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Psychologie

Kinder beim Trauern unterstützen

Erwachsene sind wichtig, damit Kinder den Tod verarbeiten können. Dr. Sabine Holzschuh gab in Schwandorf viele Impulse.
Von Regina Suttner

Kinder trauern anders. Eltern können helfen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Kinder trauern anders. Eltern können helfen. Foto: Daniel Karmann/dpa

Schwandorf.Trauer im Kindes- und Jugendalter besser verstehen – Erwachsene sind dabei oft hilflos und überfordert. Kinder trauern anders. Wenn ein Mensch aus der nahen Umgebung, ein Familienmitglied oder auch das geliebte Haustier stirbt, ist es wichtig, die richtige Unterstützung geben zu können.

Sonja Kellner, 1. Vorsitzende des 63 Mitglieder zählenden Vereines zur Förderung der regionalen Palliativ- und Hospizversorgung Pallicura e. V., begrüßte am Montag im Turmrestaurant Obermeier in Klardorf viele Menschen zum Vortrag „Wenn Kinder und Jugendliche trauern“. In Kooperation mit der VHS hatte Pallicura Dr. Sabine Holzschuh, Pastoraltheologin und Sozialpädagogin, als Referentin eingeladen. Dr. Holzschuh ist seit vielen Jahren in der Trauerbegleitung tätig. Dementsprechend enthielt ihr Vortrag wertvolle Denkansätze und Ratschläge, um Kindern und Jugendlichen in dieser besonderen Situation hilfreich zur Seite stehen zu können. Ihr Credo zur Bewältigung von Trauer lautet: „erfahrungsgemäß – altersgemäß – wahrheitsgemäß“.

Erwachsene sind der Schlüssel für die Trauerverarbeitung der Kinder, wissen (v.r.) Dr. Sabine Holzschuh, Pastoraltheologin und Sozialpädagogin, Sonja Kellner, 1. Vorsitzende Förderverein Pallicura e. V., Claudia Berger, Mitarbeiterin Pallicura, und Erhard Sailer, Geschäftsführer VHS. Foto: Regina Suttner
Erwachsene sind der Schlüssel für die Trauerverarbeitung der Kinder, wissen (v.r.) Dr. Sabine Holzschuh, Pastoraltheologin und Sozialpädagogin, Sonja Kellner, 1. Vorsitzende Förderverein Pallicura e. V., Claudia Berger, Mitarbeiterin Pallicura, und Erhard Sailer, Geschäftsführer VHS. Foto: Regina Suttner

Mit 15 Jahren haben Jugendliche heute im Durchschnitt schon 15 000 Tote in den Medien gesehen, aber noch keinen Einzigen in ihrem privaten Umfeld, betonte sie. Je mehr Erfahrung im Umgang mit dem Tod aber vermittelt werde, umso gewappneter seien Kinder und Jugendliche. Das könne auch das Leben und Sterben in der Natur vermitteln wie der Tod eines aus dem Nest gefallenen Vögelchens. „Rituale helfen hier bei der Bewältigung, beispielsweise, das Vögelchen in einem liebevoll ausgekleideten Karton im Garten zu beerdigen“, sagte Holzschuh.

Fragen einfach beantworten

Kleine Kinder bis zum Alter von drei Jahren würden eher auf Trennungen reagieren, über ihre Todesvorstellung wisse man nichts. Kinder bis fünf Jahre könnten sich den Funktionsverlust des Todes überhaupt nicht vorstellen. Sie denken, der/die Verstorbene schlafe nur und werde wieder wach. Dr. Holzschuh riet dazu, alle Fragen möglichst einfach zu beantworten. Beispielsweise könne man dem Kind erklären, der Opa hatte ein schwaches Herz, das aufgehört habe zu schlagen; darum werde er nicht wieder wach.

Erziehung

Die richtige Balance beim Lernen

Turnen, Musikunterricht, Sprachkurse für Kinder: Der Psychologe Christof Kuhbandner erklärt, wie man das richtige Maß findet.

Noch ältere Kinder, bis neun Jahre, würden manchmal denken, sie seien schuld am Tod eines Geschwisterkindes. Den Kindern hier die Schuldgefühle zu nehmen seien weitere unerlässliche Teile der Trauerarbeit. Wenn ein Elternteil stirbt, würden Kinder vor allem fürchten, dass das mit Mama/Papa auch passieren könnte und sie dann alleine seien. Erklärungen, dass in einem solchen Fall Tante und Onkel oder gute Freunde für sie da seien, würden den Kindern Sicherheit geben.

Während Erwachsene prozesshaft trauern – sie „schwimmen in einem Meer von Tränen“, so die Referentin –, könnten Kinder schnell umschalten: Eben noch zu Tode betrübt, wenden sie sich schnell Spiel oder Freunden zu. Genauso schnell würden sie aber auch wieder in ihre Trauer zurückfallen.

Das kann helfen

  • Bestattung:

    Man solle das Kind zur Bestattung mitnehmen; vielleicht möchte es noch etwas zum Abschied in den Sarg legen.

  • Gespräch:

    Dem Kind sollte man immer das Gespräch anbieten, nicht abwiegeln mit Worten wie: „Das verstehst du nicht."

  • Gedenken:

    Rituale, wie vor dem Schlafengehen eine „Mama-Kerze“ anzünden, eine Schatzkiste mit Fotos des/der Verstorbenen, das Grab mit gestalten dürfen oder ein Kissen nähen aus dem Lieblings T-Shirt, helfen, Trauer ausdrücken zu können, ihr Raum zu geben.

Kinder nicht überfordern

Ganz wichtig sei es, die Lebenden nicht den Toten zu opfern“, sagt die. Referentin. Kinder und Jugendliche als Ersatz für den verstorbenen Partner zu sehen, sei der falsche Weg. Sie mit zu vielen Arbeiten und Aufgaben überfordern, führe dazu, dass diese gleich zweimal verlieren – Vater/Mutter und die eigene Kindheit, so Holzschuh.

Der Abend endet mit dem Kurzfilm „Filzpantoffel und Bonbons“ von Astri Eidseth Rygh, der die Geschichte einer Sechsjährigen erzählt, die auf ihre eigene Weise von ihrem verstorbenen Großvater Abschied nimmt.

Weitere Informationen gibt es unter www.kindertrauerbegleitung-regensburg.de, ehrenamtliche, kostenlose Begleitung betroffener Kinder und Jugendlicher bei monatlichen Treffen, auch aus der Region Schwandorf. (ssu)

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