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Ferien

Langsam durch Schlaraffien

Auch Anfänger können per Hausboot durchs Burgund schippern. Unterwegs gibt es wunderbares Essen und viel Entspannung.
Von Peter Pavlas

Urlaub auf einem rund zehn Meter langen Schiff: das „Tarpon 32“ eignet sich für Anfänger. Foto: Peter Pavlas
Urlaub auf einem rund zehn Meter langen Schiff: das „Tarpon 32“ eignet sich für Anfänger. Foto: Peter Pavlas

Lyon.Ich bin jedes Jahr mindestens fünf Monate auf dem Wasser“, erklärt uns der braungebrannte Schweizer im Hafen von Gray. Er hat heuer geplant, mit seinem Boot die Rhône bis Südfrankreich hinabzuschippern. Wir drei Landratten wollen hingegen zum ersten Mal eine Woche lang hineinschnuppern in eine für uns neue Art des Reisens: per Hausboot auf der Saône und ihren Kanälen in der Region Bourgogne/Franche-Comté im östlichen Frankreich. Entspannung „satt“ haben wir uns vorgenommen.

Die Flussstrecke im Burgund östlich von Dijon gilt als ideale Anfängerstrecke. Der 473 Kilometer lange Fluss entspringt auf 405 Metern Höhe in den westlichen Vogesen und fließt nach einem scharfen Knick in Richtung Süden nach Lyon, wo er in die Rhône mündet. Bis dorthin beträgt der Höhenunterschied ab Gray nur mehr 40 Meter. Die „Frauschaft“ (eine Pädagogin und eine Juristin) übt sich im sicheren Schleusen und Vertäuen.

Abendstimmung unterwegs  Foto: Peter Pavlas
Abendstimmung unterwegs Foto: Peter Pavlas

Geringe Strömungsgeschwindigkeit lockt uns Debütanten also dorthin, und die Aussicht auf historische und kulinarische Freuden in einer der reichsten Regionen unseres Nachbarlandes. In mittelalterlichen Mauern lassen wir uns herrlich unkorrekte Gerichte schmecken wie Foie gras (Gänseleber) „nature“ mit rotem Zwiebelconfit oder in Pinot noir mariniert, dazu Chardonnay von uralten Reben oder Roten von der Côte d’Or. Die Preise für ein mehrgängiges Abendmenü samt Weinbegleitung sind für deutsche Verhältnisse, gemessen an der Qualität, mit 40 bis 50 Euro geradezu moderat. Zu empfehlen sind die Lokale „Prévoté“ und „Crato“ in Gray.

Rückwärts geht‘s nur geradeaus

Gemächliche Manöver erwarten uns, und die Strecke ist ab der Einmündung des Kanals zwischen der Champagne und dem Burgund frei von Berufsschifffahrt. Unser Boot, ein „Tarpon 32“, ist trotz seiner knapp zehn Metern Länge eher eine Nussschale. Wind und Strömungen erfordern bei nur 70 Zentimetern Tiefgang Aufmerksamkeit beim Steuern. Mit dem Heck voraus einzuparken funktioniert ganz anders als beim Auto. Scharf auf die „falsche“ Seite einschlagen, im Kriechgang rückwärts fahren, dann gleitet das Boot wie von Magneten gezogen an den Ponton. Die Richtung zu ändern geht ansonsten nur beim Vorausfahren, lernen wir. Andere Freizeitkapitäne steuern Kähne, die doppelt so lang sind. Für diese geschwindigkeitsgedrosselten Fahrzeuge ist kein Bootsführerschein nötig.

Hier warten 643 Meter Tunneldurchfahrt  Foto: Peter Pavlas
Hier warten 643 Meter Tunneldurchfahrt Foto: Peter Pavlas

Eine recht kurze Einweisung macht uns mit den Grundfunktionen unserer schwimmenden Ferienwohnung vertraut. Die Feinheiten des Manövrierens lernen wir unterwegs. „Ruhe, Teamgeist und Beachtung der Sicherheitsregeln an Bord sind das A und O“, verkündet Erwin Kuilder, als er uns in Pontailler die Schlüssel überlässt.

Aktion

Dreimal „Urlaub ab dahoam“ zu gewinnen

Die Heimat neu entdecken: Der Tourismusverband im Landkreis Kelheim und die Mittelbayerische starten eine Mitmach-Aktion.

Im Inneren unseres Boots ist jeder Zentimeter genutzt. Je zwei Kabinen mit drei Betten und eigenen Nasszellen liegen vorn und hinten, ein geräumiger Aufenthaltsraum mit Küchenzeile mittschiffs. Oben auf der Brücke lädt neben dem Außensteuerstand eine kleine Terrasse mit Tisch und Sesseln ein zu Frühstück oder Dämmerschoppen. Ein Fahrrad gehört zur Grundausstattung, bei Landgängen benutzen wir aber lieber Schusters Rappen.

Die Strecke ist nur von wenigen Schleusen unterbrochen, wichtig für Anfänger.  Foto: Peter Pavlas
Die Strecke ist nur von wenigen Schleusen unterbrochen, wichtig für Anfänger. Foto: Peter Pavlas

Durch den Flusshandel reich gewordene Städte zeigen ihren vergangenen Wohlstand mit wuchtigen Kirchen oder Rathäusern im Renaissancestil. In gemütlichen Weilern wie Lamarche-sur-Saône lässt sich sogar unterhalb der Terrasse des Restaurants „Nymphéa“ anlegen. Die Weißfische („ablettes“) für die Friture mit doppelt gegarten Pommes hatten ihre Heimat nur ein paar Meter vom Teller des Gastes. Empfehlenswert ist in Lamarche auch Hotel und Restaurant „St.-Antoine“.

Ein kleines Abenteuer wartet auf uns vor dem Hafen von Savoyeux. Zum einen treffen wir dort den einzigen Schleusenwärter, der inmitten der ansonsten automatisierten Anlagen seinem Job nachgeht. Seine ehemaligen Kollegen, die einst auch Eier, Gemüse und Honig an die Reisenden verkauften, dazu den Wein aus der Produktion des Schwagers, gehören mittlerweile ins Reich der Legenden.

Auch für Anfänger machbar

  • Kanalsystem:

    Die ersten Kanäle in Frankreich entstanden im 17. Jahrhundert. Das Land bietet nun 7000 Kilometer schiffbare Wasserwege. Manche führen per Aquädukt über Flüsse wie die Loire, andere untertunneln Berge.

  • Schleusen:

    Viele funktionieren automatisch. Über der Wasserstraße hängt eine Art Schlauch, den die Mannschaft vom Boot aus drehen muss. Danach signalisiert eine Ampel, wann die Einfahrt in die Schleusenkammer möglich ist. In der Kammer wird eine blaue Stange betätigt, um den Vorgang einzuleiten.

  • Führerscheinfreiheit:

    Frankreich besitzt das weltweit größte Angebot von führerscheinfreien Hausbooten. Mietboote bis 15 m Länge sind führerscheinfrei, mit Ausnahme der Basse Seine (inkl. Paris), der Rhône, der Garonne und des Grand Canal d’Alsace.

  • Bootsausstattung:

    Ein Tarpon 32 besitzt zwei Schlafkabinen zu je drei Betten und separaten Nasszellen, einen Aufenthaltsraum und eine Küchenzeile mit Kühl- und Gefrierschrank, Gasherd und Backofen, Spüle und Landstrom-Anschluss.

Der Wärter der mit etwa vier Meter Hubhöhe eindrucksvollen Schleuse steuert auch die Durchfahrt durch den anschließenden 643 Meter langen Tunnel. Auf einer ehemaligen Römerstraße wandern wir durch Eichenwälder vorbei an den Resten einer Villa Rustica. Plötzlich weitet sich der Blick über endlose Felder, denen Mohn- und Kornblumen Farbtupfer schenken. Blühende Robinien lassen ihren Duft herüberwehen, und weit und breit ist keine andere Menschenseele zu entdecken.

Bunte Dächer auf Kirchen und Rathäusern Foto: Peter Pavlas
Bunte Dächer auf Kirchen und Rathäusern Foto: Peter Pavlas

Abgesehen von wenigen Mumpfgesichtern in den Häfen treffen wir auf sonnige Hilfsbereitschaft unter Crew-Kollegen. Unangestrengt, höflich und leise ist der Umgang der französischen Familien mit ihren Kindern auf dem Wasser und in den Restaurants. Naja, am letzten Abend setzten die lauten sieben Schwaben auf Vatertagsausflug auf dem benachbarten Liegeplatz einen anderen Akzent. Den Reiz der Reise konnten sie aber nicht nachhaltig schmälern. Hauptsache, wir hatten immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, und ein Fingerbreit Chablis oder Crémant im Glas schadete auch nicht.

Hier geht es zu unserem Special „Freizeit“

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