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Städtetrip

Food-Safari durch Kapstadt

Wer die Küche eines Landes kennenlernt, kommt der Kultur und den Menschen nahe. Eine kulinarische Sightseeing-Tour
Von Falk Zielke

Im bunten Stadtviertel Bo-Kaap gibt es auch Kulinarisches zu entdecken: Die Kapmalaien, die sich hier niederließen, haben die Küche beeinflusst. Foto: Cape Town Tourism/dpa
Im bunten Stadtviertel Bo-Kaap gibt es auch Kulinarisches zu entdecken: Die Kapmalaien, die sich hier niederließen, haben die Küche beeinflusst. Foto: Cape Town Tourism/dpa

Kapstadt.Der Raum des einfachen Hauses in Gugulethu, einem Vorort Kapstadts, ist erfüllt vom Duft von gebratenem Fleisch und kräftigen Gewürzen. Auf dem runden Esstisch liegt eine bunte Tischdecke, darauf Teller und Gläser mit weißen Servietten darin. Noch warmes Brot und selbst gemachtes Ingwer-Bier warten auf die Gäste. Gastgeberin Sheila hat sich alle Mühe gegeben.

Unentwegt läuft die kleine Frau mit den kurzen schwarzen Haaren zwischen Küche und Esstisch hin und her. In den Händen immer Schalen mit frisch gekochten Spezialitäten. Wer nicht Xhosa spricht, kann die traditionellen Gerichte nur schwer benennen: Serviert werden Umleqwa, Umxhaxha, Umfino und Chakalaka.

Der Besuch bei Sheila ist Teil einer Street-Food-Safari, einer kulinarischen Stadtführung. Die Gäste lernen dabei nicht nur die südafrikanische Küche kennen. Sie kommen dem Land und den Leuten viel näher als auf jeder Tour im Sightseeing-Bus.

Sieben Stunden auf dem Herd

Die Namen der südafrikanischen Gerichte wie Chakalaka oder Umxhaxha klingen fremd. Foto: Falk Zielke/dpa
Die Namen der südafrikanischen Gerichte wie Chakalaka oder Umxhaxha klingen fremd. Foto: Falk Zielke/dpa

Die Namen der Speisen, die Gerüche, die Umgebung – alles wirkt fremd. Als Gast aus Deutschland bewegt man sich deshalb lieber vorsichtig, um nicht Gefahr zu laufen, irgendeinen Fehler zu machen und dadurch unhöflich zu wirken. Schließlich ist das Sheilas Zuhause. Mit ihrem freundlichen Lächeln zerstreut die Gastgeberin solche Sorgen allerdings schnell. Bestimmt setzt sie jeden Gast auf seinen Platz, schenkt Ingwer-Bier ein und erzählt von den Vorbereitungen. „Bis zu sieben Stunden kocht das Fleisch, bevor es serviert wird“, sagt sie und zeigt auf die Schale Umleqwa.

So ungewohnt die Namen klingen, so vertraut sind die Zutaten. Umleqwa etwa ist nichts anderes als gekochtes Huhn. Auch die Zutaten der anderen Spezialitäten dürften Besuchern aus Deutschland geläufig sein: „Chakalaka besteht aus grüner, gelber und roter Paprika, Zwiebeln, gebackenen Bohnen, Chili, Essig und Zucker“, zählt Sheila auf, während sie den Gästen das Rezept dafür aufschreibt. „Die wichtigsten Zutaten von Umfino sind Mais und Spinat, und Umxhaxha ist Butternusskürbis und Zuckermais.“

„Essen ist eine universelle Sprache“, sagt Touristenführer Sabelo Maku, der schon unzählige Europäer durch die Stadt und in Sheilas Esszimmer geführt hat. „Jeder muss essen. Und wenn jemand in der Fremde eine bekannte Speise entdeckt, gibt es sofort eine Verbindung.“ In der Tat wird das Fremde mit jedem Bissen ein wenig vertrauter. Bald schmeckt es hier am Tisch in Kapstadt fast wie zu Hause.

