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Wer braucht ein Testament?

Eine automatische Testamentsvollstreckung ist im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht vorgesehen. Unser Experte klärt auf.
von Harald Nerlich, Rechtsanwalt

Bei Ehegatten im gesetzlichen Güterstand erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte, wenn es kein Testament gibt. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Bei Ehegatten im gesetzlichen Güterstand erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte, wenn es kein Testament gibt. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Schwandorf.Wer kein Testament errichtet, wird nach den gesetzlichen Regeln beerbt. Bei Ehegatten im gesetzlichen Güterstand erbt beispielsweise der überlebende Ehegatte die Hälfte. Die andere Hälfte teilen sich die Kinder. Der Vorteil dieser Erbfolge besteht darin, dass bei mittlerem Vermögen sämtliche Erbschaftssteuerfreibeträge ausgenutzt werden. Dennoch empfiehlt sich für jeden, der nicht vermögenslos ist, ein Testament.

Die Schöpfer des Bürgerlichen Gesetzbuches vor etwa 100 Jahren haben es wohl als selbstverständlich angesehen, dass jeder vermögende Mensch ein Testament errichtet. Deshalb haben sie offenbar nicht daran gedacht, eine automatische Testamentsvollstreckung vorzusehen. Eine solche kann nur durch ein Testament angeordnet werden.

Wenn es mehr Erben gibt: Testamentsvollstreckung

Da bei der gesetzlichen Erbfolge eine Erbengemeinschaft entsteht und diese erhebliche Nachteile mit sich bringt, empfiehlt sich also für jeden, der mehrere gesetzliche Erben hätte, die Anordnung einer Testamentsvollstreckung. Dies kann aber nur durch Testament geschehen. Der Testamentsvollstrecker kann den Nachlass unter den Personen, die bedacht wurden, ohne größere Streitigkeiten und Einschaltung des Gerichts auseinandersetzen.

Viele Menschen streben im Rentenalter in südliche Gefilde. Wenn diese dann kein Testament errichten, in welchem bestimmt ist, dass deutsches Erbrecht für ihren Nachlass Anwendung finden soll, findet das Erbrecht des Aufenthaltsorts Anwendung. Dieses ist für deutsche Juristen und erst recht deutsche Laien schwer zu ermitteln und noch schwerer richtig anzuwenden. Ein Testament hilft, dieses Problem zu vermeiden.

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Diese Fristen gelten für Erben

Der Tod eines Menschen ist ein emotionales Ereignis. Trotzdem gelten auch bestimmte Fristen, die eingehalten werden müssen.

Bei sogenannten Patchwork-Familien besteht die Gefahr, dass der frühere Ehegatte vom vorverstorbenen geschiedenen Ehegatten indirekt dadurch erbt, dass ein gemeinsames Kind erbt und vor dem geschiedenen Ehegatten stirbt. Sofern das Kind noch keine eigenen Kinder hat, erbt häufig der geschiedene Elternteil. Auch dies lässt sich nur durch ein geschicktes Testament verhindern.

In bäuerlichen Wirtschaftskreisen ist der vertragliche Güterstand der Gütergemeinschaft beliebt. Stirbt ein Elternteil eines Kindes, welches für die Ehe Gütergemeinschaft vereinbart hat, ist die gesetzliche Erbfolge die, dass das Erbe in die Gütergemeinschaft fällt. Nur durch ein Testament kann bestimmt werden, dass das Erbe in das Vorbehaltsgut des eigenen Kindes fällt.

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Schwandorfs Richterin mit Herz

Petra Froschauer ist seit 2013 stellvertretende Amtsgerichtsdirektorin. Bei ihren Prozessen setzt sie auf Menschlichkeit.

Die eingangs geschilderten erbschaftssteuerlichen Vorteile der gesetzlichen Erbfolge bei Familien gehen bei richtiger Gestaltung des Testaments nicht verloren. Auch dient das Testament selbstverständlich dazu, höchst individuelle Rechtsfolgen des eigenen Todesfalls zu schaffen. Sofern jemand Vermögen hinterlässt, kann er mit einem durchdachten Testament verhindern, dass die Nachkommen durch Streitigkeiten oder steuerliche Belastungen eine erhebliche Entwertung ihres Erbes befürchten müssen. Hierdurch kann er nachhaltig sein Ansehen in der Erbengeneration aufwerten.

MZ-Spezial: In unserer Rechtskolumne erläutern Rechtsanwälte aus dem Landkreis Schwandorf jede Woche juristische Fälle aus dem Alltag.

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