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Ein nordisches Wintermärchen

Weiße Pracht, so weit das Auge reicht: Lappland bietet die besten Voraussetzungen für eine spannende Winterreise.
Von Brigitta Ammer-Klein

Eine Wildnistour mit dem Hundeschlitten gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen in Lappland. Foto: Ammer-Klein
Eine Wildnistour mit dem Hundeschlitten gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen in Lappland. Foto: Ammer-Klein

Lappland.Tanzende Schneeflocken, überzuckerte Felder und Eiszapfen an den Dächern – spätestens an nebelgrauen Dezembertagen kann ein weißer Winter zur Sehnsucht werden. Ganz im Norden Skandinaviens, jenseits des Polarkreises, werden solche Träume wahr. In der kalten Jahreszeit bezaubert Lappland mit zugefrorenen Seen, tief verschneiten Wäldern und Landschaften von stiller Schönheit. Diese Wunderwelt aus Schnee und Eis lässt sich in verschiedenen Facetten erleben: Zahlreiche Hotels und Ferienzentren haben Aktivwochen mit Langlaufen, Schneeschuhwandern, Huskytouren oder Farmbesuchen im Angebot, garantiert ohne Bespaßung und Rambazamba.

Nur das Knirschen des Schnees ist zu hören, wenn die Skier über die Loipe gleiten. Natur pur, so weit das Auge reicht. Für Outdoor-Fans ist Lappland ein wahres Paradies: Fast nirgendwo sind die Voraussetzungen für Langläufer und Skiwanderer besser. „Langlaufen ist Volkssport bei uns“, berichtet Gästebetreuerin Victoria. „Kaum können wir gehen, stehen wir schon auf den Skiern“. Entsprechend gut ist die Infrastruktur. Hunderte Loipenkilometer durchziehen die winterliche Kulisse, alle bestens präpariert und markiert – den Begriff Langlauf kann man durchaus wörtlich nehmen. Zwischendurch laden rustikale Hütten und offene Feuerstellen zum Aufwärmen ein.

Die winterliche Bilderbuchlandschaft kann auch gut mit Schneeschuhen erkundet werden. Die Technik ist schnell zu erlernen, und dann macht es nur noch Spaß. Sanfte Hänge und zugefrorene Flüsse bieten das ideale Gelände für Genusswanderungen. Bizarre Eisgebilde, die der Frost aus dem Wasser gezaubert hat, und Bäume, die wie überdimensionale Schneegestalten aussehen, sind verwunschene Begleiter jeder Tour.

Winterwunderwelten laden zu vielfältigen Outdoor-Aktivitäten ein. Foto: Ammer-Klein
Winterwunderwelten laden zu vielfältigen Outdoor-Aktivitäten ein. Foto: Ammer-Klein

Selbst wenn man nicht das Glück haben sollte, die Arbeit der Züchter hautnah zu erleben, ist ein Ausflug zu einer Rentierfarm eine echte Empfehlung. Seit Jahrtausenden prägen die halbdomestizierten Tiere das Leben der Sámi. Von Frühjahr bis Herbst ziehen die Herden frei in den Wäldern umher, im Winter werden sie in die Nähe der Siedlungen getrieben, wo die benötigte Nahrung leichter zugänglich ist. „Unsere Lebensweise ist das ganze Jahr von den Rentieren geprägt, sie sind Teil unserer traditionellen Kultur“, erklärt Jukka seinen Gästen. Nach einer Kostprobe samischer Spezialitäten folgt die Attraktion des Tages, auf die schon alle gewartet haben: Eine romantische Schlittentour durch die Winterwelt.

Wenn Wasserfälle einfrieren

Die Abendsonne taucht die eisige Landschaft in warmes Licht. Foto: Ammer-Klein
Die Abendsonne taucht die eisige Landschaft in warmes Licht. Foto: Ammer-Klein

„Bis zur Erfindung des Schneemobils waren Rentierschlitten das wichtigste Fortbewegungsmittel in der kalten Jahreszeit, heute fahren wir vor allem zum Vergnügen“, erzählt Jukka. Mit bunten Borten geschmückte Rentiere werden eingespannt. Osko, ein stattliches Exemplar mit prächtigem Geweih, avanciert umgehend zum Liebling der Fotografen. Auch laufen kann er wie kein Zweiter: In den Kurven trägt es seinen Schlitten fast aus der Spur, so schnell ist er unterwegs. Lautlos durch die verschneite Landschaft zu gleiten, ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Nach 90 Minuten tut eine Aufwärmpause gut, trotz kuschlig warmer Felle kriecht die Kälte langsam unter die Kleidung. In einer Kota, dem typisch lappländischen Stangenzelt, wird heißer Punsch gereicht. Während der Lachs auf dem Feuer gart, gibt es saftige Moose und Flechten für die Tiere. Der Rückweg führt an einem Wasserfall vorbei, den die Kälte in eine riesige Eisskulptur verwandelt hat – im Licht der tief stehenden Sonne ein märchenhafter Anblick.