Schafskopf samt Augen

Im Township Langa werden Schafsschädel über dem offenen Feuer gekocht. Foto: Falk Zielke/dpa
Im Township Langa werden Schafsschädel über dem offenen Feuer gekocht. Foto: Falk Zielke/dpa

Nächster Stopp: Langa, das älteste Township Kapstadts. Nicht unbedingt die erste Adresse, an die es Touristen zieht. Die Häuser in der Gegend sind einfach, viele Autos sind in die Jahre gekommen. Unter dem provisorischen Wellblechdach eines wackeligen Standes brennt ein offenes Feuer, auf dem ein rußgeschwärzter Topf steht. Eine Frau, die auf einem alten umgedrehten Eimer sitzt, drückt immer wieder ein heißes Brenneisen auf einen abgetrennten Schafskopf und brennt so langsam das Fell ab. Es riecht verbrannt. Die fertigen, schwarzen, glattgebrannten Köpfe landen in einem Plastikkorb.

Eine zweite Frau fischt daraus die bearbeiteten Köpfe und schrubbt sie mit einem Metallschwamm sauber, um sie dann in dem großen Topf zu kochen. Wer hier isst, darf wirklich nicht allzu zimperlich sein. Doch was die Frauen zubereiten, ist eine Spezialität: Smiley wird der gekochte Schafskopf genannt. „Der Name kommt daher, weil es nach dem Kochen so aussieht, als grinse einen das Schaf an“, erklärt Sabelo. So roh die Zubereitung auf den ersten Blick aussieht, so intensiv ist das Geschmackserlebnis. Das gekochte Fleisch wird mit kräftigen Gewürzen gegessen. Die meisten deutschen Besucher lehnten aber dankend ab.

Wer bei Smiley lieber eine Pause gemacht hat, kann dafür bei der nächsten Station wieder herzhaft zubeißen. An einem vergitterten Fenster eines gemauerten Imbisshäuschens bestellt Sabelo eine Portion Snoek. Dieser Fisch zählt zu den Schlangenmakrelen und sieht so ähnlich aus wie ein Barrakuda. Gefangen wird er vor allem vor der Küste Südafrikas oder Namibias. „Paniert und frittiert schmeckt er am besten“, sagt Sabelo und stellt eine Portion auf den Tisch. Die Portion Snoek ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Küche am Kap auch ein Spiegel der Geschichte ist. Der mit Essig gewürzte Fisch und die Pommes frites, die hier auf dem Tisch in Südafrika stehen, könnten so auch in Brighton, London oder Liverpool serviert werden.

Sabelo Maku und Gastgeberin Sheila bringen Besuchern die Essenskultur Kapstadts näher. Foto: Falk Zielke/dpa
Sabelo Maku und Gastgeberin Sheila bringen Besuchern die Essenskultur Kapstadts näher. Foto: Falk Zielke/dpa

Letzter Stopp: Bo-Kaap. Bekannt ist der Stadtteil vor allem für seine bunten Häuser und den grandiosen Blick auf den Tafelberg. In dieser Gegend ließen sich im 18. Jahrhundert viele freigelassene Sklaven aus den niederländischen Kolonien nieder. „Viele von ihnen kamen aus Asien“, erzählt Sabelo. Die Nachfahren bezeichneten sich als Kapmalaien, die der Küche ihre eigene Note gaben. Zum Beispiel mit Koeksister, einem saftig-süßen, frittierten Zopfgebäck, das einem problemlos lockere Füllungen aus den Zähnen ziehen kann. Weil der Zopf nach dem Frittieren in zuckrigen Sirup gelegt wird, erinnert er geschmacklich stark an Baklava. Mit dem Nachtisch endet auch die Food-Safari. Sabelo entlässt die Touristen mit einem Kaffee in der einen Hand und dem süßen Nachtisch in der anderen wieder in die fremde Stadt. Doch so fremd fühlt sich Kapstadt jetzt gar nicht mehr an.

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