MyMz

Bergwelt

Alpenverein Regensburg baut Hütte aus

3,2-Millionen-Euro-Projekt startet: Die DAV-Sektion Regensburg nimmt im Stubaital einen Um- und Anbau in Angriff.
Von Stefan Gruber

Gleich neben der Neuen Regensburger Hütte soll in diesem Sommer ein Anbau entstehen. Die Animation zeigt den Blick vom Hohen Moos aus, von hier aus gesehen steht der neue Trakt links von der Hütte.Animation: Alpenverein Regensburg
Gleich neben der Neuen Regensburger Hütte soll in diesem Sommer ein Anbau entstehen. Die Animation zeigt den Blick vom Hohen Moos aus, von hier aus gesehen steht der neue Trakt links von der Hütte.Animation: Alpenverein Regensburg

Regensburg.Die Neue Regensburger Hütte soll attraktiver werden. Nach langen und zum Teil mühevollen Jahren der Vorbereitung wird die Sektion Regensburg des Deutschen Alpenvereins (DAV) das 3,2-Millionen-Euro-Projekt im Tiroler Stubaital im Juni starten. „Wenn wir im Sommer entsprechend Glück mit dem Wetter haben, könnten die Arbeiten bereits im Spätherbst weitgehend abgeschlossen sein“, erklärt Hüttenreferent Franz Schon im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Trotz ihres Namens ist die Hütte in die Jahre gekommen. Neu ist sie längst nicht mehr. 1930 wurde sie von der Sektion in 2286 Metern Höhe auf einem Plateau in den Stubaier Alpen erbaut, nachdem die „alte“ Regensburger Hütte im Südtiroler Grödnertal 1921 infolge des Ersten Weltkriegs von Italien beschlagnahmt und der Sektion Florenz des Club Alpino Italiano (CAI) zugewiesen worden war. Seit mittlerweile rund 15 Jahren trägt sich der Regensburger Alpenverein mit dem Plan, die beliebte Bergsteigerunterkunft hoch über Falbeson zu erneuern.

Naturschutz stellte sich quer

So präsentiert sich das Haus aktuell beim Aufstieg. Links stürzt der Wasserfall Richtung Ochsenalm. Foto: Unger
So präsentiert sich das Haus aktuell beim Aufstieg. Links stürzt der Wasserfall Richtung Ochsenalm. Foto: Unger

Zunächst zog die Sektion, die mittlerweile über mehr als 17 000 Mitglieder verfügt, den Bau der Kletterhalle in Kareth vor. Vor sieben Jahren haben Franz Schon und sein Stellvertreter Andreas Schöbel dann einen neuen Vorstoß gestartet – erstmal ohne großen Erfolg. Der Tiroler Naturschutz stellte sich quer. An der Positionierung des geplanten Ersatzbaus schieden sich die Geister. Für die DAV-Sektion begann ein Hürdenlauf durch den Behördendschungel. Etliche Umplanungen waren erforderlich, neue Genehmigungen mussten eingeholt werden, die Bezirkshauptmannschaft wurde eingeschaltet. Auch der Denkmalschutz hatte ein Wörtchen mitzureden. Schließlich darf in den aktuellen Gebäudebestand nur moderat eingegriffen werden. Die Behörde schlug sich auf die Seite des DAV und votierte für den Anbau auf der (von vorne betrachtet) rechten Seite der jetzigen Hütte. Ein Gericht hatte schließlich das letzte Wort und entschied zugunsten der Sektion.

„Mit dem Umbau der alten Materialseilbahn haben wir bereits begonnen.“

Franz Schon, Hüttenreferent

Die Grundsteinlegung musste dennoch warten. Denn nun stellte sich heraus, dass keine Genehmigung für die rund 1000 geplanten Hubschrauberflüge vorlag, die für den Transport der Maschinen und des Baumaterials erforderlich sind. Alles Geschichte, jetzt kann es endlich losgehen. Am 25. Juni erfolgt der lang ersehnte Spatenstich.

