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Nachbarschaft

Luxemburg zum Nulltarif

Im Großherzogtum darf man den ÖPNV von 1. März an kostenlos nutzen. Für Touristen ergeben sich neue Möglichkeiten.

Mit dem Bus durch Luxemburg ist ab 1. März auch für Touristen kostenlos. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa-tmn
Mit dem Bus durch Luxemburg ist ab 1. März auch für Touristen kostenlos. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa-tmn

Luxemburg.Kostenloser Nahverkehr ist angesichts verstopfter Innenstädte und der Klimakrise weltweit ein Thema. Wirklich ernst macht ab 1. März das kleine Luxemburg – als erster Staat weltweit. Dann darf im gesamten Großherzogtum jeder Bus, Bahn und Tram ohne Ticket nutzen. Luxemburg – kaum größer als das Saarland – scheint wie gemacht für eine Reise mit Bus und Bahn. Ein solcher Trip nach Fahrplan beginnt unweigerlich am Luxemburger Hauptbahnhof.

Die Regionalbahn aus Koblenz fährt pünktlich ein, gut zwei Stunden braucht sie vom Deutschen Eck ins Großherzogtum. Draußen vor der Bahnhofshalle halten die Stadtbusse im Minutentakt. Viel los ist hier nicht. Einheimische und Grenzgänger, die aus den Nachbarländern zur Arbeit kommen, sitzen rund um den Place d’Armes und lassen sich ihr Sushi oder Foie Gras in der Mittagspause schmecken.

Die Corniche öffnet den Blick auf die Unterstadt und das Kirchberg-Plateau. Foto: Mona Contzen/dpa
Die Corniche öffnet den Blick auf die Unterstadt und das Kirchberg-Plateau. Foto: Mona Contzen/dpa

Nicht weit entfernt liegt mitten in der Innenstadt ein echtes Schloss, das Palais der großherzoglichen Familie im Stil der flämischen Renaissance. Hinzu kommen die neogotische Kathedrale aus dem 17. Jahrhundert und direkt dahinter die 27 Meter hohen Festungsmauern, welche die Altstadt einst zu einer der stärksten Festungen Europas machten und samt historischem Kern längst zum Weltkulturerbe gehören – eine Hauptstadt im Fußgängermodus.

Teures Wohnen und Staus

  • Marketing:

    Die freie Fahrt im zweitkleinsten EU-Land mit gut 600 000 Einwohnern und 2586 Quadratkilometern Fläche ist nur der öffentlichkeitswirksame Teil eines größeren Bemühens um eine Verkehrswende.

  • Problem:

    Luxemburg platzt aus allen Nähten. Großes Wirtschaftswachstum schafft auch Probleme – nicht nur auf einem völlig überhitzten Immobilien- und Wohnungsmarkt, der viele Bürger auf der Suche nach einem bezahlbaren Obdach über die Landesgrenzen hinaus in die Nachbarländer treibt.

  • Anreise:

    Mit der Bahn über Koblenz nach Luxemburg-Stadt.

  • Übernachtung:

    In Luxemburg-Stadt und in den Terres Rouges gibt es Hotels diverser Kategorien, in ländlichen Regionen findet man auch gemütliche Bed & Breakfasts.

  • Verkehr:

    Infos und Fahrtzeiten zum öffentlichen Nahverkehr in Luxemburg findet man unter www.mobiliteit.lu/de.

  • Informationen:

    www.visitluxembourg.com/de

Der schönste Balkon Europas

Während sich die in den Felsen gehauenen Kasematten, die unterirdischen Gänge der Wehranlage, auf 23 Kilometern erstrecken, ist Luxemburg an der Oberfläche eine Stadt der kurzen Wege. Über die Corniche flaniert man ruhig und gemütlich zwischen Ober- und Unterstadt entlang des Alzette-Tals.

Der „schönste Balkon Europas“ soll das sein: Unten viel Grün und sorgsam restaurierte Häuser aus dem 18. Jahrhundert, am Horizont das Kirchberg-Plateau mit den Glaspalästen von sage und schreibe 147 Banken und allerlei europäischen Institutionen.

