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Skigebiet

Ein ganzes Tal feiert Jubiläum

Gastein wird heuer erneut zum „Monte Carlo der Alpen“. Neben Promis locken viele Veranstaltungen auch Kurgäste und Familien.
Von Andreas Allacher

Jährlich suchen rund 14 000 Gäste das Klima im Gasteiner Heilstollen. Seit 60 Jahren wird der einstige Goldabbau zu medizinischen Zwecken genutzt und zählt seither mehr als drei Millionen Therapieeinheiten. Foto: Max Steinbauer
Jährlich suchen rund 14 000 Gäste das Klima im Gasteiner Heilstollen. Seit 60 Jahren wird der einstige Goldabbau zu medizinischen Zwecken genutzt und zählt seither mehr als drei Millionen Therapieeinheiten. Foto: Max Steinbauer

Bad Gastein.1000 Jahre Gasteinertal: Heuer jährt sich die erste urkundliche Erwähnung des größten Seitentales der Salzach – unter dem Namen „Provincia Gastuna“ – zum tausendsten Mal. Die Geschichte Gasteins erzählt von wohltuenden Thermalbädern, freudvollen Genüssen und prominenten Besuchern. Doch auch das Schöpfen großer Reichtümer spielte in der tausendjährigen Geschichte des Tales eine wesentliche Rolle. War es ab der Mitte des 14. Jahrhunderts vor allem die Gewinnung von Gold und Silber, nutzen die Menschen des Tales heute die Heilkraft und die Naturlandschaften, um deren Schönheit, Ruhe und sportlichen Möglichkeiten mit Gästen aus aller Welt zu teilen. Drei von vier Talbewohnern leben direkt oder indirekt vom Tourismus.

Mondäne Hotelbauten prägen das Ortsbild von Bad Gastein. Foto: Andreas Allacher
Mondäne Hotelbauten prägen das Ortsbild von Bad Gastein. Foto: Andreas Allacher

Als erster Hinweis auf menschliche Aktivität in Gastein gilt der Fund eines Flintbeils, das 1961 unweit des weltbekannten Wasserfalls unterhalb des Hotels Straubinger entdeckt wurde und auf das Jahr 3750 vor Christus datiert werden konnte. Erstmalig in den Geschichtsbüchern erwähnt wird Gasteig 1020. In einer Urkunde zwischen Hartwig, dem damaligen Erzbischof von Salzburg, und zweier Brüder aus dem Geschlecht der Sieghardinger wird ein Handelsgeschäft beurkundet – ein Tausch von Bauerngütern.

Viele Highlights zum Jubiläum

Fiaker Sepp Lederer erzählt bei der Pferdeschlittenfahrt von vielen Prominenten, die er durch das Kötschachtal gefahren hat.  Foto: Andreas Allacher
Fiaker Sepp Lederer erzählt bei der Pferdeschlittenfahrt von vielen Prominenten, die er durch das Kötschachtal gefahren hat. Foto: Andreas Allacher

Der ohnehin gut gefüllte Veranstaltungskalender des Sommer wie Winter touristisch ausgerichteten Tales wird im Jubiläumsjahr mit vielen besonderen Events unter dem Motto „1000 Jahre Gastein“ bereichert. So wird die Region im März erneut zum „Monte Carlo der Alpen“, wenn Fürst Albert II. mit der Charity-Organisation „A.S. Star Team for the children“ Gastein besucht. Mit im Gepäck sind ehemalige Spitzensportler, die sich für den guten Zweck bei einem Charity Race messen werden.

Die weltberühmte Wasserfall im Zentrum von Bad Gastein  Foto: Andreas Allacher
Die weltberühmte Wasserfall im Zentrum von Bad Gastein Foto: Andreas Allacher

Kurkonzerte gehören seit dem 19. Jahrhundert zu Gastein. 2020 wird es deshalb eine musikalische Darbietung geben, die zur Geschichte des Tales passt. 1000 Minuten bzw. 16,67 Stunden spielen die Musiker am Stück. Bereits am 4. April beschließt ein Konzert mit Helene Fischer in Bad Hofgastein die Reihe „Sound & Snow Gastein“, bei der kürzlich auf der Schlossalm DJ Ötzi für Partystimmung sorgte. Im Zeichen des runden Geburtstags steht auch die Trailrunning Team-Weltmeisterschaft, die „adidas Infinite Trails World Championships 2000“, die von 25. bis 28. Juni in Gastein stattfinden. Die WM zeichnet sich vor allem durch seinen Anspruch aus, als nachhaltiges Event keine Spuren in der Natur zu hinterlassen. Dazu passend ist geplant, während der Veranstaltung 1000 Bäume zu pflanzen.

