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Partnerschaft

Wie Paare ihre Zukunft verhandeln

Kinder – ja oder nein? Einen neuen Job im anderen Bundesland annehmen? Kaum ein Paar kommt um Fragen wie diese herum.
Von Ricarda Dieckmann

Wenn der Schwangerschaftstest nicht positiv ist, drückt die Enttäuschung auf die Stimmung des Paares. Foto: Christin Klose/dpa
Wenn der Schwangerschaftstest nicht positiv ist, drückt die Enttäuschung auf die Stimmung des Paares. Foto: Christin Klose/dpa

Bonn.Viele Menschen haben konkrete Vorstellungen ihrer Zukunft im Hinterkopf. Der eine möchte unbedingt eine Familie mit zwei Kindern, die andere plant, sich von ihrem Arbeitgeber nach London versetzen zu lassen. Ist man in einer Beziehung, fallen diese Wunschvorstellungen ins Gewicht. „Schließlich ist die Situation eine ganz andere, wenn es einen Partner gibt, auf dessen Leben sich die eigenen Entscheidungen auswirken“, sagt Sabina Lennarz, Paarberaterin in Bonn.

Doch welche Rolle sollten Pläne in einer Partnerschaft einnehmen? „In frischen Beziehungen wird meist viel über die Zukunft und das, was man sich wünscht, gesprochen“, beobachtet Sigrid Sonnenholzer, Paartherapeutin in Ottobrunn (Bayern). „Im Laufe der Zeit verliert das Thema bei vielen Paaren an Bedeutung.“ Oft liegt es daran, dass die Partner insgesamt weniger über die Beziehung kommunizieren. Manchmal steckt dahinter auch der Trugschluss, dass man glaubt zu wissen, was sich der oder die Liebste wünscht.

Zu einem Date verabreden

„Zu jedem Zeitpunkt ihrer Beziehung ist für Paare sinnvoll, sich über die Zukunft auszutauschen“, sagt Sonnenholzer. Ähnlich sieht es Miriam Junge, Psychotherapeutin in Berlin. Sie rät Paaren dazu, sich regelmäßig – etwa einmal im Monat – zu einem Date zu verabreden, bei dem Pläne und Wünsche auf dem Tisch ausgebreitet werden. „Dabei können sich die Partner bereits im Vorfeld überlegen, was sie ansprechen möchten. Im Gespräch selbst kann man es so handhaben, dass jeder eine feste Redezeit bekommt, bei der der andere erst einmal nur zuhört“, so Junge. So lässt sich vermeiden, dass schon nach fünf Sätzen eine hitzige Diskussion ausbricht.

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Doch nicht jeder ist ein Fan von Zukunftsgesprächen, einige Partner scheuen regelrecht davor zurück. Dahinter können schlechte Erfahrungen stecken, etwa wenn das Thema Zukunft in früheren Beziehungen stets zu Endlos-Diskussionen geführt hat. „Ist man ängstlich, sollte man sich vor Augen führen, dass es erst einmal nur ein Gespräch ist“, rät Lennarz. „Man kann das Ganze als kreativen Prozess verstehen, in dem man gemeinsam Ideen sammelt und neue Optionen entwickelt.“

Klar ist aber: Zukunftsthemen auszublenden, ist keine Lösung. Je länger Paare ihre unterschiedlichen Pläne und Wünsche ignorieren, desto lauter kann es eines Tages knallen.

Standpunkte ehrlich offenlegen

Was, wenn Partner ganz unterschiedliche Zukunftsvorstellungen haben? „Im ersten Schritt ist es wichtig, seinen Standpunkt offen zu benennen“, sagt Lennarz. Kann man sich ein Leben ohne Kinder oder einen gemeinsamen Hausbau nicht vorstellen, sollte man das klar kommunizieren.

Experten raten, regelmäßig über Lebenspläne zu reden. Foto: Christin Klose/dpa
Experten raten, regelmäßig über Lebenspläne zu reden. Foto: Christin Klose/dpa

Im zweiten Schritt sollten die Partner sich darüber austauschen, was sie zu ihrer Position bewegt. Dabei ist es elementar, die eigenen Beweggründe zu verstehen. Warum ist es für mich so wichtig, eine Familie zu gründen? Warum ist ein Eigenheim undenkbar? Laut Sigrid Sonnenholzer steckt in Zukunftsplänen oft die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens, ein Thema, das nur schwer verhandelbar ist.

Ansatzpunkte für Kompromisse

Tauscht sich ein Paar offen über seine Beweggründe aus, können sich Ansatzpunkte für Kompromisse offenbaren. Vielleicht zeigt sich: Der Partner schreckt vor einer Familiengründung zurück, jedoch nicht, weil er Kinder generell ablehnt, sondern weil er große Angst vor Verantwortung hat. An diesem Thema kann das Paar gemeinsam arbeiten – und sich zum Beispiel entscheiden, die Familiengründung nicht überstürzt, sondern mit Ruhe und Zeit anzugehen. „Man sollte sich vor Augen führen, dass es in Ordnung ist, Zweifel und Ängste zu haben. Auch ein ,Dreiviertel-Ja‘ kann zu etwas ganz Tollem führen“, sagt Lennarz.

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Ob das Paar in einem Kompromiss zusammenfindet, hängt vom Thema ab. „Bei einigen Themen sind sie eher denkbar als bei anderen – zum Beispiel, wenn es um den Wohnort geht“, sagt Junge. Will einer der Partner ruhig auf dem Land wohnen, während der andere den Trubel der Stadt liebt, kann man eine Wohnung in einem Randbezirk in Betracht ziehen.

Schwierige Kompromisse

Besonders schwierig sind Kompromisse bei „Entweder-oder“-Entscheidungen. Die komplizierteste Frage ist dabei wohl: Familiengründung – ja oder nein? Während sich Mietverhältnisse oder ein Arbeitsvertrag wieder auflösen lassen, ist ein Kind eine Entscheidung fürs Leben. Will einer der Partner unbedingt, der andere aber auf keinen Fall, gibt es meist nur eine Lösung: die Trennung. „Manchmal ist der Verlust der Partnerschaft geringer als der Verlust, der entsteht, wenn der Lebenswunsch unerfüllt bleibt“, fasst Lennarz zusammen.

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Sich den Vorstellungen des Partners unterzuordnen, obwohl man sie nicht teilt, ist keine gute Idee. „Kritisch wird es, wenn sich ein Partner in der Beziehung gar nicht mehr gesehen fühlt“, sagt Junge. „Wenn er oder sie seine eigenen Bedürfnisse komplett zurücksteckt, kann das langfristig zu psychischen Problemen führen.“

Wie kann ich glücklich werden

Daher sollte man sich ehrlich fragen: Kann ich glücklich werden, wenn ich auf eine bestimmte Zukunftsperspektive verzichten muss? Lautet die Antwort „Nein“, sollte man genau prüfen, ob die Beziehung noch Sinn ergibt.

So kompliziert Zukunftsfragen auch sein mögen: In ihnen steckt viel Potenzial für die Beziehung. Gemeinsame Pläne zu schmieden, kann die Bindung enorm stärken und Vorfreude auslösen. Ein Grund mehr, das Thema Zukunft nicht auf die lange Bank zu schieben.

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