Die Wolfsschlucht – sie sieht aus wie die Kulisse für einen Fantasyfilm. Foto: Jonathan Godin/LFT/dp
Die Wolfsschlucht – sie sieht aus wie die Kulisse für einen Fantasyfilm. Foto: Jonathan Godin/LFT/dp

Die Tram, die das Finanzviertel mit dem Rand der Innenstadt verbindet, ist zu den Stoßzeiten gut gefüllt. Trotzdem stauen sich auf dem breiten Boulevard im Berufsverkehr die Autos. Jeder Luxemburger steht jährlich 33 Stunden im Stau. Investitionen sollen jetzt die Attraktivität des öffentlichen Transports fördern und die Fahrzeuge von den verstopften Straßen holen. Ganz nebenbei profitieren auch etwa 1,5 Millionen Touristen, die das Land pro Jahr besuchen.

Industriekultur als Erlebnis

Wer mit dem Zug eine gute halbe Stunde gen Süden fährt, landet in den Terres Rouges, dem „Land der roten Erde“. Es wurde einst durch Kohle und Stahlindustrie geprägt. Zeitzeugen sind die Hochöfen von Belval. Glänzend erheben sie sich zwischen den modernen Gebäuden der Universität. Touristen klettern in das Innere von Hochofen A mit seiner großen Abstichhalle und bestaunen aus 40 Metern Höhe den Mix aus alter Industriekultur und modernem Design.

Es liegt wohl vor allem an der Geschichte der Region, dass das Schienennetz hier gut ausgebaut ist. Wer den Rest des Landes erkunden will, muss mehr Geduld mitbringen. Denn abseits der Hauptroute, die per Zug die Hauptstadt mit dem Norden an der belgischen Grenze verbindet, sind viele Regionen nur mit dem Bus erreichbar.

In der „Stadt der Wissenschaft“ in Belval stehen alte Industriedenkmäler. Foto: Mona Contzen/dpa
In der „Stadt der Wissenschaft“ in Belval stehen alte Industriedenkmäler. Foto: Mona Contzen/dpa

Von Luxemburg-Stadt aus geht es eine knappe Stunde nach Nordosten, dort wartet das Kontrastprogramm. Im Mullerthal schläft man mit dem Muhen der Kühe ein. Viele Spazierwege und der 112 Kilometer lange Mullerthal Trail machen die Gegend zum Wanderrevier. Hauptstadt der Region ist Echternach, Luxemburgs ältester Ort. Verwinkelte Gassen, die Türme der alten Stadtmauer und das gotische Stadthaus verleihen der kleinen Abteistadt ein mittelalterliches Ambiente.

Doch die Wälder und Bachtäler des Natur- und Geoparks Mullerthal locken zu sehr, als dass man sich allzu lange in Echternach aufhalten würde. Wuchtige Felsbrocken liegen mancherorts zwischen Buchen und Eichen verstreut wie die Bauklötze eines Riesen. Es gibt Grotten, Höhlen, Schluchten und enge Spalten.

Feuchte, von Moos überzogene Wände würden zusammenpassen wie dreidimensionale Puzzleteile, könnte man die auseinandergebrochenen Teile bewegen. Für die markantesten Exemplare hat der Volksmund märchenhafte Namen gefunden, von der Räuberhöhle bis zur Teufelsinsel. Und die steil abfallende Wolfsschlucht, in der heute nur Mäuse und Eichhörnchen im Laub rascheln, soll früher manch einem Wolf als Zufluchtsort gedient haben.

In Luxemburg gibt es noch mehr zu entdecken, etwa das Moseltal mit seinen Weinbergen und mittelalterlichen Städten. Oder die Luxemburger Ardennen, das Éislek mit seinen beiden Naturparks, wo man sich zwischen idyllischen Tälern und Hochplateaus mit Panoramablick als Outdoor-Region versteht. Doch während der Süden recht gut erschlossen ist, stößt das Schienennetz hier schnell an seine Grenzen.

So ist das schmucke Städtchen Vianden, das im Nordosten am Ufer der Our gleich an Rheinland-Pfalz grenzt, nur mit dem Bus erreichbar. Mit dem einzigen Sessellift des Landes geht es hinauf auf 450 Meter Höhe. Dort lässt man beim Kaffee den Blick schweifen über alte Wachtürme, den Wald und die mächtige Burg. Und fände es doch recht schade, hätte man all das verpasst.

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