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Reisen

Hurtigruten: Mit Strom zu den Eisbergen

Mit der „Roald Amundsen“ hat die norwegische Reederei Hurtigruten das erste Expeditionskreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb.
Philipp Laage

Die „Roald Amundsen“ von Hurtigruten kommt vor allem in polaren Gewässern zum Einsatz. Foto: Hurtigruten/dpa-tmn
Die „Roald Amundsen“ von Hurtigruten kommt vor allem in polaren Gewässern zum Einsatz. Foto: Hurtigruten/dpa-tmn

Hamburg.Es hat gedauert, bis das neue Kreuzfahrtschiff von Hurtigruten fertig wurde. Ursprünglich sollte die „Roald Amundsen“ schon im vergangenen Jahr entlegene Reiseziele ansteuern. Doch der Bau in der norwegischen Kleven-Werft verzögerte sich. Seit Anfang Juli ist das Schiff nun auf den Meeren unterwegs.

Die „Roald Amundsen“, benannt nach dem berühmten Forscher, ist ein Schiff für den Einsatz in polaren Gewässern - und das erste Expeditionskreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb der Welt. An Bord befinden sich neben vier Dieselmotoren zwei Batteriepacks mit jeweils 0,8 Megawatt Leistung. Das reduziert den Treibstoffverbrauch nach Angaben der Reederei um 20 Prozent. Schweröl kommt nicht zum Einsatz.

Ziel Nordwestpassage

So sieht eine Batterie auf der „Roald Amundsen“ aus - das Hybridschiff wird mit Diesel und Strom angetrieben. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
So sieht eine Batterie auf der „Roald Amundsen“ aus - das Hybridschiff wird mit Diesel und Strom angetrieben. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

In diesem Sommer ist die „Roald Amundsen“ mit Platz für maximal 530 zahlungskräftige Gäste zunächst entlang der norwegischen Küste und in Richtung Spitzbergen und Grönland unterwegs. Danach steht eine legendäre Entdeckerroute im Programm: die Nordwestpassage vom Atlantik in den Pazifik. Anschließend geht es entlang der Küsten Nordamerikas und Südamerikas hinunter in die Antarktis, dem klassischen Ziel von Expeditionskreuzfahrten.

So unwirtlich die Fahrtgebiete der „Roald Amundsen“ sind, so komfortabel gestaltet sich die zumeist recht teure Reise an Bord. Das Schiff hat ausschließlich Außenkabinen mit Größen von 17 bis 48 Quadratmetern, viele davon mit Balkon. Vier Eck-Suiten verfügen sogar über einen eigenen Whirlpool, von dem die Gäste aus dann zum Beispiel vorbeiziehende Eisberge beobachten können. Das Innendesign ist typisch skandinavisch: hell, klar und wohnlich.

Komfort kostet

Das Kabinendesign auf der „Roald Amundsen“ ist skandinavisch: hell, klar und wohnlich. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Das Kabinendesign auf der „Roald Amundsen“ ist skandinavisch: hell, klar und wohnlich. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

Für Entspannung sorgen eine Sauna an Bord und ein kleiner Spa-Bereich mit drei Behandlungsräumen. Zudem gibt es ein Fitnessstudio und eine Joggingstrecke auf Deck 11. Dort befindet sich am Heck neben zwei öffentlichen Whirlpools außerdem ein Infinity-Pool.

Auf dem 140 Meter langen Schiff haben die Konstrukteure drei Restaurants untergebracht: Neben dem Hauptrestaurant Aune mit Platz für 240 Personen und À-la-carte-Menüs am Abend gibt es das Fredheim mit Street Food aus verschiedenen Ländern (Burger, Tortillas, Dumplings) und das gehobene Lindstrøm mit Gourmetküche. Alles sieht hochwertig, aber nicht protzig aus. Skandinavisch eben. In der Explorer Lounge auf Deck 10 befindet sich noch eine Bar.

Die Bordwährung ist der Euro - eine Premiere bei der traditionsreichen Reederei, die für ihre Schiffsreisen entlang der norwegischen Küste bekannt ist. Die deutschen Gäste stellen an Bord der „Roald Amundsen“ zwar in der Regel die größte Gruppe, doch das Publikum ist international, gerade außerhalb Europas.

