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Tirol

Visionen am Kitzbüheler Horn

Zwei neue Bahnen werten das „kleine Skigebiet“ der Gamsstadt auf. Vor allem Familien sollen sich hier wohlfühlen.
Von Stefan Gruber

Behutsam wurden die Bergstationen der beiden neuen Bahnen am Horngipfel in die Landschaft eingebunden. Foto: Michael Werlberger
Behutsam wurden die Bergstationen der beiden neuen Bahnen am Horngipfel in die Landschaft eingebunden. Foto: Michael Werlberger

Kitzbühel.Franz Reisch hätte seine Freude gehabt. Der Ahnherr des Skitourismus, der hier am 15. März 1893 mit langen Brettern aus Norwegen an den Füßen die erste dokumentierte Abfahrt der Alpen meisterte, träumte bereits von einer Bahn aufs Kitzbüheler Horn. Der Weltkrieg machte die Pläne zunichte, in der Folgezeit gelangten eher die Hänge am Hahnenkamm, Steinbergkogel und Pengelstein auf der anderen Talseite zu Weltruhm.

Jetzt erlebt das Kitzbüheler Horn eine Renaissance. Mit der neuen Sechser-Sesselbahn Brunelle und der Zehner-Gondel Raintal will die Bergbahn AG Kitzbühel das kleine Skigebiet unter der markanten rot-weiß-roten Antenne aus dem Dornröschenschlaf erwecken.

Euphorisiert von der Abfahrt

Franz Reisch, der gleichnamige Urenkel des einstigen Skipioniers, konnte den Eröffnungstag kaum erwarten. „Das Horn lag zuletzt schon etwas im Schatten“, meint der Wirt des Berggasthofs Alpenhaus. Die Investitionen flossen in den vergangenen Jahren in das Kitzbüheler Haupt-Areal zwischen Streif und Resterhöhe. Eine künstliche Beschneiung, ohne die heute kein Skigebiet mehr überleben kann, wurde am Horn erst vor zwei Jahren realisiert.

Franz Reisch vor dem Foto, das seinen Urgroßvater zeigt Foto: Gruber
Franz Reisch vor dem Foto, das seinen Urgroßvater zeigt Foto: Gruber

Von Schneemangel war vor 125 Jahren noch nicht die Rede. Auf dem berühmtesten Foto von der ersten Skitour zum Kitzbüheler Horn, das heute im Roten Saal des Alpenhauses hängt, ächzen die Äste einer Tanne sichtbar unter der Last der weißen Pracht. Dafür hatte Franz Reisch mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Zum Beispiel mit mangelnder Anerkennung. Die skeptische Haltung seiner Zeitgenossen hielt ihn dennoch nicht vom neuen Sport ab. „Komm her, i muss dir a Watschn gebn, so schön war des.“ Mit diesen Worten begrüßte Reisch der Überlieferung nach seinen Freund Josef Herold nach der historischen Abfahrt.

Reischs Aufsatz in der Zeitschrift „Der Schneeschuh“ gilt als erster alpiner Skibericht. „Er war ein Visionär“, da ist sich der heutige Franz Reisch im Urteil über seinen Urgroßvater sicher. „Ohne ihn hätte sich der Skitourismus anders entwickelt.“ Als visionär lässt sich auch die jüngste 17-Millionen-Euro-Investition der Bergbahn AG Kitzbühel bezeichnen. Weniger, weil die beiden Bahnen – mit letzten technischen Finessen ausgestattet – besonders energiesparend und geräuscharm ihren Dienst verrichten. Schon eher, weil ein in der Branche ungewohnter Denkansatz über dem Bau steht. „Wir eröffnen ein neues Kapitel, das nicht von Größe, sondern von Qualität zeugt“, erklärt Bergbahnchef Dr. Josef Burger.

Kitzbüheler Horn

  • Skigebiet: Rund 17 Pistenkilometer werden von zehn Liften und Bahnen erschlossen.

  • Freeride: Das Horn gilt als die Sonnenseite Kitzbühels. Am Gipfel eröffnet sich ein 360-Grad-Panorama, das vom Wilden Kaiser über die Leoganger und Loferer Steinberge bis zum Hauptkamm reicht. Die baumfreien Hänge im „Backcountry“ sind vor allem bei Snowboardern und Freeridern beliebt.

  • Skipass: Tageskarte „Horn special“ 40 Euro (Jugendliche 18, Kinder 10 Euro)

  • Online: www.kitzski.at

„Grüne Ideen“ flossen mit ein

Während in manch anderen Tälern heute gern dem Credo „nur in der Größe liegt Stärke“ gehuldigt wird und sich Pläne für weitere Skigebietszusammenschlüsse in den Schubladen stapeln, winkt Kitzbühel in puncto Erweiterung ab. Damit nicht genug: Sogar „grüne Ideen“ flossen in das Projekt am Horn ein. Die neuen Bahnen wurden behutsam in die Landschaft eingebunden, die Zahl der Stützen hat sich nahezu halbiert. Auch dem Klimawandel will die Bergbahn Rechnung tragen.

Das Panorama am Horn ist berühmt. Hinter der Bergstation der neuen Raintalbahn recken Leoganger Steinberge, das Watzmannmassiv und das Steinerne Meer ihre Gipfel in den Himmel. Foto: Michael Werlberger
Das Panorama am Horn ist berühmt. Hinter der Bergstation der neuen Raintalbahn recken Leoganger Steinberge, das Watzmannmassiv und das Steinerne Meer ihre Gipfel in den Himmel. Foto: Michael Werlberger

Die Talstation der Raintalbahn wurde um knapp 200 Höhenmeter nach oben verlegt. „In Zukunft werden wir keine Erneuerungsanlagen auf Südhängen unter einer Höhenlage von 1450 Metern mehr bauen“, kündigt Burger an. Zudem wird überfüllten Pisten der Riegel vorgeschoben. Ab 4000 Tagesgästen wird am Horn künftig kein Ticket mehr verkauft.

Als durchaus visionär darf auch die Preispolitik bezeichnet werden. In Zeiten, in denen nicht wenige Familien über die Bezahlbarkeit des Skisports nachdenken, setzt die Bergbahn AG Kitzbühel am Horn eben auf diese Klientel. Nicht nur mit einer 900 Meter langen Funslope mit Wallride, Wellen, Tunnels und einer Schneeschnecke sowie einem Freestyle-Park an der Eggl-Piste, sondern vor allem mit einer Tageskarte für 40 Euro. Zum Vergleich: Wer das gesamte Skigebiet Kitzbühel unter die Bretter nehmen will, muss dafür um 17 Euro tiefer in die Tasche greifen. Franz Reisch hätte wohl seine Freude gehabt.

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