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Afrika

Im Land des Lächelns: Gambia

Außer Optimismus besitzt das kleine Land nicht viel. „The Smiling Coast of Africa“ hofft jetzt auf deutsche Touristen.
Von Claudia Bockholt

  • Ida Cham-Nije hat auf dem örtlichen Markt einen dicken Fang gemacht. Alle Fotos: Bockholt
  • Die Strandverkäufer sind in Gambia angenehm unaufdringlich.

Banjul.Ida Cham-Nije ist eine warmherzige, zupackende Lady. In ihrem für örtliche Verhältnisse sehr komfortablen Haus in Brufut bietet die 54-Jährige Kochkurse für Touristen an. Bevor es an die Zubereitung von Reis, Gemüse und Fisch geht, wird auf dem örtlichen Markt eingekauft. Ida marschiert voraus, die vom verwirrend lauten, bunten Markt eingeschüchterte deutsche Reisegruppe im Schlepptau.

So ein afrikanischer Markt ist nichts für sensible Gemüter. Die Gerüche sind teils betörend, teils verstörend. Menschen schreien, Fliegen schwirren. Die Fischverkäufer werden von Möwen im Tiefflug umkreist. Ida kauft für 2000 Dalasi einen stattlichen Thunfisch. 35 Euro, ein Schnäppchen für den fangfrischen fetten Fisch.

Gambia

Kurz darauf taucht die Gruppe ab in den tiefen Frieden von Idas Hinterhof. Ein laues Lüftchen weht, aromatisiertes Wasser, Hibiskussaft und Ingwerlimonade stehen bereit. Im Schatten großer Moringa-Bäume werden Frühlingszwiebeln, Tomaten, weitere Gemüse und scharfe Chilis im Mörser zerstampft. Auch die Touristen tragen jetzt einheimische Tracht: die Männer bunt gemusterte Hemden, die Frauen farbenfrohe Röcke und Blusen und einen kunstvoll gewickelten Turban. Eine junge Frau wälzt die in großen Baumwolltüchern gedämpfte, gewaltige Menge Reis um. Am Ende dampfen Fisch und Hühnchen in einer sämigen Erdnusssoße auf den Platten: Domoda heißt dieser sehr leckere Eintopf, ein Nationalgericht. Man bekommt ihn überall in Gambia – neben Pizza, Pasta und all den globalen Allerwelts-Gerichten.

Kleiner als Schleswig-Holstein

Gambia ist das kleinste Land Afrikas. Mit rund 11000 Quadratkilometern Fläche misst es weniger als Schleswig-Holstein. Knapp zwei Millionen Menschen leben in „The Gambia“, das sich zur besseren Unterscheidung von Sambia im Osten Afrikas den Artikel voranstellt. Seit der Wahl des Demokraten Adama Barrow zum Präsidenten schöpft das Land Hoffnung. Sein Vorgänger, Diktator Yahya Jammeh, hatte sich mit Hilfe des Militärs Mitte der 90er Jahre an die Macht geputscht.

Bunte Körbe sind beliebte Souvenirs vom Kunsthandwerkermarkt.
Bunte Körbe sind beliebte Souvenirs vom Kunsthandwerkermarkt.

Das Land ist muslimisch geprägt, allzu freizügige Kleidung zwar nicht verboten, aber unpassend. Alkohol ist teuer. Homosexualität ist strafbar, auch Europäer sind laut Auswärtigem Amt schon deswegen vorübergehend inhaftiert worden. Die Strandverkäufer sind nicht penetrant, auch sonst werden Touristen kaum bedrängt. 130 000 Gäste, vorwiegend aus Holland und Großbritannien – einst die Kolonialherren – besuchen Gambia jährlich. Das Tourismusministerium will diese Zahl bis 2020 auf 200 000 steigern. Neue Direktverbindungen aus Deutschland sollen ihren Teil dazu beitragen.

Mahnmal der Sklaverei

Aus den USA kommen zunehmend Schwarze, die sich in Afrika auf die Suche nach ihren Wurzeln begeben. Viele machen einen Abstecher zu Kunta Kinteh Island, einem Inselchen inmitten des Gambia River, der Lebensader des Landes. Auch Europäer buchen gerne den Tagesausflug zu Land und mit dem Schiff zur Erinnerungsstätte, die nach dem berühmten Sklaven aus „Roots“ benannt ist. Im Heimatdorf des nach Amerika verschleppten Kunta Kinteh, dem einstigen Sklavenzentrum Juffure, erzählt ein kleines Museum die düstere Geschichte des Menschenhandels.