Eigene Fundstücke unter dem Mikroskop

Ein Herzstück des Schiffs ist das Wissenschaftszentrum, das Science Center. Hier können Urlauber zum Beispiel Gegenstände aus der Natur unter dem Mikroskop beobachten - sofern sie diese mit an Bord nehmen dürfen. Auch Teile von Tierskeletten sind ausgestellt, zum Beispiel das Replikat eines Eisbärenschädels. Hurtigruten will die Reisenden nicht nur unterhalten, sondern auch bilden. Kundige Dozenten sind auf den Expeditionsreisen immer mit an Bord.

Unterwegs im Geiste großer Entdecker: Fotos von „Roald Amundsen“ und „Robert Falcon Scott“ in der Explorer Lounge des neuen Hurtigruten-Schiffs. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Unterwegs im Geiste großer Entdecker: Fotos von „Roald Amundsen“ und „Robert Falcon Scott“ in der Explorer Lounge des neuen Hurtigruten-Schiffs. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

Solche Kreuzfahrten führen häufig in sensible Ökosysteme. In der Antarktis dürfen aufgrund von Umweltbestimmungen immer nur 100 Menschen gleichzeitig an Land gehen. Die Anlandungen in den Zodiac-Schlauchbooten organisiert die Crew so, dass trotzdem alle Fahrgäste dabei sein können. Ungefähr ein bis zwei Stunden setzen die Besucher dann ihre Füße auf den Antarktischen Kontinent, um zum Beispiel Pinguine und Robben zu beobachten.

Auf dem Observation Deck können Besucher Eisberge und Wale beobachten. Foto: Hurtigruten/dpa-tmn
Auf dem Observation Deck können Besucher Eisberge und Wale beobachten. Foto: Hurtigruten/dpa-tmn

Hurtigruten setzt auch an Bord auf Nachhaltigkeit: Wasser aus Plastikflaschen bekommt man nicht, das Trinkwasser wird etwa aus Meerwasser gewonnen. Auf andere Einwegplastik-Artikel wird möglichst verzichtet. Weil man keine biologisch abbaubaren Duschhauben finden konnte, wurde auf dieses Produkt schlicht verzichtet.

Unterwasser-Drohne für Wal-Bilder

Auf Expeditionskreuzfahrten geht es vor allem um das Reiseziel und die Erlebnisse vor Ort, etwa Tierbeobachtungen. Diesem Umstand muss die „Roald Amundsen“ natürlich Rechnung tragen. Das Observation Deck auf Deck 11 bietet einen Rundumblick aufs Meer.

Im Innern erstreckt sich ein 17,5 Meter hoher LED-Bildschirm über sieben Decks, auf den Kameras zum Beispiel die vorbeiziehende Landschaft übertragen können. Der Schauwert ist groß, der praktische Nutzen an dieser Stelle des Schiffs erschließt sich nicht unbedingt. An Bord gibt es jede Menge Monitore, damit den Gästen nichts entgeht. Spektakuläre Bilder von Walen kann eine Unterwasser-Drohne liefern.

Eine Reise auf der „Roald Amundsen“ ist ein exklusives Vergnügen für Urlauber, die es sich leisten können. Der Reiz exklusiver Reiseziele scheint eher noch größer zu werden, Expeditionskreuzfahrten boomen.

Zwei Schwesternschiffe in Planung

Hapag-Lloyd Cruises hat mit der „Hanseatic nature“ erst in diesem Frühjahr das erste Expeditionsschiff einer neuen Baureihe fertiggestellt. Der Flussreiseanbieter Nicko Cruises wagt sich mit der „World Explorer“ auf hohe See. Und Hurtigruten lässt zwei Schwesterschiffe der „Roald Amundsen“ bauen - im kommenden Jahr ist die Auslieferung der „Fridtjof Nansen“ geplant.

Die Taufe der „Roald Amundsen“ findet nicht in einem europäischen Hafen statt - sondern stilecht in der Antarktis, auf der ersten Reise des Schiffs zum weißen Kontinent. Die traditionelle Champagnerflasche wird durch einen Eisblock ersetzt.

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