverkehr, gegenüber Banken, Versicherungen, Behörden oder Vertragspartnern des Verstorbenen, als Erbe legitimieren muss, kann dies durch einen Erbschein tun, den das Nachlassgericht auf Antrag hin erteilt. Aus dem Erbschein ergibt sich nicht nur, wer Erbe des Verstorbenen geworden ist, sondern auch, ob der Erbe Beschränkungen unterliegt, etwa bei Anordnung von Testamentsvollstreckung durch den Erblasser. Im Erbschein werden alle Miterben mit der jeweiligen Erbquote genannt. Sollte Vor- und Nacherbschaft angeordnet sein, wird auch dies vermerkt.

Wird der Erbschein unrichtig, etwa, weil nach Erteilung ein weiteres Testament gefunden wurde, so zieht das Nachlassgericht den Erbschein ein. Der Erbe muss in diesem Fall den Erbschein an das Nachlassgericht zurückgeben. Ein neuer Erbschein wird erteilt. Für Streitigkeiten über den Inhalt des Testaments oder dessen Gültigkeit ist das Nachlassgericht nicht zuständig. Diese werden vor den Zivilgerichten geklärt.

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