„Mit dem Umbau der alten Materialseilbahn haben wir bereits begonnen“, berichtet Franz Schon. „Die neue Talstation ist weitgehend fertig.“ Ihr Pendant am Berg soll möglichst schnell folgen und rückt näher an die Hütte ran. „Das erleichtert nicht nur die Versorgung des Hauses mit Lebensmitteln und Getränken“, sagt Schon. „Auch Wanderer, die ihre Rucksäcke transportieren lassen, können die nun schneller in Empfang nehmen.“

Der knapp dreistündige Fußmarsch zur Neuen Regensburger Hütte macht hungrig. Martina und Herbert Ofer, die beiden Pächter des Hauses, hatten für diesen Fall auch bislang schon kalorienhaltige Abhilfe parat, doch künftig soll das kulinarische Angebot noch zusätzlich gewinnen. Die Küche wird nicht nur verlegt, sondern auch grundlegend erneuert. Vier Gasträume und eine erweiterte Terrasse sollen die Bergsteiger nach dem Umbau zur entspannten Stärkung einladen.

Die neue Regensburger Hütte

  • Anfahrt:

    Das Stubaital ist am schnellsten über München, Kufstein und die Inntalautobahn (bis zur Ausfahrt Stubaital) erreichbar. Bahnreisende haben von Innsbruck einen Busanschluss ins Stubaital. Ausgangspunkt für den Anstieg ist der Parkplatz in Falbeson bei Klausäuele (kostenpflichtig).

  • Aufstieg:

    Der Weg zur Hütte ist 4,3 Kilometer lang und überwindet knapp 1100 Höhenmeter. Als Gehzeit können 2,5 bis 3 Stunden kalkuliert werden.

  • Übernachtung:

    Aufgrund der Bauarbeiten stehen im Sommer etwas weniger Schlafplätze zur Verfügung.

  • Preise:

    Die Kosten für eine Übernachtung bewegen sich aktuell zwischen 10 Euro (Lager für Mitglieder) und 35 Euro (Zwei-Bett-Zimmer für Nichtmitglieder).

  • Infos:

    www.regensburgerhuette.at

Ihre Lage an den drei Fernwanderrouten Stubaier Höhenweg, Wilde-Wasser-Weg und Adlerweg macht die Neue Regensburger Hütte traditionell für Übernachtungsgäste interessant. „Sie erwartet künftig mehr Komfort“, freut sich Franz Schon und schränkt übertriebene Euphorie mit einem Schmunzeln ein: „Ein Vier-Stern-Hotel werden wir aber nicht bauen.“ Immerhin: Die Zahl der beliebten Zwei- und Mehrbettzimmer steigt, nur mehr etwa ein Drittel der angebotenen 101 Schlafplätze wird aus Lagern bestehen. Doch auch die werden bequemer. Deren Breite steigt von 55 auf 75 Zentimeter. Zudem werden der Sanitärbereich saniert und der Brandschutz den aktuellen Erfordernissen angepasst.

Toller Ausblick vom Waschraum

Gleich neben dem Hauptgebäude wird die Neue Regensburger Hütte einen modernen Anbau erhalten, der über einen wettergeschützten Gang erreichbar ist. Der dreigeschossige Holzbau bietet in den oberen Stockwerken Zwei- und Vierbettzimmer, „dazu Wasch- und Duschräume mit dem wohl schönsten Ausblick der Alpen“, schwärmt Schon. Im Erdgeschoss sind Personalzimmer und ein Seminarraum geplant. „Damit wollen wir die Auslastung des Hauses in der Vor- und Nachsaison erhöhen“, sagt Schon.

Zwischen 3500 und 4500 Bergsteiger und Kletterer haben bislang im Jahresschnitt die Neue Regensburger Hütte besucht. Während die Fernwanderer „auf Durchreise“ sind, schätzen viele Gäste, die mehrere Tage bleiben, den Standort als Ausgangspunkt für eine Tour zur Kreuzspitze, einen Abstecher zum Wasserfall über der Ochsenalm oder zum schweißtreibenden Training im nahen Klettergarten. Einzigartig ist das Moorgebiet Hohe Moos, das sich gleich hinter der Hütte erstreckt. Und an heißen Sommertagen sollen sogar schon Badende im kleinen See gesichtet worden sein.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht