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Recht

Die Suche nach der passenden Geldanlage

Experte Jürgen Kestler rät, die eigene Vermögensplanung immer wieder kritisch zu hinterfragen und sich beraten zu lassen.
Von Jürgen Kestler

Die Geldanlage will gut durchdacht sein. Foto: Stockfotos-MG - stock.adobe.com
Die Geldanlage will gut durchdacht sein. Foto: Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Cham.„Sachwert schlägt Geldwert!“ – diesen Satz oder ähnliche Sätze lesen Privatanleger immer wieder, wenn sie sich in Fachzeitschriften oder bei Finanzberatern informieren, um für sich die passende Geldanlage zu finden. Doch ist dies so einfach und pauschal in einem Satz zu beantworten? Hierzu müssen die Begriffe definiert werden.

Geldwerte: Geld (Bargeld oder Buchgeld) in seiner ursprünglichen Form hat die Funktion zum Messen eines Wertes oder diente zum Tausch beim Kauf von Waren oder Dienstleistungen. Es ist somit auch ein Ausdruck der Kaufkraft. In der Geldanlage werden Spareinlagen auf Girokonten, Sparbücher, Tagesgelder, Bausparverträge, Geldmarktfonds, festverzinsliche Wertpapiere und andere Sichteinlagen bei Banken als Geldwerte bezeichnet. Bei diesen Geldwerten hat man eine Forderung gegenüber der Bank, der Versicherungsgesellschaft, Bauspargesellschaft oder Investmentgesellschaft, bei der das Geld „liegt“ bzw. investiert ist. Dafür erhält der Anleger dann einen festen Zins für die Dauer seiner Investition zugesagt.

Der aktuell größte „Feind“ dieser Anlagen ist die Inflation. Bei einer offiziellen Inflation von 1,8 Prozent pro Jahr für 2018 (berechnet von Januar bis September diesen Jahres) muss eine Anlage in Geldwerten mindestens Zinsen in dieser Höhe erwirtschaften, um keinen Verlust der Kaufkraft zu erleiden. So sieht dies bei einer Investitionsdauer von nur einem Jahr sehr gering aus. 1000 Euro, die unverzinst auf dem Girokonto liegen, haben zwölf Monate später eine Kaufkraft von 982,32 Euro. Nach zehn Jahren liegt die Kaufkraft nur noch etwas über 836 Euro.

Als Sachwert bezeichnet man unter anderem Immobilien, Aktien, Edelmetalle, Antiquitäten, Oldtimer, Schiffe, Flugzeuge und Beteiligungen an Unternehmen. Doch Sachwert ist nicht gleich Sachwert. Der Wert eines Sachwerts ergibt sich durch Angebot und Nachfrage sowie durch die Kaufkraft des Geldes. Sinkt die Kaufkraft des Geldes (Inflation) und steigt die Nachfrage nach einem Sachwert, so steigt auch der Preis (Wert).

Sinkt jedoch die Nachfrage nachhaltig bzw. ist das Angebot höher als die Nachfrage, so sinkt auch der Wert des Sachwerts. Ein Sachwert ist immer so viel wert, wie ein potenzieller Käufer dafür zu zahlen bereit ist. Dies ist auch der Grund, wieso für „echte“ Sachwertanlagen die Rendite nur prognostiziert werden kann. Weiter kann nicht genau vorhergesehen werden, wann ein Sachwert, der nicht über regulierte Börsen gehandelt wird, verkauft werden kann.

Der Lohn für die Investition in Sachwerte ist meist eine Rendite von über vier Prozent pro Jahr, allerdings mit dem Risiko, nicht an sein Geld zu kommen, wenn man es möchte oder eines Verlustes, wenn man unter finanziellen Druck verkaufen muss.

Vor diesem Hintergrund ist die Aussage „Sachwert schlägt Geldwert“ nicht allgemein richtig. Jeder Anleger hat seine eigene persönliche und finanzielle Situation. Hierauf muss er, gegebenenfalls mit einem Berater, seine Anlagestrategie aufbauen. Kapital, welches er in den nächsten zwei bis drei Jahren sicher benötigt, sollte er in kurzfristigen Sichteinlagen (Geldwerten) halten, auch wenn dies durch Inflation einen Kaufkraftverlust bedeutet. Die Sicherheit, über sein Geld kurzfristig verfügen zu können, überwiegt.

Geld, welches längerfristig angelegt werden kann, sollte breit gestreut in unterschiedliche Sachtwertanlagen bei unterschiedlichen Anbietern sorgsam investiert werden. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass neben Kursschwankungen auch andere Risiken, wie der Veräußerungszeitpunkt oder ein Wertverlust bis hin zum Totalverlust bei einigen Sachwertinvestitionen eintreten können.

Anleger sollten daher immer kritisch hinterfragen, ob die gewünschte Anlage in die gesamte Vermögenssituation und -planung passt.

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