MyMz

Partnerschaft

Getrennte Betten sind nicht das Ende

Viele Paare schlafen gerne nebeneinander. Andere sind genervt, weil der Partner schnarcht oder früher aufsteht. Was tun?
Von Bernadette Winter

Statt das gemeinsame Bett in zwei Teile zu sägen, sollten manche Paare lieber auf getrennte Schlafzimmer ausweichen. Foto: Andrea Warnecke/dpa/tmn
Statt das gemeinsame Bett in zwei Teile zu sägen, sollten manche Paare lieber auf getrennte Schlafzimmer ausweichen. Foto: Andrea Warnecke/dpa/tmn

Klingenmünster.Dass es unterschiedliche Schlaftypen gibt, dürfte sich herumgesprochen haben. Die Lerchen gehen gerne früh ins Bett und sind mit dem ersten Sonnenstrahl putzmunter. Die Eulen sind dagegen lange wach, und wenn der Wecker klingelt, ist es für sie noch mitten in der Nacht. Treffen zwei so unterschiedliche Partner aufeinander, können sie sich gegenseitig um den Schlaf bringen, erklärt Hans-Günter Weeß. Es ist Leiter des interdisziplinären Schlafzentrums des Pfalzklinikums in Klingenmünster.

Auch verschiedene Gewohnheiten stören die Nachtruhe. Einer will lesen oder noch E-Mails checken und braucht es hell, der andere will Musik hören oder braucht es ruhig und dunkel. Doch der häufigste Grund, warum Paare gezwungenermaßen die Nacht zum Tag machen, ist das Schnarchen, sagt der Paartherapeut Friedhelm Schwiderski, Vorsitzender der Plattform psychoscout.de.

Schlaf ist essenziell

Ob und wie sehr einem Geräusche den Schlaf rauben, hängt davon ab, wie man sie bewertet. Abgesehen von Lärm aus der Umwelt werden wir hauptsächlich von den Lauten wach, die wir als bedeutsam erachten, sagt Weeß. Wenn also das Paar vereinbart hat, dass sie sich um das schreiende Kind kümmert und er arbeiten geht, ist das kindliche Geschrei für ihn nicht relevant. Er wacht in der Nacht nicht auf. Aus diesem Grund beginnen viele Schlafstörungen von Frauen mit dem ersten Kind, weil sie lernen, auf die Umgebungsgeräusche zu achten.

„Niemand will seinem Partner zur Last fallen und ein Schlafräuber sein.“

Hans-Günter Weeß, Leiter des interdisziplinären Schlafzentrums des Pfalzklinikums in Klingenmünster

Wer also vermehrt dem Sägen neben sich Beachtung schenkt, verstärkt unbewusst dessen nervende, schlafstörende Wirkung. Da helfen dann auch keine Ohrstöpsel mehr.

Dabei ist Schlaf essenziell. Das wird auch daran deutlich, dass Schlafentzug als Foltermittel eingesetzt wird. Wer müde den Tag beginnt, wird zunehmend aggressiv und kann nicht mehr konzentriert arbeiten, sagt die Sexologin Ann-Marlene Henning aus Hamburg.

Vor- und Nachtteile ausloten

Wenn der Partner also in der Nacht zum Feind im Bett wird, sollte das Paar lieber für getrennte Schlafzimmer sorgen. „Probieren Sie es einfach mal aus und trauen sie sich, nichts muss bleiben wie es ist“, rät Henning. Die Betroffenen sollten offen darüber sprechen, was sie bedrückt und stört. „Niemand will seinem Partner zur Last fallen und ein Schlafräuber sein“, meint Weeß.

Einer muss ausziehen: Getrennte Betten sind für manche Paare die beste Lösung, damit jeder wieder zu genug Schlaf kommt. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Einer muss ausziehen: Getrennte Betten sind für manche Paare die beste Lösung, damit jeder wieder zu genug Schlaf kommt. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Zusammen sollte das Paar ausloten, welche Vorteile und welche Verluste durch getrennte Schlafzimmer entstehen, empfiehlt Schwiderski. Oft überwiege die Angst, dadurch die Beziehung zu zerstören.

„Natürlich ist davon auszugehen, dass ein größerer körperlicher Abstand entsteht und der Weg zueinander länger wird“, gibt Schwiderski zu. Statt aber auf Gelegenheiten zu warten, könnte sich das Paar gegenseitig besuchen, beispielsweise zu Beginn der Nacht oder am Morgen. „Das kann dann ganz schön prickelnd sein“, sagt Weeß.

Übernachtungen ausmachen

An einem oder mehreren Abenden könne sich das Paar darüber hinaus verabreden, um zu kuscheln, sich zu massieren oder Sex zu haben. „Sonst wird die Distanz immer mehr zur Gewohnheit“, sagt Schwiderski.

„Wer die Möglichkeit hat, getrennte Zimmer einzurichten, kann außerdem Übernachtungen vereinbaren“, schlägt Henning vor. Fühlt sich einer im Lauf der Nacht gestört, zieht er sich in sein Bett zurück.

„Ich denke, getrennte Betten werden immer salonfähiger.“

Hans-Günter Weeß, Leiter des interdisziplinären Schlafzentrums des Pfalzklinikums in Klingenmünster

Fehlt das Beieinanderliegen in der Nacht, bietet sich keine „natürliche“ Gelegenheit mehr zum Sex. So zu denken sei ein Trugschluss, stellt Henning klar. Das größere Risiko sei es, unausgeschlafen zu sein. „Wer ins Bett geht, ist doch müde“, sagt Henning. „Der Sex wird nicht zunehmen, wenn man ein gemeinsames Schlafzimmer hat, aber ständig gereizt und übermüdet ist.“

Sich aufeinander einlassen

Häufig sprächen darüber hinaus noch viele andere Faktoren gegen Sex, obwohl sich gerade die Gelegenheit bietet. Es ist zu kalt, das Licht nicht angenehm oder einer von beiden hat schlicht keine Lust.

Stattdessen sollten sich Paare, die nachts getrennte Wege gehen, andere Gelegenheiten suchen. Nicht nur zum Sex, sondern auch, um Körperkontakt zu suchen. Hennings Tipp: Öfter mal sämtliche Bildschirme ausschalten und sich aufeinander einlassen.

Findet ein Paar partout keine Lösung, kann es sich bei einem Paartherapeuten Hilfe holen. Ganz grundsätzlich geht es bei der Diskussion auch darum, wie wichtig einem die eigenen Bedürfnisse sind. Angst vor der Meinung anderer müsse niemand haben, findet Weeß: „Ich denke, getrennte Betten werden immer salonfähiger.“

Warum auch ein Seitensprung nicht das Ende für eine Beziehung bedeuten muss, das Verzeihen aber viel Kraft kostet, lesen Sie in diesem Artikel.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht