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Wintersport

Abseits der Piste – aber sicher

Das Pillerseetal erlebt einen Aufschwung. Besonders Freerider kommen in den Kitzbüheler Alpen auf ihre Kosten.
Von Simone Grebler

Die Weltelite der Freerider trifft sich jedes Jahr in Fieberbrunn. Ein Spektakel auch für die Zuschauer, die hier besonders gute Sicht auf die Hänge haben. Foto: Carlier D./Freeride World Tour
Die Weltelite der Freerider trifft sich jedes Jahr in Fieberbrunn. Ein Spektakel auch für die Zuschauer, die hier besonders gute Sicht auf die Hänge haben. Foto: Carlier D./Freeride World Tour

Fieberbrunn.Mehr Pistenkilometer, mehr Hotelbetten, mehr Touristen – für Fieberbrunn geht es steil nach oben. „Vom bestversteckten Skigebiet in die Champions League“, so bezeichnet es Bettina Geisl, Obfrau des Tourismusverbands Pillerseetal. Das Pillerseetal, für manche vielleicht noch kein fester Begriff, umfasst neben Fieberbrunn die Orte Hochfilzen, St. Jakob in Haus, St. Ulrich am Pillersee und Waidring. Mitten in den Kitzbüheler Alpen kommen hier Wintersportfans auf ihre Kosten.

In der Saison 2015/2016 schlossen sich die Skigebiete Saalbach-Hinterglemm und Leogang mit Fieberbrunn zusammen. Das kostete rund 20 Millionen Euro. Doch ab diesem Zeitpunkt gehörte der beschauliche Ort mit gerade einmal 4200 Einwohnern zu einem der größten Skigebiete der Welt.

Bettina Geisl ist seit acht Jahren Obfrau des Tourismusverbands Pillerseetal. Foto: Grebler
Bettina Geisl ist seit acht Jahren Obfrau des Tourismusverbands Pillerseetal. Foto: Grebler

270 Pistenkilometer können die Brettlfans im Skicircus abfahren. Für den Tourismus habe sich viel Potential ergeben, sagt Geisl, die den Zusammenschluss damals begleitet hat. Die Übernachtungszahlen in der Region sind seitdem um 17 Prozent gestiegen. 12 000 Betten stehen für die Gäste bereit, vom einfachen Selbstversorger-Appartement bis zum Fünf-Sterne-Haus. Wobei es an Qualitätshäusern noch mangelt, meint Geisl.

In dem einstigen Bergbaudorf stehen noch einige alte Hotels, auch ein, zwei „Schandflecke“ seien darunter. Diese Betriebe werden von der jüngeren Generation nicht weitergeführt und verfallen nun. Doch das seien nur Einzelfälle. Wie die meisten anderen hat auch Geisl ihr Hotel modernisiert. Vor kurzem hat erst das Vier-Sterne-Haus Vaya Fieberbrunn eröffnet, bald kommt noch das luxuriöse „Kristall Spaces“ dazu.

Mit langen Latten im Gebirge

Besonders Familien kommen im Pillerseetal auf ihre Kosten.  Foto: Grebler
Besonders Familien kommen im Pillerseetal auf ihre Kosten. Foto: Grebler

Neben dem riesigen Skicircus locken auch die Skigebiete Steinplatte in Waidring und die Buchensteinwand. Dort kommen besonders Anfänger und Familien auf ihre Kosten. Und wer sich lieber abseits der Pisten tummelt, ist hier sowieso im Eldorado. Denn das Freeriden habe man hier zwar nicht erfunden, doch hier seien die Einheimischen schon mit den langen Latten ins Gebirge, längst bevor es Lifte gab.

Markus „Kogs“ Kogler ist nicht ganz unschuldig an der Popularität des Freeridens in Fieberbrunn. Er brachte die Freeride World Tour im Jahr 2010 ins Pillerseetal. „Piste kann jeder“, sagt der Lawinenexperte, mahnt aber auch dazu, die Gefahren richtig einzuschätzen. Anfänger sollten nur mit Führern ins Gelände und die Faktoren wie Hangneigung, Neuschneemenge und Temperaturen richtig einschätzen lernen.

Unter all den roten Gondeln an der Steinplatte gibt es auch eine goldene Gondel, die zu Ehren von Olympiasiegerin Rosi Mittermaier die Skifahrer auf die Winklmoos-Alm befördert. Foto: Grebler
Unter all den roten Gondeln an der Steinplatte gibt es auch eine goldene Gondel, die zu Ehren von Olympiasiegerin Rosi Mittermaier die Skifahrer auf die Winklmoos-Alm befördert. Foto: Grebler

Denn das Pillerseetal gilt nicht umsonst als Schneeloch Tirols. Skitourismusforscher Günther Aigner hat die Schnee-Messreihen der vergangenen 30 Jahre ausgewertet. Er identifizierte das Pillerseetal als Spitzenreiter in ganz Tirol. In Hochfilzen berechnete Aigner eine durchschnittlich kumulierte Neuschneemenge von 6,71 Metern pro Winter. Beste Voraussetzungen also für Weltklasse-Biathlon, der hier jedes Jahr im Dezember zu sehen ist.

Aber auch Skifahrer und Boarder, die gerne gemütlich oder sportlich die Hänge hinunterwedeln, können sich über ausreichend Naturschnee freuen. Für die Gastgeber birgt der viele Schnee aber ganz andere Probleme.

Wenn sich der Schnee türmt

Ein Kaiserschmarrn gehört im Österreich-Urlaub einfach dazu. Besonders lecker schmeckter er im Wildalpgatterl. Foto: Grebler
Ein Kaiserschmarrn gehört im Österreich-Urlaub einfach dazu. Besonders lecker schmeckter er im Wildalpgatterl. Foto: Grebler

„Wir hatten heuer keine große Stornowelle, aber bei einem Bekannten hat eine ganze Gruppe abgesagt“, erzählt Geisl. Im zweiten Januar-Wochenende dieses Jahres wurden einige Orte zum Katastrophengebiet erklärt, von Reisen in die Alpen wurde teilweise gar abgeraten. Das habe die Urlauber verunsichert. Dabei sei man hier vor Ort gut für diese Bedingungen gerüstet. Auch wenn sich auf den Dächern meterhoch der Schnee türmt, diese halten der Belastung stand. Wo Gefahr besteht, werden die Dächer abgeschöpft. „Ich freue mich, dass wir den Schnee wie früher haben. Das ist eine echte Winterlandschaft“, sagt Geisl. Ihre Gäste genießen die breite Auswahl in der Region. Abseits des Après-Ski-Circus in Saalbach-Hinterglemm finden die Urlauber hier eher Ruhe und Entspannung und vor allem viel Schnee.

Ein Skipass für 23 Skigebiete

  • Anreise:

    Ab München über die A8 und die A12 bis Kufstein-Süd. Weiter über die B173, B178 und B164 nach Fieberbrunn, rund drei Stunden Fahrzeit.

  • Gastro-Tipp:

    Der Almgasthof Wildalpgatterl liegt auf 1300 Metern. Hier kann man Tiroler Leckereien genießen und Hirsche im Wildgehege beobachten.

  • Skipass:

    Super Ski Card Kitzbüheler Alpen, fünf Tage 251 Euro, Kinder 125 Euro, Jugendliche 188 Euro. Mehr Infos unter www.kitzbueheler-alpen.com

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