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Städtereise

London: Hip und traditionsbewusst

Futuristische Glaspaläste, Kulturerbe, weltbekannte Museen, und weitläufige Parkanlagen – London ist voller Gegensätze.
Von Brigitta Ammer-Klein

Konzerte in der Royal Albert Hall sind echtes Entertainment.
Konzerte in der Royal Albert Hall sind echtes Entertainment.

London.London ist immer wieder eine Reise wert. Mit knapp neun Millionen Einwohnern gehört die Stadt zu den größten Metropolen Europas, ständig in Bewegung und im Wandel begriffen. Der Kontrast zwischen Tradition und Moderne könnte kaum größer sein: Ambitionierte futuristische Architektur prägt das Stadtbild an der Themse, die neuen Glaspaläste ragen direkt neben weltberühmten historischen Wahrzeichen in den Himmel. Kontraste auch in der City: Bärenfellmützen und trendige Boutiquen, Fish and Chips und veganes Essen, Zuckerbäckerarchitektur und Graffiti – all das macht die Faszination der britischen Hauptstadt aus.

Entlang der Themsepromenade warten Foodtrucks auf ihre Kunden.
Entlang der Themsepromenade warten Foodtrucks auf ihre Kunden.

„Die Themse ist die Lebensader Londons, jeder Besuch sollte dort beginnen“, rät Stadtführer Alex seinen Gästen. Da trifft es sich gut, dass beide Ufer von breiten Promenaden gesäumt werden. Der interessanteste Abschnitt verläuft auf der Südseite der Themse zwischen Tower und Westminster Bridge, vorbei an beeindruckenden Gebäuden und Panoramen. An lauen Abenden, vor allem freitags und samstags, tobt hier der Bär: Straßenkünstler, Musikanten und Foodtrucks säumen die Flaniermeile, das südliche Flair erinnert fast an einen Corso am Mittelmeer. Und wenn dann noch die majestätische Tower Bridge im warmen Abendlicht erstrahlt, ist die Szenerie perfekt.

Prachtvolle viktorianische Glashäuser beherbergen in den Kew Gardens Pflanzen aus aller Welt.
Prachtvolle viktorianische Glashäuser beherbergen in den Kew Gardens Pflanzen aus aller Welt.

Der Southbank Walkway führt auch zum Wolkenkratzer „The Shard“. Wie lange dieser markante Glasturm der höchste der Stadt bleiben wird, ist ungewiss: Zahllose Baukräne in allen Himmelsrichtungen zeugen von neuen kühnen Projekten. Auf Höhe der Millennium Bridge sticht das voluminöse Ziegelgebäude der Tate Modern ins Auge. Das renommierte Museum für moderne Kunst wurde in einem früheren Turbinenhaus untergebracht und mit einem 65 Meter hohen Anbau versehen. Von der Aussichtsplattform im obersten Stock hat man einen wunderbaren Rundblick über die City, fast den gleichen wie vom teuren London Eye aus – nur gratis.

Vom obersten Stock der Tate Modern Galerie hat man einen großartigen Blick auf die Stadt.
Vom obersten Stock der Tate Modern Galerie hat man einen großartigen Blick auf die Stadt.

Keine Frage: London ist alles andere als preiswert, die Tickets für die bekanntesten Sehenswürdigkeiten können schnell ein Loch in die Reisekasse reißen. Viele Museen und Galerien dagegen verlangen keinen Eintritt, darunter Häuser von Weltrang wie die National Gallery mit ihren großartigen Meisterwerken europäischer Malerei. Ein weiterer Publikumsmagnet ist das British Museum. Schon allein der von Sir Norman Foster mit einer filigranen Glaskuppel versehene Innenhof ist spektakulär, noch mehr die kulturgeschichtlichen Sammlungen aus aller Welt.

Die Galerie Tate Britain zeigt britische Kunst aus fünf Jahrhunderten. Den bezaubernden Landschaftsgemälden von William Turner ist ein eigener Trakt gewidmet. Auch ein Großformat, das Turner im Jahr 1842 anlässlich der Eröffnung der Walhalla bei Donaustauf schuf, ist zu entdecken. Wer mit Kindern reist, wird das Natural History Museum lieben. Besonders die große Dinosaurier-Abteilung mit zahlreichen Skeletten und einem animierten Tyrannosaurus Rex zieht kleine wie große Besucher magisch an.

Bekannt ist London auch für seine Parks, die nach anstrengenden Besichtigungen zur Entspannung einladen. Die großflächigen Grünanlagen mitten im Zentrum reihen sich fast nahtlos aneinander, und sie werden rege genutzt: in der Mittagspause, zum Sonnenbaden oder für Joggingrunden. „Sonntags verabreden sich Familien und Freunde gern zum Picknick“, erzählt Alex. Tatsächlich scheint an schönen Wochenenden halb London mit Picknickkorb und Decke unterwegs zu sein, ein bunter Mix der vielen Nationalitäten, die in der britischen Hauptstadt leben und arbeiten.