Im Moment dominieren freilich noch die wintersportlichen Aktivitäten – vom Eldorado für Freeryder ganz oben in Sportgastein bis zur Skischaukel nach Großarl am Taleingang in Dorfgastein. Nach dem Pisten- oder Langlauf-Vergnügen, der Winterwanderung oder der Pferdekutschenfahrt bieten die Felsentherme in Bad Gastein oder auch die Alpentherme in Bad Hofgastein wohlige Entspannung.

Schneeschuhwanderungen zählen zu den vielen wintersportlichen Aktivitäten im Gasteinertal. Foto: Manuel Marktl
Schneeschuhwanderungen zählen zu den vielen wintersportlichen Aktivitäten im Gasteinertal. Foto: Manuel Marktl

Heilkraft des Tauerngoldes

Apropos Wasser: Ein wesentlicher Grund für das steigende Ansehen von Gastein ist das mit bis zu 46 Grad zu Tage tretende Thermalwasser. Um 1365 kamen mit Herzog Stephan II. von Bayern und Meinhard VII. die ersten hochrangigen Besucher ins Tal, um die Heilkraft des flüssigen Tauerngoldes zu nutzen und bei der Gelegenheit einen Heiratsvertrag für Catharina von Görz und Herzog Johann II. von Bayern abzuschließen. Einer der ersten erwähnten Kurgäste war 1436 der spätere Kaiser Friedrich III.. Der Grundstock für ein Heilbad war gelegt, von dessen Hochzeit viele mondäne Hotel-Prachtbauten aus der K.-u.-k-Monachie zeugen, in denen sich einst und heute Prominente die Klinke in die Hand gaben. Von Politikern, Stars und Scheichs erzählt auch Sepp Lederer, einer von drei verbliebenen Fiakern im Tal. „Früher kamen in erster Linie Deutsche, heute kommen die Gäste aus aller Welt.“

Das Gasteinertal

  • Anreise:

    Über Salzburg und die Tauernautobahn bis Bischofshofen und St. Veit im Pongau nach Dorfgastein, Bad Hofgastein und Bad Gastein

  • Skigebiet:

    198,1 Pistenkilometer in vier Skigebieten; dazu bis zu 50 km Loipen 100 km Winterwanderwege.

  • Skipass:

    sechs Tage 275,50 Euro (Jugend 206,50 Euro, Kinder 138 Euro, jeweils in der Hauptsaison)

  • Hoteltipp:

    Das Vier-Sterne-Superior-Hotel Norica mit dem neu eröffneten Palais Norica liegt im Zentrum von Bad Hofgastein. Für Hotelgäste ist neben der eigenen Wellnesslandschaft der unbegrenzte Eintritt in die Alpentherme, zu der sie dank eines unterirdischen Direktzugangs gelangen, bei Halbpension eingeschlossen.

Weltweit einzigartig in Sachen Gesundheit – weil der einzig warme Radon-Grubenbau seiner Art – ist der Gasteiner Heilstollen. Dort, wo ab dem 14. Jahrhundert Gold und Silber abgebaut wurden, suchen seit Jahrzehnten Menschen Heilung, die von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wie Morbus Bechterew oder Arthrose, des Bewegungsapparats wie Osteoporose oder HWS-Syndrom, der Atemwege oder der Haut geplagt sind.

Mit dem Zug geht es in den Heilstollen. Foto: Christian Fischbacher
Mit dem Zug geht es in den Heilstollen. Foto: Christian Fischbacher

Für die Therapieeinheiten im Heilstollen fährt der Patient nach einer Eingangsuntersuchung mit einem Zug etwa zwei Kilometer ins Berginnere, wo ihn Temperaturen zwischen 37 und 43 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 75 bis 100 Prozent erwarten. Ein Beleg für die positive Wirkung der Radonwärmetherapie sind ausgerechnet Protokollbücher der Nazis, die mit Gasteiner Gold ihre Kriegskasse füllen wollten. Nirgends war die Krankheitsquote der Zwangsarbeiter so niedrig wie im Stollen über Bad Gastein.

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