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Kärnten

Katschberg: Logenplatz mit Herzgalerie

Der Katschberg punktet mit Panoramapisten. Hier gibt es auch das höchstgelegene Standesamt Österreichs.
Von Stefan Gruber

Von der Gamskogelhütte öffnet sich der Blick über die Katschberghöhe sowie die Pisten am Tschaneck und am Aineck. Foto: Stefan Gruber
Von der Gamskogelhütte öffnet sich der Blick über die Katschberghöhe sowie die Pisten am Tschaneck und am Aineck. Foto: Stefan Gruber

Katschberg.Brigitte und Rafael haben es getan, Christa und Markus auch, Ines und Matthias wagten den Schritt ebenfalls. Die feurig-rot lackierten Holzherzen mit den Namen der Brautpaare reihen sich am Bretterzaun um die Marienkapelle. „So um die 350 dürften es jetzt sein“, schätzt Peter Aschbacher und schmunzelt. „Für dieses Jahr wird der Platz noch reichen, dann müssen wir uns was überlegen.“

Die Herzerlgalerie ist der Hingucker an der Gamskogelpiste, der geschnitzte Wurzelsepp mit seinem Alphorn gleich nebenan ebenfalls. Immer wieder setzen Skifahrer einen abrupten Bremsschwung und rätseln. Aschbacher kennt die Lösung. Vor acht Jahren hatte der Wirt der nahen Gamskogelhütte die Idee, hier am Tschaneck Österreichs höchstgelegenes Standesamt zu installieren.

Grenze quer durch die Gaststube

Von den rund 60 Paaren, die sich hier im Sommer das Ja-Wort geben, lockt die einen der Superlativ, die anderen kommen wegen der ungewöhnlichen „Qual der Wahl“. „Jedes Paar kann sich entscheiden, ob es lieber in Kärnten oder im Salzburger Land heiratet“, erklärt der findige Gastronom und verweist auf die rot-weiß-roten Wimpel, die sich quer durch seine Gaststube ziehen. Sie markieren die Grenze zwischen den beiden österreichischen Bundesländern. Im Hochzeitszimmer im ersten Stock wird kurzerhand der Tisch ins passende Bundesland gerückt, der Standesbeamte kommt mal aus Tamsweg im salzburgischen Lungau, mal aus Rennweg auf der Kärntner Seite des Katschbergpasses.

Österreichs höchstgelegenes Standesamt

Dessen Skigebiet hat – für österreichische Verhältnisse – eine noch relativ junge Geschichte. Gut 60 Jahre sind es jetzt her, dass Hias Bogensperger, ein Sägewerksbesitzer aus Tamsweg, auf seinen Fahrten über den Pass gelegentlich Kinder samt Schlitten mitnahm. Schon bald erkannte er das Potenzial des 2030 Meter hohen Tschanecks für den Wintersport, 1956 entstand der erste Lift.

Im Lauf der Zeit wurde auch die andere Seite der Katschberghöhe rund um das Aineck erschlossen, das mit der knapp sechs Kilometer langen Piste A 1 die längste Abfahrt Kärntens aufweist. Allein der Rückweg von St. Margarethen hinauf Richtung Gipfel war mühsam. Seit diesem Winter ersetzt der neue Silverjet mit seinem bequemen Achtergondeln den bisherigen Dreiersessel.

Am Katschberg gibt es Österreichs höchstgelegenes Standesamt. Video: MZ

Die Paradepiste am „Katschi“ hat damit enorm an Attraktivität gewonnen. In weiten Schwüngen genießen wir die herrlich breite A 1, alle 500 Meter weist eine Infotafel am Pistenrand auf die Länge des noch verbleibenden „Schivergnügens“ hin. Zu dem passt auch das Panorama. Vor der Gipfelkette der Hohen Tauern schmiegt sich das Tal der Mur an die waldreichen Hänge. Nebelduscher nennen die Kärntner etwas spöttelnd ihre Nachbarn im Lungau.

Tirol

Skihütten-Gaudi rund um die Hohe Salve

An der Seite erfahrener Guides geht es erst über die schönsten Pisten und dann zum Einkehrschwung mit Live-Musik.

Zumindest die 25 Einwohner von Katschberghöhe, das mit seinen Hotels an der Piste als eines der wenigen Ski-in-Ski-out-Resorts Österreichs gilt, haben leicht lachen. Als Logenplatz auf der Alpensüdseite hat sich der kleine Ort angesichts seiner aussichtsreichen Lage längst einen Ruf gemacht. Und als Familiengebiet. Vor allem Katschis Kinderwelt unweit der Tschaneckbahn lässt mit ihren riesigen knallbunten Tierfiguren die Herzen der kleinen Brettlrutscher höherschlagen.

Allerdings: Familien gelten nicht mehr automatisch als Zukunft des weißen Sports. „Wir müssen uns künftig auch an den Bedürfnissen der Singles und Paare orientieren“, sagt Peter Aschbacher. Ein Snowpark – den sucht man bislang vergeblich – zum Beispiel könnte junges Publikum anziehen.

1000 neue Gästebetten geplant

Auch in punkto Hotelstruktur sei noch Luft nach oben. Bergbahnchef Josef Bogensperger jun. pflichtet da bei. „Etwa 3000 Gästebetten haben wir jetzt, 5000 würde das Skigebiet vertragen.“ Ein Plus von 1000 soll in den nächsten 10 bis 15 Jahre realisiert werden – und neues Publikum anlocken.

In Sachen Après Ski hat am Katschberg die neue Zeitrechnung schon begonnen. Mit Ischgl oder Sölden ist das Angebot zwar nicht vergleichbar, wer den Skitag mit Party ausklingen lassen will, findet im Lärchenstadl und der Wildereralm aber passende Locations. Und natürlich im Stamperl. Christoph Hofmayer serviert hier zu Pizza, Pasta, Burger und Livemusik seine drei Craftbeer-Sorten Mountainstoff, Werwolf und Ackergaul.

Katschberg

  • Anfahrt:

    Über die Tauernautobahn bis zur Ausfahrt St. Michael, dann die Passstraße zum Katschberg

  • Skigebiet:

    16 Liftanlagen erschließen 70 Pistenkilometer, die zu 100 Prozent auch künstlich beschneit werden können. Pro Lift gibt es mindestens zwei Abfahrten.

  • Skipass:

    Sechs Tage (inkl. Fanningberg und Speiereck) 238,50 Euro, (Jugend 180,50, Kinder 119,50)

  • www.katschi.at

Rund 30 000 Liter Gerstensaft reifen in den Sudkesseln im Stamperl pro Jahr und werden auch gleich vor Ort getrunken. „Der helle Mountainstoff kommt am besten an“, erzählt der Geschäftsführer der Kneipe. Besonders stolz ist er auf einen Superlativ. „Wir dürfen das Katschbeer als das höchste in Österreich produzierte Bier bezeichnen.“

Und wer weiß: Vielleicht kommen sich beim malzigen Genuss im Stamperl auch einmal Paare so nahe, dass sie sich für das höchste Standesamt entscheiden. Noch ist in der Herzerlgalerie an der Marienkapelle ja Platz.

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