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Wie Oma und Opa Trennungskindern helfen

Wenn sich Eltern trennen, beginnen unruhige Zeiten für die Kinder. Die Großeltern können Halt bieten – mit gewissen Grenzen.
Von Christina Bachmann

Hier ist die Welt noch in Ordnung: Wenn sich die Eltern trennen, können Oma und Opa für Kinder besonders wichtig sein. Foto: Rainer Berg/Westend61/dpa
Hier ist die Welt noch in Ordnung: Wenn sich die Eltern trennen, können Oma und Opa für Kinder besonders wichtig sein. Foto: Rainer Berg/Westend61/dpa

München.Bei einer Trennung gerät die Familie aus den Fugen. Umso wichtiger ist es, dass Kindern in solchen Zeiten ein Stück Stabilität erhalten bleibt. Das können zum Beispiel Oma und Opa sein, sagt Hans Dusolt. „Vorausgesetzt, die Kinder haben eine gute Beziehung zu den Großeltern, können diese für sie ein sicherer Anker sein“, erklärt der Familientherapeut aus München. „Sie geben ihnen Zeit zum Spielen und zum Leben, wie sie es bisher gewohnt waren.“

Bei Oma und Opa ist noch alles beim Alten, das beruhigt. Gleichzeitig bieten sie ein Stück Distanz zum Zuhause, wo alles drunter und drüber geht. Das hilft, über die eigenen Gefühle zu reden. „Kinder wollen Vater und Mutter manchmal schonen, weil sie intuitiv spüren, dass die Eltern sehr belastet sind“, sagt Gertrud Ganser, Referentin für Seelsorge beim Erzbistum Köln. Großeltern können ganz konkret nachfragen: „Wie ist das für dich?“ Dusolt rät: „Türen öffnen und Gesprächsangebote machen, ohne auszufragen.“

Kleine Kinder fühlen sich oft schuldig

Je nach Alter gehen Kinder unterschiedlich mit der Trennung um. „Kleine Kinder sehen sich viel mehr verwoben mit dem, was um sie herum passiert“, erklärt Ganser. „Sie entwickeln deshalb häufig die Idee, dass sie die Trennung verursacht haben.“ Großeltern können das Enkelkind von Schuldgefühlen entlasten. Außerdem ist da oft die Angst, die Liebe von Vater oder Mutter zu verlieren. „Hier geht es darum, zu bestätigen: Dass sich zwar die Eltern nicht mehr lieben, aber die Liebe zu einem Kind nicht verloren gehen kann.“

Jugendliche dagegen reflektieren mehr und können sich anders ausdrücken. „Sie haben auch mehr Möglichkeiten, einen eigenständigen Kontakt zu Mutter und Vater aufrechtzuerhalten“, sagt Ganser. Großeltern sind hier gefragt, wenn die Enkel reden wollen – aber vielleicht auch, wenn sie schweigen wollen.

Senioren

Im Alter ausgefüllt durch den Tag

Keine Arbeit, keine Termine, keine Verpflichtungen: Was verlockend klingt, kann im Alter auch zur Herausforderung werden.

Altersunabhängig wünschen sich fast alle Kinder, dass die Eltern wieder zusammenkommen, erklärt Björn Enno Hermans, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF). Dennoch sind Rettungsversuche von Oma und Opa für die Beziehung tabu. „Großeltern sind in den seltensten Fällen gut geeignete Paarberater für das sich trennende Paar“, warnt Hermans.

Keine Seiten wählen

Auch wenn sie eher auf der Seite des eigenen Kindes stehen, sollten sie die Enkel nicht parteiisch beeinflussen. Sätze wie „Euer Papa hat ja noch nie für euch Zeit gehabt“ oder „Eure Mama war ja immer überfürsorglich“ hält Dusolt für gefährlich. „Weil es die Kinder in die Situation bringt, dass sie meinen, sie müssten entscheiden, wer Recht hat oder der bessere Elternteil ist. Dabei weiß man, dass Kinder auch nach einer Trennung beide Elternteile brauchen.“ Großeltern können und sollten stattdessen bestärken: Beide sind die Eltern und bleiben das auch.

Trauer und Schmerz über die Trennung können die Großeltern ihrem Enkelkind nicht ersparen. „Sie sollten auch nicht so tun, als ob alles easy und lässig wäre“, sagt Dusolt. „Sie helfen den Kindern mehr, wenn sie zulassen, dass es jetzt schwierig ist und sie auch mal weinen müssen.“ Gleichzeitig sollten Oma und Opa sich und den Enkeln immer wieder problemfreie Zonen gönnen, rät Ganser. „Wo man einfach mal Spaß und Leichtigkeit hat.“

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Bei allem Mitleid gehören Trennungskinder nicht in die Opferrolle, betonen die Experten. So hilft übermäßiges Verwöhnen bei Trennung nicht, sagt Ganser: „Ich zeige dem Kind: „Du bist so arm dran und ich traue dir gar nicht zu, dass du mit der Situation fertig wirst.“ Besser sei, zu akzeptieren, dass es schwer sei – dem Kind aber auch zuzutrauen, damit zurechtzukommen. „Du bist nicht nur ein Spielball zwischen den Eltern, sondern kannst auch selbst aktiv sein.“

Weder sollten Großeltern von sich aus versuchen, die besseren Eltern für ihre Enkel zu sein, noch sollten sie sich von ihren Kindern als Ersatzeltern in Anspruch nehmen lassen. Denn auch das gibt es: Die Sorge, durch eine Trennung der Eltern zu sehr vereinnahmt zu werden. Manche Großeltern stehen noch im Beruf und haben einen ausgefüllten Alltag. „Wenn man sich selbst überfordert, ist das nicht gut“, sagt Hermans. „Es ist wichtig, die eigenen Kräfte und Ressourcen realistisch einzuschätzen und einzusetzen.“

Sich mit anderen Betroffenen austauschen

Ganser bietet Großelternseminare an, wo der Austausch über genau solche Themen hilft. „Schon in der ersten Runde erzählen die Leute viel Persönliches“, weiß sie. „Es sind viele Fragen, die Großeltern umtreiben, und sie erleben es als sehr erleichternd, mit ähnlich Betroffenen darüber reden zu können.“

Hilfe gibt es etwa bei kommunalen Beratungsstellen für Kinder, Jugend und Familie sowie in Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, oft von Wohlfahrtsverbänden oder kirchlichen Trägern. „Dahin können sich auch Großeltern als Teil der Familie wenden“, erklärt Hermans.

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Rat tut auch not, wenn der Kontakt zum Enkelkind verwehrt wird. Per Gesetz haben Großeltern „ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient“, erklärt Dusolt, viele Jahre als Sachverständiger für Familiengerichte tätig.

Juristisch ist das allerdings eine knifflige Sache, der sich zum Beispiel die Bundesinitiative Großeltern verschrieben hat. „Der Weg zum Enkelkind geht über Kind und Schwiegerkind“, sagt Ganser und rät von Anfang an zur Kooperation. „Je sicherer sich Vater und Mutter fühlen, dass von den Großeltern nicht gegen sie gearbeitet wird, desto eher werden sie auch Kontakt zulassen.“

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