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Steiermark

Unter Zirben über die Kogel stapfen

Zwischen Seckauer und Seetaler Alpen läuft das größte Schneeschuh-Festival Österreichs. Die Region ist noch ein Geheimtipp.
Von Michael Jaumann

Als Paradies für Schneeschuhwanderer gelten die Gipfel ums Murtal. Die vielen Kogel haben genau die richtige Steigung. Foto: Jaumann
Als Paradies für Schneeschuhwanderer gelten die Gipfel ums Murtal. Die vielen Kogel haben genau die richtige Steigung. Foto: Jaumann

Judenburg.Die Region Murtal gilt den Einheimischen als Schneeschuhparadies: Das Land der sanften Gipfel, hier gerne Kogel genannt, weist keine Steilhänge auf und kennt nur eine geringe Lawinengefahr. Also eine ideale Voraussetzung für den Schneeschuhwanderer, auf eigene Faust ins Gelände zu stapfen: Zur Sabathyhütte unter dem Zirbitzkogel etwa oder am Gaberl von der Sommerweide der Lipizzaner aus auf den Speikkogel zu.

Den Zirbitzkogel (2396 Meter) darf man sich gern für später aufheben. Foto. Jaumann
Den Zirbitzkogel (2396 Meter) darf man sich gern für später aufheben. Foto. Jaumann

Wie es bei Paradiesen so ist, sie liegen gerne versteckt. Spielberg in der Steiermark, mitten in der Region Murtal gelegen, kennen immerhin die Motorsportfans wegen des Red Bull Rings. Und von Obdach, nahe der Bezirkshauptstadt Judenburg, weiß vielleicht der eine oder andere Hardcore-Skifan, dass dort Rennläuferin Renate Götschl aufgewachsen ist.

Die Leichtigkeit der Kindheit

Silvia Sarcletti und Elisabeth Zienitzer haben sich vorgenommen, die Region Murtal als Schneeschuhparadies bekanntzumachen. Und sie sind auf einem guten Weg. Die beiden Murtalerinnen führen nicht nur Bergwanderer und Schneeschuhwanderer durch die Natur der Steiermark. Sie haben auch den Schneeschuhwanderführer Steiermark geschrieben, der ihnen förmlich aus den Händen gerissen wurde. Nach drei Monaten waren schon 2500 Stück verkauft.

Silvia Sarcletti hat mit Elisabeth Zienitzer den Schneeschuhführer über die Steiermark geschrieben. Foto. Jaumann
Silvia Sarcletti hat mit Elisabeth Zienitzer den Schneeschuhführer über die Steiermark geschrieben. Foto. Jaumann

Die beiden Frauen sind absolute Fans des Schneeschuhwanderns. „Die absolute Leichtigkeit der Bewegung erinnert an die Kindheit“ behauptet Geografin Zienitzer und beteuert fröhlich „Schneeschuhwandern is a Gaudi“. Und ihre Partnerin Sarcletti ergänzt: „Schneeschuhwandern kann jeder, der gehen kann.“

„Wenn man eine Landschaft erwandern kann, dann geht einem das Herz auf.“

Elisabeth Zienitzer

Anstrengend ist die ungewohnte Bewegung auf den Hartplastikschalen natürlich durchaus, „Aber auch Wandern ist anstrengend“, relativiert Wanderführerin Sarcletti die Anforderung des Trendsports an die Kondition.

Ihre Überzeugung, „wenn man eine Landschaft erwandern kann, dann geht einem das Herz auf,“ stellt Elisabeth Zienitzer mit ihrer Kollegin Sarcletti beim „größten Schneeschuhfestival Österreichs“ unter Beweis. Das Festival, das 2018 gestartet wurde und vom 18. bis 27. Januar 2019 seine Neuauflage erfährt (www.aufschneeschuhwandern.at), spannt mit über 30 Veranstaltungen eine ganze Region im Zeichen des Schneeschuhs zusammen.

Großes Interesse am Trendsport

Die Verantwortlichen von Steiermark Tourismus haben sofort erkannt, welches Potenzial das Schneeschuhfestival erschließt, ohne dass groß in neue Infrastruktur investiert werden muss. Als „große Gruppe mit Interesse an ruhigem Naturerlebnis“ charakterisiert Erich Neuhold, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus die winterlichen Querfeldeinwanderer.

Vom Interesse sind die Initiatorinnen Sarcletti und Zienitzer schier überwältigt, als ihnen beim kostenlosen Schnuppertag fast die kistenweise angeschleppten Schneeschuhe ausgehen. „Senkrecht zum Hang gehen“, schallen bald die Kommandos über den glitzernden Schnee. „Bergab die Fersen betonen, in die Knie gehen, leichte Rückenlage“, heißt es, als sich die Ersten mehr rutschend als gehend abwärts bewegen. Und „bergab nicht warten, bis die Schuhe zum Stillstand gekommen sind, sondern gleich den nächsten Schritt machen“ erklärt Sarcletti und läuft federnd wie ein Uhrwerk durch das blendende Weiß, dass es nur so staubt.

Bei den geführten Touren strömen die verschiedensten Interessenten zusammen: der elfjährige Jonas genauso wie ein Steirer mit leichter Lähmung im Bein – und vor allem: Viel Frauen. Langsam wandern sie in der Gruppe durch die von Zirbenbäumen geprägte Landschaft und suchen sich ihren Weg. „Man sieht bei dieser Art der Fortbewegung mehr als auf dem Alpinski“, betont der Zirbenland-Touristiker Bernd Pfandl. „Was die Menschen auf diese Art entdecken, nützt auch dem Sommertourismus!.“

Auf Schneeschuhen rund ums Murtal

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