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Gesellschaft

So trotzt das Land dem Coronavirus

Konzerte im Internet und Fußballfans, die beim Einkaufen helfen: In der Not entstehen auch Solidarität und gute Ideen.
Von Teresa Dapp und Theresa Münch

Hannover-96-Fan Andre Golinski erledigt den Einkauf für Hilfsbedürftige, die während des Coronavirus die Wohnung nicht verlassen können. In bundesweit über 20 Initiativen bieten Fußball-Fans unter anderem Botengänge oder Einkaufshilfe an.Foto: Peter Steffen/dpa
Hannover-96-Fan Andre Golinski erledigt den Einkauf für Hilfsbedürftige, die während des Coronavirus die Wohnung nicht verlassen können. In bundesweit über 20 Initiativen bieten Fußball-Fans unter anderem Botengänge oder Einkaufshilfe an.Foto: Peter Steffen/dpa

Berlin.Es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland, für den das Leben derzeit ganz normal ist. Die Schulen sind zu, Spielplätze und Läden auch und Essen gibt es nur noch zum Mitnehmen.

Das neuartige Coronavirus verändert fast alles für fast alle, die Sorgen vor einer Wirtschaftskrise, vor Jobverlust und Engpässen wachsen. Doch viele Menschen nehmen die Herausforderung an, bemühen sich in der Krise um Humor - und werden kreativ. Ein Überblick über die Lage in Deutschland:

Schul- und Kitakinder, ihre Lehrer und Eltern

Ein menschenleerer Spielplatz in Magdeburg Foto: Franziska Höhnl/dpa
Ein menschenleerer Spielplatz in Magdeburg Foto: Franziska Höhnl/dpa

Millionen Kinder und Jugendliche gehen nicht mehr wie gewohnt in die Schule oder in die Kita. Ausnahmen gibt es für jüngere Kinder von Eltern, die in kritischen Bereichen arbeiten – etwa als Ärzte oder Pfleger, aber auch in der Energie- oder in der Lebensmittelbranche. Viele Schulen setzen nun auf Online-Plattformen wie etwa Moodle, wo Schüler Aufgaben erhalten und einreichen können. Teils gab es Startschwierigkeiten, weil Server nicht erreichbar waren. Viele Eltern versuchen, die Arbeit im Homeoffice und die Bespaßung der Kleinen unter einen Hut zu bekommen – da dient der Küchentisch schon mal zum Basteln, als Konferenzraum und Kantine gleichzeitig.

Hilfsbereite Nachbarn

In ganz Deutschland sprießen Hilfsangebote aus dem Boden. Da sind Nachbarinnen und Nachbarn, die einfach per Zettel im Treppenhaus anbieten, für Ältere und andere Risikogruppen die Einkäufe zu erledigen. Aber auch Partei-Nachwuchsorganisationen oder Ultra-Fanvereinigungen von Fußballclubs wie Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart organisieren Hilfen: In der Krise gibt es auch viel Solidarität. Auch in unserer Facebook-Gruppe helfen sich die Menschen gegenseitig.

Restaurants

Restaurants müssen ganz geschlossen bleiben. Nur Lieferservices und Gerichte zum Abholen sind noch erlaubt – viele Restaurants stellen um oder verkaufen Gutscheine, um die Einnahme-Lücken wenigstens zu mindern. In unserer Themenwelt „Genuss“ finden Sie viele tolle Ideen und Rezepte zum Nachkochen.

Geschäfte und ihre Kunden

Nur wenige Menschen sind am Mittag in der Bremer Innenstadt unterwegs. Foto: Sina Schuldt/dpa
Nur wenige Menschen sind am Mittag in der Bremer Innenstadt unterwegs. Foto: Sina Schuldt/dpa

Viele Läden sind zu – Supermärkte, Banken, Apotheken, Drogeriemärkte und andere wichtige Orte für Alltagserledigungen bleiben aber offen. Profitieren dürfte der Onlinehandel. Der weltgrößte Online-Händler Amazon gibt auch in Deutschland vorübergehend Lieferungen von Medikamenten und unerlässlichen Haushaltsgütern Vorrang – wer Bücher oder Spiele gegen die Langeweile bestellt, muss möglicherweise warten. Manche Läden vor Ort können die plötzliche Zeit auch nutzen. „Wir machen Inventur und räumen gründlich auf, wir haben genug zu tun“, sagte der Chef eines Berliner Spieleladens. Für die Mitarbeiter gelte allerdings Kurzarbeit.

Sportfreunde

Auch Fitnessstudios und Sportstätten sind dicht. Studioketten versorgen ihre Kunden mit Tipps und Video-Anleitungen für das Training in den eigenen vier Wänden. Wo das Wetter frühlingshaft ist, setzen viele aufs Joggen, Fahrradfahren oder zumindest Spazierengehen an der frischen Luft – jedenfalls diejenigen, die noch vor die Tür dürfen. Auch Wander- und Radwege sind offen, die Spielplätze in Parks allerdings nicht mehr. Allen, die in Quarantäne sind, bleibt Wohnzimmer-Sport – aber warum nicht im Videochat auch mit Freunden?

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Profisport

Die Fußball-Bundesliga ist dicht und die Europameisterschaft auf das kommende Jahr verschoben. Die Profis trainieren trotzdem weiter – allerdings bei vielen Vereinen in Heimarbeit. Der FC Bayern München schickte Spielern dafür sogar Fahrradergometer nach Hause. Torjäger Robert Lewandowski veröffentlichte ein Foto aus dem Kraftraum – bei Liegestützen liegt ihm Tochter Klara als Extragewicht auf dem Rücken.

Kulturliebhaber

Konzertsäle, Theater, Kinos – alles dicht. Bleibt nur Filme schauen oder Bücher lesen? Von wegen – viele Konzerte werden live ins Internet übertragen, Theater-, Ballett- und Opernvorstellungen online gestellt. Der Pianist Igor Levit überträgt Hauskonzerte aus seinem Wohnzimmer live auf Twitter und Instagram. Die Berliner Clubszene will jeden Abend DJ-Sets live übertragen – betont aber, das sei kein Aufruf, privat Partys zu veranstalten. Satiriker Jan Böhmermann und Entertainer Olli Schulz reagieren mit einem „Quarantäne-Sondersendeplan“ und senden ihren Podcast „Fest & Flauschig“ nun fünfmal in der Woche.

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Offenbar nutzen viele Menschen die Zeit in den eigenen vier Wänden zum Entrümpeln – vermutet jedenfalls der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). „Die Recyclinghöfe haben seit etwa 14. März verstärktes Besucheraufkommen verzeichnet“, sagt ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die kommunalen Entsorger bitten darum, diese Arbeiten auf einen späteren Zeitpunkt zu verlagern – noch sei die Personaldecke nicht stark eingeschränkt durch Erkrankungen oder Quarantäne, das könne sich aber ändern.

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