MyMz

Wintersport

Loipe statt Piste in Saalfelden

Im Salzburger Land kann man sich auf schmalen Langlauf-Brettern austoben. Vorher muss man aber die Technik lernen.
Von Verena Wolff

Der klassische Langlauf-Stil in der gespurten Loipe ähnelt der natürlichen Bewegung und strengt weniger an als der modernere Skating-Stil. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn
Der klassische Langlauf-Stil in der gespurten Loipe ähnelt der natürlichen Bewegung und strengt weniger an als der modernere Skating-Stil. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn

Saalfelden.Wenn Andrea Grossegger über den Schnee der Loipe am Ritzensee in Saalfelden gleitet, dann sieht das fließend und fast mühelos aus. Kein Wunder - die gebürtige Vorarlbergerin steht auf Langlauf-Skiern, seit sie ein Kind war.

Viele Jahre gehörte die heute 56-Jährige zur Nationalmannschaft Österreichs. Sie lernte die Wintersportorte dieser Welt kennen - auf den schmalen, dünnen Skiern versteht sich, und mit der Waffe auf dem Rücken. Grossegger ist bisher die einzige Biathletin des Alpenlandes, die bei einer Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnen konnte.

Andrea Grossegger bietet in Saalfelden Langlauf-Kurse an. Foto: Florian Lechner/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn
Andrea Grossegger bietet in Saalfelden Langlauf-Kurse an. Foto: Florian Lechner/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn

Heute gibt Andrea Grossegger ihr Wissen weiter - an den Langlaufnachwuchs im heimischen Sportclub und an die Gäste, die ihren Winterurlaub im Salzburger Land verbringen. Dafür hat sie eine ganz besondere Skischule - ganz ohne Lift und Stress, dafür aber mit herrlicher Landschaft, soweit das Auge reicht. Nordic Park heißt das Areal am Ritzensee oberhalb von Saalfelden.

Loipen rund um den See

Die schroffen Felsen des Steinernen Meers heben sich vom tiefen Blau des Himmels ab, der See ist hoch mit Schnee bedeckt und wird bei passender Eisdecke geräumt, so dass Schlittschuhläufer hier ihre Bahnen und Runden drehen können.

Um den See herum toben sich die Langläufer aus - von der einfachen Seerunde bis hin zu anspruchsvollen, langen Strecken gibt es alles. „Das System ist wie beim Abfahren: Wir haben blaue, rote und schwarze Loipen. Einfach, mittel und schwer“, sagt die Ex-Profisportlerin.

Gespurt wird immer gleich: Rechts in Fahrtrichtung die klassische Loipe mit zwei tiefen Rillen, links die planierte Skating-Strecke. Auf der 4,7 Kilometer langen WM-Loipe laufen mitunter Profis aus dem österreichischen Team an den Freizeitsportlern vorbei. Insgesamt warten 150 Loipen-Kilometer rund um Saalfelden.

Ein Finne mit schlecht gewachsten Skiern

Wer sich mit Andrea Grossegger in die Anlage wagt, der lernt jede Menge über das Langlaufen. Über Gefühl und Rhythmus, über Ausdauer und Beweglichkeit und über den Sport im Allgemeinen. Denn sie hat die komplette Entwicklung miterlebt.

Sie ist auf langen Holzbrettern in der klassischen Spur gestartet, Anfang der 1980er Jahre. Dann kam der Finne Pauli Siitonen, der bei einem Wettbewerb immer einen Ski aus der Spur hob und eine Art Schlittschuhschritt machte. Eigentlich aus Verlegenheit, seine Ski waren schlecht gewachst. „Doch er merkte, dass er damit viel schneller war als die anderen“, erzählt Grossegger.

Beim Freistil brauchen Langläufer keine Spuren. Sie machen mit den Skiern eine Art Schlittschuhschritt. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn
Beim Freistil brauchen Langläufer keine Spuren. Sie machen mit den Skiern eine Art Schlittschuhschritt. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn

Also wurde aus diesem „Skating“ mit der Zeit ein eigener Stil, der heute Standard ist beim Biathlon - und auch eine eigene Disziplin im Langlauf. „Aber wir beginnen mit unseren Anfängern immer mit dem klassischen Stil“, erklärt Grossegger. Dieser sei der natürlichen Bewegung recht ähnlich und weniger anstrengend.

Manche Gäste sind geübt im Nordic Walking, und dieser Bewegungsablauf kommt ihnen beim Langlauf zugute. Ein paar Meter lang schaut die Lehrerin bei den ersten Gehversuchen im Schnee zu - dann heißt es: raus aus der Loipe. Zeit für eine gründliche Technikeinheit.

Langlauf ist eine wacklige Angelegenheit

Die langen Stöcke sollen zwar Halt geben, doch Langlaufskier sind schmal und haben keine Kanten. Eine wackelige Angelegenheit ist das außerhalb der gespurten Loipe. Nun also: vor- und zurückrutschen, bis große Ausfallschritte mit den Brettern gelingen. Grossegger lacht und sagt: „Das kann morgen vielleicht ein bisschen in der Leiste ziehen.“

Auch das Drehen auf den Skiern will geübt sein - denn zu glauben, dass man sich auf Langlaufskiern und mit den flexibleren Schuhen besser bewegen kann als mit Abfahrtsskiern, ist ein Trugschluss.