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Die Gezeiten knabbern am Unesco-Weltkulturerbe, es schrumpft. Wenig erinnert noch an das Leid der Sklaven auf der ehemaligen Festungsinsel. Touristen klettern über Mauerreste. Über Portugal wurden die Sklaven von hier in die Kolonien verschifft. In diesem winzigen, finsteren Kerker waren über ein Dutzend Sklaven eingepfercht, erzählt der Führer. Die Stärksten wurden hier gebrochen. Die Besucher schaudert es, sie klettern schnell wieder ans warme Tageslicht.

Kunta Kinteh Island wird von Jahr zu Jahr kleiner.
Kunta Kinteh Island wird von Jahr zu Jahr kleiner.

Sanfter Grusel stellt sich auch beim Ausflug in den Kachikally Crocodile Pool in Bakau ein. Dutzende heilige Krokodile dösen hier in und rund um einen grünen Tümpel in der Mittagshitze. Mit bereits vollen Mägen – weshalb die jungen Angestellten die Touristen lässig herbeiwinken: Einer nach dem anderen kniet neben einem gut zwei Meter langen Exemplar und tätschelt den Rückenpanzer. Das soll Glück bringen. Krokodile sind in Gambia ein Fruchtbarkeitssymbol. Frauen, die vergebens auf Nachwuchs warten, pilgern hierher und übergießen sich in einer diskreten Holzkabine mit dem Wasser des Tümpels. Dass der Mann der Grund von Kinderlosigkeit sein könnte, ist in Kachikally offensichtlich nicht vorgesehen.

Ein Dorado für Ornithologen

„Brown Throated Wattle Eye“, „Malachite Kingfisher“, „African harrier-hawk“… Schon die klangvollen Namen der Vögel verheißen ein besonderes Naturerlebnis. Noch bei Dunkelheit heißt es „raus aus den Federn“, denn bei Sonnenaufgang sollte man bereits im Kajak sitzen und mit vorsichtigen Paddelschlägen durch die Mangroven gleiten. Den Braunkehl-Lappenschläpper, den Haubenzwergfischer oder den Afrikanischen Schlangensperber erspäht man nur mit geübtem Auge.

Die Paddeltour durch die Mangroven beginnt bei Sonnenaufgang.
Die Paddeltour durch die Mangroven beginnt bei Sonnenaufgang.

Jedoch: Man muss kein Hobby-Ornithologe sein, um das sanfte Gleiten durch das Ökosystem Mangrovenwald zu genießen. Hier ein paar Äffchen, die sich am Flussufer jagen, dort ein Leguan auf einem dicken Ast, der sich auch durch das Heranpirschen der Kajaks nicht in seinem Morgenschläfchen stören lässt: Es gibt viel zu sehen.

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Die Big Five erspähen – das ist für Afrika-Reisende das ganz große Ding. Bei einer Safari kann man aber viel mehr entdecken.

Weit über 500 Vogelarten gibt es in Gambia. Ein Paradies für Naturfreunde und Entdecker. Allerdings: Sich allein auf den Weg zu machen, ist nicht ratsam. Noch ist die Infrastruktur auf selbstfahrende Touristen kaum vorbereitet. Allein das Überqueren des Gambia-Flusses mit der großen Fähre ist eine Herausforderung. Ohne Führer ist es für Touristen schwer, zwischen langen Schlangen teils tagelang wartender Lkw, Autos, Karren mit Hühnerkäfigen, fliegenden Händlern und Ziegenböcken überhaupt an Bord zu gelangen. Wer es schafft, hat ein ein lautes, buntes, fröhliches afrikanisches Abenteuer hinter sich.

Gambia – Das kaum bekannte Urlaubsziel

  • Anreise:

    Seit April dieses Jahres bieten der Reiseveranstalter FTI und Corendon Airlines ganzjährig Direktflüge von deutschen Abflughäfen nach Gambia, auch von München aus starten wöchentlich Flieger. In nur sieben Flugstunden erreichen sie die Hauptstadt Banjul.

  • Preise:

    FTI Touristik bietet Pauschalreisen nach Gambia inklusive Flug und Unterkunft (mit Frühstück) in einem Drei-Sterne-Hotel (Landeskategorie) ab 288 Euro pro Person. Weitere Angebote unter www.fti.de

  • Klima:

    In Gambia herrscht tropisches Klima, die Temperaturen sind ganzjährig recht hoch. Die Regenzeit beginnt im Juni und endet im Oktober. Für einen Strandurlaub sind die Monate November bis Mai bestens geeignet.

  • Ausflüge:

    Der ganztägige Tagesausflug „Kuna Kintehs Erbe“ kostet bei FTI pro Person ab 59 Euro. Der halbtägige Kochkurs mit Ida Cham-Nije ist ab 45 Euro pro Person buchbar. Im Nachbarland Senegal kann man auf Safari gehen. Ein Ganztagsausflug zu Giraffen und Nashörnern kostet ab 105 Euro.

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