Winterurlaub in Lappland

  • Tipps:

    Ideale Reisemonate für Lappland sind Februar und März. Gebucht werden sollte mindestens ein halbes Jahr vorab. Das Preisniveau ist in Finnland etwas niedriger als in Schweden und Norwegen.

  • Planung:

    Zahlreiche Huskyfarmen bieten Touren an, auch mit Wildnisübernachtungen. Größere Lodges wie z.B. Harriniva oder Saija haben Erlebniswochen mit täglichen Aktivitäten im Programm, Preis ab ca. 1500 Euro inkl. VP und Transfers. Flüge gibt es ab 300 Euro.

Mehr über die Kultur der Sámi kann man im nordschwedischen Jokkmokk erfahren. Seit dem Jahr 1605 findet dort regelmäßig der Vintermarknad statt, ein Wintermarkt, der ein willkommenes gesellschaftliches Ereignis im Jahreslauf darstellt. Mittlerweile zieht der 3000-Seelen-Ort in der Marktwoche tausende Besucher aus aller Welt an. Traditionelles Kunsthandwerk gehört zum Repertoire der Aussteller, aber auch Tanzabende und Konzerte samischer Musiker sind im Programm.

Polarlichter bezaubern mit magischem Farbenspiel. Foto: Stachon/dpa
Polarlichter bezaubern mit magischem Farbenspiel. Foto: Stachon/dpa

„Fest auf der Bremse bleiben, Schneeanker lösen, und Abfahrt!“ Eine mehrtägige Tour mit dem Hundeschlitten gehört unbestritten zu den schönsten Abenteuern in Skandinavien. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, was man als Freizeit-Musher beherrschen muss, ist rasch erlernt. Wer auf Skiern standfest ist, hat allerdings einen gewissen Vorteil, denn es geht rasant über das hügelige Fjällgelände, durch enge Kurven und schneeverwehte Senken. Die Einführung in das Musher-ABC erfolgt im Schnelldurchlauf: Man lernt die Hunde kennen, übt das Anleinen, trainiert die Kommandos und macht die ersten Fahrversuche. Schon geht es los, quer durch einsames Gelände. Guide Aarne fährt voraus, die anderen Schlitten folgen. „Bremsen!“, ruft Aarne. „In der Spur bleiben und nicht überholen!“ Disziplin ist angesagt, die Gespanne sollen sich nicht ins Gehege kommen. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Huskys wollen nur eins: laufen!

Im violetten Abendlicht wird das Tagesziel erreicht, eine Wildnishütte mitten im Nirgendwo. Urgemütlich, aber „very basic“, wie sich Aarne auszudrücken pflegt: Schlafsaal, Plumpsklo, doch die Sauna darf nicht fehlen. Nachts lockt die Stille der winterlichen Landschaft und mit etwas Glück ein grandioses Naturschauspiel am Himmel.

Unvergessliche Momente

Die Chance, Nordlichter zu sehen, ist jenseits des Polarkreises besonders groß. Geladene Teilchen des Sonnenwindes sind für die Aurora Borealis, so der wissenschaftliche Name, verantwortlich. Am häufigsten sind grüne und gelbe Farbspiele zu beobachten, rote oder purpurfarbene Leuchterscheinungen sind ausgesprochen selten. Die Sonnenaktivität ist nicht in allen Jahren gleich, auch muss das Wetter passen und der Himmel wolkenlos sein.

Rentierschlitten sind traditionelle Transportmittel der Samen. Foto: Ammer-Klein
Rentierschlitten sind traditionelle Transportmittel der Samen. Foto: Ammer-Klein

Doch wenn die Polarlicht-App Alarm schlägt, sind unvergessliche Momente garantiert. Dick eingepackt in die wärmste Winterausrüstung richtet sich der Blick nach oben. Zuerst sieht man nur den Sternenhimmel in der klirrend kalten Nacht, doch plötzlich geht es los: Grüne Lichtschleier erscheinen am Horizont, tanzen immer höher, wie von Geisterhand dirigiert. Sie bewegen sich mal langsam, mal schnell, verschwinden kurz, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Die Szenerie ist so faszinierend, dass man Raum und Zeit vergisst und nur noch gebannt dem flackernden Lichterzauber folgt – ein magisches Erlebnis.

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