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Kulinarikurlaub

Nachhaltig genießen in Vietnam

Vietnam hat kulinarisch mehr zu bieten als Pho-Suppe und Garküchen. In Ho-Chi-Minh-Stadt gibt es längst auch Bio-Restaurants.
Von Christine Derouiche

Suppen, Gemüse und Salate: In den Küchen vieler Restaurants in Ho-Chi-Minh-Stadt stehen organische Zutaten im Vordergrund. Foto: Aaron Joel Santos/www.vietnam.travel/dpa
Suppen, Gemüse und Salate: In den Küchen vieler Restaurants in Ho-Chi-Minh-Stadt stehen organische Zutaten im Vordergrund. Foto: Aaron Joel Santos/www.vietnam.travel/dpa

Ho-Chi-Minh-Stadt.Plastikmüll macht Yen-Linh wütend. Als vor der Tür ihres Restaurants Royal Saigon wieder einmal rosa Tüten mit Unrat lagen, reichte es der Vietnamesin. Kurzerhand warf sie Chipstüte, Joghurtbecher und Plastikflasche in das Zierfischaquarium in ihrem Lokal – ein Sinnbild für den Plastikschrott, der jeden Tag den Müllteppich im Südchinesischen Meer erweitert. Seitdem schwimmen ihre Fische zwischen Abfall herum, als Teil eines Lehrstücks.

Lehrstück mit Unrat im Zierfischaquarium: Yen-Linh vom Restaurant Royal Saigon ärgert sich über den vielen Plastikmüll in der Stadt. Foto: Christine Derouiche/dpa
Lehrstück mit Unrat im Zierfischaquarium: Yen-Linh vom Restaurant Royal Saigon ärgert sich über den vielen Plastikmüll in der Stadt. Foto: Christine Derouiche/dpa

Yen-Linh ist als Tochter zweier Boatpeople in Deutschland aufgewachsen, als ein Kind von Südvietnamesen, die nach dem Krieg in den 1970er-Jahren flüchteten. Sie serviert heute Einheimischen ebenso wie Touristen zum Lunch Kokoswurzelsalat, geschmorte Austernpilze und frittierte Drachenbohnen. Die schmecken köstlich zum Tê-Tê-Bier aus der Craft-Brauerei. Alles frisch und appetitlich angerichtet – wäre da nicht die Minimüllkippe nebenan.

Lifestyle auf Rollern

Geschätzt zehn Millionen Einwohner, mehr als acht Millionen Motorroller, 11000 Tonnen Müll pro Tag, vom Hausmüll über Bauschutt bis zu Industrieabfällen: Das sind Eckdaten, die Umweltaktivisten in Ho-Chi-Minh-Stadt auf die Palme treiben. Mit einer Kampagne für Bambustrinkhalme, Pfandflaschen und Porzellanbecher kämpfen sie um saubere Gewässer. Ganz nebenbei hat sich daraus ein angesagter Lebensstil entwickelt, den auch viele Urlauber entdecken können: Sie wohnen in begrünten Öko-Hotels, schlürfen Biosäfte in den Rooftop-Bars und verspeisen an vegetarischen Imbissständen frittiertes Gemüse.

Vegane und vegetarische Küche mit viel Obst ist in vielen Restaurants in Ho-Chi-Minh-Stadt zum Lifestyle geworden. Foto: Christine Derouiche/dpa
Vegane und vegetarische Küche mit viel Obst ist in vielen Restaurants in Ho-Chi-Minh-Stadt zum Lifestyle geworden. Foto: Christine Derouiche/dpa

Der 57-jährige Do Truoc ist ein gut verdienender Reiseleiter, doch seine Jugend bestimmten einst rationierter Reis und monatliche Fleischzuteilungen im Sushiformat. „In Chemnitz habe ich mich das erste Mal in meinem Leben satt gegessen“, erinnert sich Do an sein Maschinenbaustudium in den 1980er-Jahren. Heute möchten gut situierte Vietnamesen nicht nur viel, sondern auch gesund essen. Vegetarische und vegane Restaurants sprießen in Ho-Chi-Minh-Stadt wie Austernpilze aus dem Boden. BioGarten, Organic Box oder Organica heißen sie und bieten neben heimischem Gemüse meist Importe aus Europa.