Vor der Kulisse des Steinernen Meers drehen Langläuferinnen und Langläufer in Saalfelden ihre Runden. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn
Vor der Kulisse des Steinernen Meers drehen Langläuferinnen und Langläufer in Saalfelden ihre Runden. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn

Sitzen die Bewegungen, geht es zurück in die Loipe - jedoch ohne Stöcke, die vermeintlich Sicherheit bieten. Etwa in der Mitte haben viele Langlaufski sogenannte Schuppen. Diese helfen beim Vorwärtskommen im Schnee. Das bemerkt man, sobald man ohne Hilfe der Arme unterwegs ist und Rhythmus in den Abdruck im Schnee bringen muss, um Strecke zu machen. Die Stockbewegung kommt später recht automatisch. Grossegger fährt nebenher - und motiviert: „Wir schauen immer nach vorn und laufen mit einem Liedchen auf den Lippen.“

Singen bringt Anfänger in den richtigen Takt

Das macht vor allem Kindern Spaß, die sich auf den schmalen Brettern ausprobieren - und sich nebenbei an den Text von „Hänschen klein“ erinnern müssen. Das Singen hilft, im Takt einen Fuß vor den anderen zu setzen und die Atmung zu kontrollieren.

Langlaufen ist anstrengend. Das merkt man besonders, wenn man die frostigen Temperaturen in der Loipe nicht gewohnt ist und die eisige Luft ganz tief in die Lungen saugen will. Doch das Tempo kann jeder Läufer selbst bestimmen - schließlich soll auch noch genug Zeit bleiben, um die Landschaft zu genießen.

Weitere Informationen zu Saalfelden

  • Reiseziel:

    Saalfelden am Steinernen Meer liegt im Pinzgau im österreichischen Bundesland Salzburg. Wer nicht zum nordischen Skifahren in die Region kommt, kann in das alpine Gebiet Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn einsteigen.

  • Anreise:

    Nach Saalfelden kommt man ohne Vignette für Österreichs Autobahnen. Auf der deutschen A 8 und der A 93 bis Oberaudorf, dann über Niederndorf, Walchsee, Kössen, Waidring und Lofer nach Saalfelden. Alternativ die A 8 bei Traunstein/Siegsdorf verlassen und dann über Lofer nach Saalfelden fahren. Saalfelden hat einen Bahnhof. Nächstgelegene Flughäfen sind München, Salzburg und Innsbruck.

  • Informationen:

    Saalfelden Leogang Touristik, Mittergasse 21a, A-5760 Saalfelden, +43 6582 70660, E-Mail: info@saalfelden-leogang.at, www.saalfelden-leogang.com/de.

In Saalfelden hat Langlauf Tradition. Hierher kommen viele junge Wintersportler, die in den Nachwuchskadern Österreichs stehen, im Langlauf ebenso wie im Biathlon. Es gibt Schulen, an denen die Kinder sowohl akademisch als auch sportlich ausgebildet werden. Der Nordic Park bietet auch für Freizeitsportler beste Bedingungen zum Üben.

Funpark und Schießtraining im Stadion

Wer der idyllischen Seerunde nichts abgewinnen kann, ist im Fun & Snow Park richtig: Buckel und Bögen, ein gesteckter Slalom, Schanzen. Was manchem Erwachsenen Angst macht, ist für Kinder ein Riesenspaß - „und vermittelt ganz nebenbei ein gutes Gefühl für das Material“, sagt Andrea Grossegger.

Für eine gemütliche Langlauf-Session am Abend ist die Seerunde in Saalfelden im Winter täglich bis 21 Uhr beleuchtet. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn
Für eine gemütliche Langlauf-Session am Abend ist die Seerunde in Saalfelden im Winter täglich bis 21 Uhr beleuchtet. Foto: sportalpen.com/Saalfelden Leogang Touristik/dpa-tmn

Möchte man nicht nur vor dem Fernseher mit Biathleten mitfiebern, kann man sich bei einem Schnupperkurs anmelden und im Langlaufstadion an der Westseite des Sees selbst an der Waffe probieren.

Das Langlaufen am Ritzensee ist eine ausgeruhte Angelegenheit. Weder gilt es, morgens um 8.00 Uhr am Lift zu stehen, noch muss man sich andauernd fröstelnd einen Berg hinaufziehen lassen. Auch gemütliche Abendtouren sind möglich, die Seerunde ist bis 21.00 Uhr beleuchtet.

Die Loipengebühr ist bereits in der Gästekarte des Ortes enthalten. Für den Körper ist der Sport außerdem ein anspruchsvolles Training: „Wir verbrauchen in einer Stunde schließlich mehr Kalorien als ein Alpin-Skifahrer am ganzen Tag“, sagt Andrea Grossegger.

Weitere interessante Tipps, News und Artikel rund ums Thema „Freizeit“ gibt es hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht