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Verkehr

Fahrradnavis und Apps für Radler

In der Stadt eignen sich Smartphone-Apps für Radler bestens. Wer Touren machen will, greift aber besser zum Fahrrad-Navi.
Von Stefan Weißenborn

Kleiner Wegbegleiter: Digitaler Fahrradtacho mit GPS-Funktion. Foto: Robin Kirchner/pd-f.de/dpa
Kleiner Wegbegleiter: Digitaler Fahrradtacho mit GPS-Funktion. Foto: Robin Kirchner/pd-f.de/dpa

Berlin.Früher hätte man sich vielleicht nicht weiter gewagt. Hätte an der Kreuzung im Wald nicht den gewohnten Weg verlassen. Wäre auf Nummer sicher gegangen, den Weg weiter gefahren, den man kennt. Oder man hätte angehalten, um die Fahrradkarte unter der Schutzhülle am Lenker umständlich zu entziffern.

Seit es fürs Fahrrad technische Hilfe bei der Navigation gibt, entdecken Radler bequem neue Wege – denn die Technik verirrt sich nicht so leicht. Grundsätzlich gibt es für Fahrradfahrer zwei verschiedene Möglichkeiten, sich technisch unterstützen zu lassen. Entweder, sie nutzen ein Navigationsprogramm das sie auf ihr Smartphone laden. Oder sie montieren ein Fahrrad-Navigationsgerät.

„Für alltägliche Wege in der Stadt sind Smartphone-Apps in der Regel besser geeignet“, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Der Grund: Man müsse kein zusätzliches Gerät mitführen – denn die meisten Menschen haben ihr Telefon immer dabei.

Das Handy weiß, wo’s lang geht: Mit Halterung wird es mit entsprechender App zum digitalen Wegweiser. Foto: Sebastian Hofer/pd-f.de/dpa
Das Handy weiß, wo’s lang geht: Mit Halterung wird es mit entsprechender App zum digitalen Wegweiser. Foto: Sebastian Hofer/pd-f.de/dpa

„Apps greifen mittlerweile häufig auf eingespeiste Daten hunderter anderer Nutzer zu, das ist besonders in unbekannten Städten ein Vorteil“, nennt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) weitere Vorteile. Außerdem seien Smartphone-Displays manchmal größer als die der Fahrrad-Navis. So lassen sich Kartendetails besser ablesen – jedoch fressen die leuchtenden Bildschirme auch jede Menge Strom.

Für längere Touren, die nicht nur von Zuhause zum Büro und wieder zurück, sondern zum Sightseeing auch mal kreuz und quer durch die Stadt oder zum Radwandern weite Strecken über Land führen, raten die Experten zu Navigationsgeräten.

Navis sind wetterfest

„Bei längeren Touren haben sie Vorteile, weil sie wetterfest sind, längere Akkulaufzeiten haben und oft bessere Möglichkeiten zur Planung der Tour bieten“, sagt Filippek. Zudem werden sie immer mit einer Halterung ausgeliefert, die man sich fürs Handy ebenso wie spezielle Regenhüllen extra besorgen muss.

Die Geräte sind zudem stoßfester als viele Handys und dürfen aus Lenkerhöhe auch schon mal auf den Boden fallen. Ihre Displays sind anders als viele Handys auf den Outdoor-Einsatz vorbereitet. Spiegeln Smartphone-Oberflächen je nach Lichteinfall stark, sind viele der Navis mit sogenannten transflektiven Displays ausgestattet und lassen sich so noch in direktem Sonnenlicht gut ablesen.

„Mit dem Rad möchte ich ganz andere Strecken fahren als mit dem Kfz und auch die Wahl haben zwischen kurzen, flachen und szenisch schönen Strecken.“

David Koßmann, Pressedienst Fahrrad

Doch auch unter den Fahrrad-Navis gibt es Unterschiede: „Besonders software-seitig können Navis sperrig in der Bedienung sein“, sagt Koßmann. Für möglichst genaue Ergebnisse empfiehlt er, dass die Geräte zu Routenkalkulation Verbindungen nicht nur zu GPS-, sondern auch Glonass-Satelliten aufbauen.

Das Fachmagazin „Bike Bild“ (2/2019) nahm jüngst Modelle verschiedener Hersteller von 180 Euro bis 440 Euro unter die Lupe und weist auf weitere Unterschiede hin. So lassen sich an manchen Geräten auch Touren nicht nur durch Vorgabe von Ziel und Wegpunkten generieren, sondern auch in gewünschter Länge. Manche Touch-Displays funktionieren bei Regen nur eingeschränkt, weswegen manche Hersteller ihren Geräten zusätzlich Tasten gönnen.

Weg für Radwanderer wichtig

Wer überlegt, sich ein Fahrrad-Navi anzuschaffen, sollte je nach Vorlieben auch darauf achten, ob man in die Karten hineinzoomen kann oder ob das Display in Farbe oder nur in schwarz-weiß auflöst. Funktioniert das Re-Routing verlässlich? Passt sich die Route also dynamisch an, wenn man mal den Abzweig verpasst hat?

Wobei es vor allem Radwanderern weniger um das Erreichen eines Zielpunktes als vielmehr um den Weg an sich geht. „Daher sind die Routen bei guter Fahrrad-Navigation detailliert planbar und nicht nur auf das öffentliche Straßennetz beschränkt“, sagt René Filippek. „Mit dem Rad möchte ich ganz andere Strecken fahren als mit dem Kfz und auch die Wahl haben zwischen kurzen, flachen und szenisch schönen Strecken“, ergänzt David Koßmann.

Moderne Zeiten: Heute kann die Fahrradkarte auch digital sein. Foto: Robert Günther/dpa
Moderne Zeiten: Heute kann die Fahrradkarte auch digital sein. Foto: Robert Günther/dpa

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Geräte und Software nicht nur den Unterschied zwischen verschiedenen Wegearten – Straße, Waldweg, Trail, Feldweg, geschottert oder asphaltiert – kennen. Sie sollten sie zur besseren Orientierung auch erkennbar auf dem Display abbilden. Zeigen die Geräte ein Höhenprofil an – umso besser. Teils lassen sich mit ihnen auch Rundreisen erstellen. Letztlich sollten auch die Abbiegehinweise eindeutig und gut wahrnehmbar sein.

An vielen Geräten lassen sich Strecken anhand von Adressen, Kartenpunkten und Koordinaten oder Points-of-Interest (POIs) berechnen. Das sind für Radler zum Beispiel Restaurants oder geeignete Unterkünfte, teils sind auch Läden mit Reparaturmöglichkeiten hinterlegt.

Längere Trips am PC berechnen

Für längere Trips rät Koßmann aber zur Routenkalkulation am heimischen Computer: „Ich mache das nur so, denn so weiß ich genau, was mich erwartet.“ Man habe Streckenlänge und Höhenmeter besser im Blick. „Zudem lassen sich viele Straßen auf Google Earth auf ihren Zustand überprüfen“ – was am Gerät selbst nicht geht. „Zur Planung gibt es von den Herstellern meist entsprechende Software, die vorher auf dem Computer installiert werden muss“, sagt Filippek.

Berechnen lassen sich Routen zum Beispiel aber auch auf Webseiten wie Strava.com, Bikemap.net oder Komoot.de. Von letzterer beispielsweise lässt sich die Route ans Smartphone senden, wenn dort die Komoot-App installiert ist. Nun lässt sie sich entweder am Handy nutzen, oder man schickt sie ans Navi – auch dafür sind manche Geräte ausgelegt. Die Übertragung der Tour vom Computer oder dem Telefon erfolgt per Kabel oder kabellos, etwa über Bluetooth oder W-LAN, seltener per Umstecken einer SD-Karte. „Auf der planenden Plattform kann man die Tracks meist als GPX-Datei exportieren und diese dann einfach ins Gerät kopieren“, so Koßmann.

Gewohnte Wege verlassen: Das kann mit Navigationsystemen fürs Fahrrad bequem funktionieren. Foto: Tobias Hase/dpa
Gewohnte Wege verlassen: Das kann mit Navigationsystemen fürs Fahrrad bequem funktionieren. Foto: Tobias Hase/dpa

Längst auch verschmilzt die Technik miteinander. So kommunizieren Navi und Handy nicht nur miteinander, um neues Kartenmaterial per App aufs Gerät zu bekommen, das man vorher per Mobilfunkverbindung oder im WLAN heruntergeladen hat. Wer seine Tour teilen möchte, kann sie in die Hersteller-Cloud laden und sich dabei manchmal sogar live tracken lassen oder von der Cloud Trips anderer Nutzer auf sein Endgerät holen – eine Möglichkeit, die Navi-Apps ebenfalls bieten. Die Navis koppeln sich teils mit dem Smartphone, um auch Telefonanrufe und eingehende Nachrichten auf dem Display anzuzeigen.

Können die Geräte zudem mit Trittfrequenz- und weiteren Sensoren am Rad kommunizieren, bereiten sie Leistungsdaten auf, die wiederum in der Online-Community geteilt werden können – interessant für sportlich orientierte Radler zum Überwachen von Trainingseffekten.

Wer nur radwandern möchte, benötigt so etwas aber nicht – und freut sich womöglich mehr daran, auch mal unbekanntes Terrain zu ergründen.

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