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Sport

Boxen und Stangentanz – unter Wasser

Trainingsmethoden, die bei der US-Marine Schule machten: Aquafitness hat mehr Facetten als das Klischee vermuten lässt.
Von Tobias Hanraths

Beim „Aqua Pole Dance“ kommt sogar die Tanzstange ins Wasser. Entsprechend flexibel ist Wasser-Training, je nach Trainingsgestaltung und Teildisziplin. Foto: Ina Fassbender/dpa
Beim „Aqua Pole Dance“ kommt sogar die Tanzstange ins Wasser. Entsprechend flexibel ist Wasser-Training, je nach Trainingsgestaltung und Teildisziplin. Foto: Ina Fassbender/dpa

Berlin.Poolnudel war gestern. Vom Boxsack über das Fahrrad bis zur Tanzstange gibt es heute fast jedes Sport- oder Fitnessgerät auch fürs Wasser. Schließlich geht es nicht mehr nur um schnöde Aquafitness, sondern um so illustre Sportarten wie „Aqua Fit Cross“ oder - daher die Tanzstange - „Aqua Pole Dance“. „Die Anbieter sind da sehr kreativ“, sagt Anna Welker, Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Faustregel: Fast alles, was an Land geht, ist auch als Aqua-Variante möglich.

In jedem Fall ist Aquafitness ein ernstzunehmender Sport. Das verraten auch die Anfänge der Disziplin: „Das wurde ursprünglich in den 1980er Jahren für die US-Marines entwickelt, als Reha-Sport bei Verletzungen“, erklärt der Sportwissenschaftler Thorsten Dargatz, der mehrere Bücher zu dem Thema geschrieben hat. Von der Marineinfanterie wanderte die Aquafitness weiter zu den US-Leichtathleten, von dort zu weiteren Leistungssportlern – und schließlich zur Masse der Freizeitsportler. Der relativ einfache Zugang macht die Sportart beliebt. Wer es auf die teils vollen Kurslisten geschafft hat, hat neben Eintritt und Kursgebühr keine laufenden Kosten mehr. Badezeug einpacken, fertig.

Ein Sport für alle Fitnessgrade

Anna Welker ist Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Foto: DHfPG/dpa
Anna Welker ist Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Foto: DHfPG/dpa

Aquafitness ist zudem gerade gut für alle, die mit anderen Sportarten Probleme haben, Übergewichtige etwa oder Arthrose-Patienten. Denn Wasser macht leicht, die Gelenkbelastung ist gering bis gar nicht vorhanden. „Für Schwangere oder Frauen nach der Geburt ist Aquafitness besser als viele andere Sportarten, weil es fast erschütterungsfrei ist“, sagt Welker. Sogar im Klischee vom Alte-Leute-Sport steckt ein Fünkchen Wahrheit: „Es ist natürlich perfekt für Senioren“, erklärt Dargatz. „Die können damit noch relativ intensiv trainieren, intensiver als an Land.“ Verletzungsgefahr besteht dabei kaum, Muskelkater droht keiner.

Leistungssport ist Aquafitness jedoch ebenso, gerade in der populären Tabata- oder Hochintensiv-Variante. Auch dieser Trend hat es aus dem Studio ins Wasser geschafft. „Das dauert dann nur so vier, sieben oder 15 Minuten, aber dafür geht es richtig zur Sache und mit sehr kurzen Pausen“, sagt Dargatz. Die Ergebnisse sieht man: „Der Kalorienverbrauch ist beim Aquafitness schon bei mäßiger Intensität sehr hoch“, sagt Welker.

Nichts für reine Landratten

Weil Aquafitness so vielfältig ist, können Sportler ganz unterschiedliche Ziele setzen – sei es Richtung Kraft, Ausdauer oder Schnelligkeit. Und auf dem Stand-Up-Paddle-Board ist vor allem Koordination gefragt. Foto: Ina Fassbender/dpa
Weil Aquafitness so vielfältig ist, können Sportler ganz unterschiedliche Ziele setzen – sei es Richtung Kraft, Ausdauer oder Schnelligkeit. Und auf dem Stand-Up-Paddle-Board ist vor allem Koordination gefragt. Foto: Ina Fassbender/dpa

Gleichzeitig ist das Wasser-Training sehr flexibel. „Man kann unterschiedliche Ziele setzen – eher Richtung Kraft, Ausdauer, Koordination, theoretisch sogar in Richtung Schnelligkeit“, erklärt Welker. „Mit dem richtigen Trainingsplan braucht man da auch keinen Ausgleichssport, weil es eigentlich keine Defizite geben sollte.“ Für wirklich jeden ist die Aquafitness aber nicht geeignet: Starke neurologische Defizite wie Gleichgewichtsprobleme wären zum Beispiel ein Grund dagegen, sagt Welker – ebenso wie Epilepsie oder bestimmte Allergien. Schwimmen müssen Aquafitness-Sportler zwar nicht unbedingt können, reine Landratten sollten sie aber nicht sein. „Die Leute müssen mal eine Wassergewöhnung absolviert haben – sie müssen im Wasser schweben können, auch tauchen, einfach, um da eine Sicherheit zu haben.“

Die Expertin rät außerdem, Aquafitness nicht als Solosport zu betreiben. Zumindest zu Beginn sollte es schon die Gruppe unter professioneller Anleitung sein: „Alleine, um mal zu sehen, welche Möglichkeiten es gibt und wie ein sinnvolles Training aussieht.“

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