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Tirol

Der Langlaufsport wird immer jünger

Seefeld erlebt den Alterswandel. Vor allem Skating findet immer mehr Anhänger. 500 000 Euro werden pro Saison in die Loipenpflege investiert.
Von Jürgen Ziereis, MZ

Der ehemalige Olympiateilnehmer Martin Tauber registriert auf den Loipen rund um Seefeld einen Boom. Vor allem junges Publikum zieht es immer häufiger hin zum Langlauf. Foto: Tauber

Seefeld.Schon als kleiner Knirps hat Martin Tauber den Spaß am Langlauf entdeckt. Wenn auch auf ganz unübliche Weise, wie er schmunzelnd erzählt: „Ich bin direkt neben der Loipe aufgewachsen. Dort haben wir als Kinder mit Schneebällen nach den Langläufern geworfen.“ Die sind damals noch in Knickerbocker-Hosen durch die Gegend gelaufen. Doch diese Spezies sieht man heute nur noch selten, weder in der Tiroler Langlauf-Hochburg Seefeld noch in anderen Loipenparadiesen.

„Der Langlauf ist zum Volkssport geworden“, sagt der Seefelder Olympionike. 2006 war Martin Tauber bei den Winterspielen in Turin am Start. Heute betreibt er eine Langlauf-Rennschule in Seefeld, die „Cross Country Academy“. In den fünf Jahren ihres Bestehens hat Taubers Skischule mit inzwischen mehr als 20 Skilehrern einen gewaltigen Zuspruch erfahren, wie der 37-Jährige erzählt. „Wir haben viel der Fitness-Szene zu verdanken. Am Anfang bin ich mit meiner Idee alleine da gestanden. Aber ich habe mich nicht von Weg abbringen lassen und mich etwas getraut.“ Getraut, vor allem neue, jüngere Gäste anzusprechen, die gemeinhin nicht als die Prototypen des Langläufers galten.

Vor allem das Skaten ist beliebt

Doch das verstaubte Image des Langlaufens ist längst Schnee von gestern, weiß auch Bernadette Stauder vom Tourismusbüro Seefeld. „Der Langlauf-Boom ist da, speziell beim Skating. Die Sportart erlebt gerade einen Alterswandel. Das liegt sich auch am Gesundheitsaspekt, weil Langlaufen erwiesenermaßen eine der gesündesten Sportarten ist.“

Der Deutsche ist immer noch der wichtigste Kunde in Martin Taubers Langlaufschule. „Deutschland wird immer die Nummer eins sein. Dazu gesellt sich der Schweizer Gast, der Italiener sowieso. Immer mehr kommen auch aus Osteuropa“, erzählt Tauber. Alle lockt vor allem eines in die Olympiaregion Seefeld, zu der seit 2003 auch das benachbarte Leutaschtal gehört: Ein Loipennetz, das seinesgleichen sucht. Mit 279 Kilometern wirbt die Olympiaregion, die ihren Namen den Olympischen Winterspielen 1964 und 1976 in Innsbruck zu verdanken hat. Die nordischen Bewerbe wurden in der Region Seefeld ausgetragen, übrigens auch vor zwei Jahren bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck.

Von diesen Großereignissen profitiert die Region bis heute – und damit auch der Hobbyläufer. „Olympia 1976 war der Knackpunkt“, erzählt Bernadette Stauder. „Seitdem wurden immer mehr Loipen geschaffen. Wir haben eine nordische Kompetenz erreicht, investieren pro Saison eine halbe Million Euro in die Loipenpflege. Und unser Bürgermeister bemüht sich, wieder eine WM zu kriegen.“

Touristen und Athleten in der Loipe

Martin Tauber ist da zwar skeptisch, weil eine Bewerbung viel Geld verschlinge. Doch Weltklasse-Athleten aus dem nordischen Skisport – Langläufer, Biathleten, Kombinierer - sieht man in Seefeld immer wieder beim Training. Der Spitzensportler gehört genauso zur Zielgruppe wie der Wintersport-Tourist – für Tauber kein Widerspruch. „Es ist genügend Platz für alle da. Und viele Touristen freuen sich, wenn sie einem Weltcup-Athleten in der Loipe begegnen.“ Oder einem Politiker: Der deutsche Ex-Arbeitsminister Olaf Scholz, inzwischen Erster Bürgermeister von Hamburg, hat sich einst von Tauber das Langlaufen beibringen lassen. Auch für einen wie Tauber nicht alltäglich: „Du lernst nicht jeden Tag einem Minister das Langlaufen.“

Weitere Infos unter www.seefeld.com

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