Etwa 30 Minuten mit der U-Bahn entfernt liegt das Gelände der Royal Botanic Gardens in Kew, seit 2003 Weltkulturerbe der UNESCO. Das weitläufige Areal beherbergt eine eindrucksvolle Pflanzensammlung und punktet mit zahlreichen Attraktionen: Neben den nostalgischen viktorianischen Glashäusern kann man Themengärten, moderne Glaskunst oder einen Baumwipfelweg in schwindelnder Höhe erleben.

Die Seifenblasen eines Straßenkünstlers glitzern mit den hypermodernen Glaspalästen des Bankenviertels um die Wette. Fotos: Ammer-Klein
Die Seifenblasen eines Straßenkünstlers glitzern mit den hypermodernen Glaspalästen des Bankenviertels um die Wette. Fotos: Ammer-Klein

Ein Bummel durch die verschiedenen Stadtteile Londons lässt sich gut mit kulinarischen Genüssen verbinden. „Die alten Witze über das englische Essen sind Geschichte!“, meint Alex, und er hat Recht damit. Neben leckeren, typisch britischen Gerichten in den Gastropubs findet man internationale Foodtrends gefühlt an jeder Ecke. Im charmanten Viertel Notting Hill mit seinen pastellfarbenen Fassaden begeistern kleine individuelle Cafés, in Southwark gibt es viel Mittelmeerküche und vegane Restaurants. Am Regent’s Canal in Camden kann man nicht nur nett spazieren gehen, die Märkte von Camden Town bieten außer Mode und Krimskrams auch interessantes Streetfood. Ein Hauch von Exotik mitten in der City umweht Chinatown, Crispy Ducks hängen in den Schaufenstern authentischer Lokale. Der stimmungsvollen Beleuchtung wegen ist das Viertel am Abend besonders einladend.

Praktische Reisetipps für London

  • Planung:

    Londons Sehenswürdigkeiten sind teuer, in der Hochsaison sind lange Schlangen üblich. Mit der „London Card“ kann man zum Pauschalpreis viele Attraktionen besuchen und Wartezeiten durch Nutzung der Fast Lane verkürzen. Es gibt die Card für einen, zwei, drei oder sechs Tage. Preisbeispiel für drei Tage: 109 £ (ca. 125 €), Kinder zahlen 79 £ (ca. 90 €).

  • Transport:

    Mit einer Travel Card oder Oyster Card spart man bis zu 50 Prozent des Fahrpreises bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln.

  • Informationen: Eine Fülle von Informationen, auch zu den verschiedenen Cards, bietet die offizielle Webseite www.visitlondon.com.

  • Reisezeit:

    London ist im Prinzip ein Ganzjahresziel. Britische Winter können nasskalt und windig sein. Die beständigsten Monate sind April bis Oktober, wobei im Juli und August zahlreiche Besucher in der britischen Hauptstadt unterwegs sind. Für Familien mit Kindern sind die Pfingstferien ideal.

  • Tipp:

    Seit Einführung der Citymaut ist der Verkehr stark zurückgegangen, die Stadt lässt sich angenehm zu Fuß erkunden. Leihfahrräder sind an vielen Stellen verfügbar, allerdings gibt es nur wenige Radwege.

Kaum eine Stadt hat eine größere Fülle an kulturellen Angeboten aufzuweisen als London – die Auswahl ist unvergleichlich. Heimat zahlreicher Theaterensembles ist das Westend. Das Repertoire reicht von Klassikern bis zu modernen Stücken, turbulente Komödien sind die Publikumsrenner. Auch für seine Musicalproduktionen und Shows ist das Westend berühmt. Eintauchen in das elisabethanische Zeitalter kann man im Globe Theatre, Pilgerstätte für Shakespeare-Freunde aus aller Welt. Das erfolgreichste Theater des 17. Jahrhunderts wurde an der Southbank wieder aufgebaut und 1997 neu eröffnet. Tickets für die lebendigen, am historischen Vorbild orientierten Inszenierungen sind begehrt und meist weit im Voraus ausverkauft.

Technik

Handy-Features für die Reise

Längst hat sich das Smartphone zum cleveren Reisebegleiter entwickelt. Ohne das passende Zubehör kommt man nicht weit.

Echte Highlights sind auch Konzerte in der Royal Albert Hall, das Ambiente in dem riesigen Kuppelbau aus dem Jahr 1871 ist schon für sich genommen ein Erlebnis. Selbst bei Klassikabenden geht es leger zu, im Gebäude gibt es zahlreiche Pubs, das Bier wandert mit in den Saal, der Applaus ist überschwänglich – Unterhaltung im besten Wortsinn.

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