Knatternde Blechlawine: In Ho-Chi-Minh-Stadt prägen mehr als acht Millionen Motorroller das Bild der Metropole. Foto: Christine Derouiche/dpa
Knatternde Blechlawine: In Ho-Chi-Minh-Stadt prägen mehr als acht Millionen Motorroller das Bild der Metropole. Foto: Christine Derouiche/dpa

Ho-Chi-Minh-Stadt ist für auswärtige Besucher ein rasantes Erlebnis. Es gibt keine bessere Art, das Lebensgefühl hier zu erspüren, als auf dem Rücksitz eines Taxi-Scooters durch das Verkehrsgewühl zu brausen. Miniröcke im Damensitz, Anzugbeine im Auspuffqualm, Musikboxen auf Trittbretter geschnallt, Einkaufskörbe zwischen Vater, Mutter und Kind gezwängt – alle rollen gemeinsam und jeder für sich zum Ziel. Auch Manager nehmen den Roller. Die knatternde Lawine schiebt sich ohne Hupen, ohne Schimpfen, ohne böse Gesten weiter, teilt sich an der nächsten Kreuzung und fließt zu einem neuen Strom zusammen.

Organisch angebautes Obst

Klassenunterschiede gibt es trotzdem. Wer sich eine Vespa leisten kann, trägt die Nase oben. Noch einmal rechts abgebogen, durch schmale Gassen an Suppenküchen, Friseuren und Wohnzimmern vorbei. Hinter den Eingängen quäken Karaoke-Shows, grüßen die Bewohner freundlich vom Fernsehsessel aus. Dann ist das Ziel erreicht.

Roller vor der Tür, organisch angebautes Obst und Gemüse in den Auslagen: Phuc und Khanh stehen mit ihrem Laden „Thèm“ für den Trend in Ho-Chi-Minh-Stadt. Foto: Christine Derouiche/dpa
Roller vor der Tür, organisch angebautes Obst und Gemüse in den Auslagen: Phuc und Khanh stehen mit ihrem Laden „Thèm“ für den Trend in Ho-Chi-Minh-Stadt. Foto: Christine Derouiche/dpa

Unter dem bunten Ladenschild „Thèm“ (Verlangen) steht eine rote Vintage-Vespa. Drinnen liegen in Holzkisten buckelige Pomelo, hutzeliger Ingwer, erdige Galgantwurzel und kleine Melonen. Doch die Gesichter von Phuc und Khanh, 27 und 24 Jahre alt, strahlen: Erdig und schrumpelig ist ihnen recht. So sieht jeder, dass ihr Obst organisch angebaut wurde. „Ohne Pestizide“, versichert Khanh. Seine Familie betreibt außerhalb der Stadt einen großen landwirtschaftlichen Betrieb.

Anlaufstelle für Vegetarier: Das Hum gehört zu jenen Restaurants, in denen der Nachhaltigkeitstrend in Ho-Chi-Minh-Stadt gut erkennbar ist. Foto: Christine Derouiche/dpa
Anlaufstelle für Vegetarier: Das Hum gehört zu jenen Restaurants, in denen der Nachhaltigkeitstrend in Ho-Chi-Minh-Stadt gut erkennbar ist. Foto: Christine Derouiche/dpa

Mitten im Herzen von Ho-Chi-Minh-Stadt haben die beiden einen Laden gemietet. Nebenan eine vegetarische Suppenküche, um die Ecke Boutique-Hotels, Hostels, angesagte Bars und Büros in Laufweite. „Genau unsere Klientel“, sagt Phuc. „Start-ups wachsen hier wie Lotus im Sumpf. Man muss sie nur pflücken.“ Nebenan klopft und hämmert es. Das nächste Gästehaus wird ausgebaut. Im Laden hat Khanh Melone, Bananen und Mango auf einem kleinen Brett angerichtet, dazu ein paar Smoothies. Organisch hin oder her, die Früchte schmecken so frisch und aromatisch, dass man sich daran sattessen möchte.

Vegetarische, reinigende Tage

Mit sich und der Welt in Einklang zu sein, ist Buddhisten ein Bedürfnis. Vegetarische Tage, die der Mondkalender bestimmt, dienen der inneren Reinigung. Im Restaurant Hum werden sie zum Lifestyle. Schon beim Eintreten klappern die Eiswürfel in den Shakern. Vorbei an der Cocktailbar führt es Besucher zu eleganten Holztischen. Safransuppe, Bananenblütensalat, gebratene Palmherzen und zart schmeckender, hausgemachter Tofu werden gereicht, alles pflanzlich. Nach und nach füllt sich der Tisch mit schönen Schalen und Tellern.

Boomende Metropole: Ho-Chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon, zählt inzwischen rund zehn Millionen Einwohner. Foto: Aaron Joel Santos/www.vietnam.travel/dpa
Boomende Metropole: Ho-Chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon, zählt inzwischen rund zehn Millionen Einwohner. Foto: Aaron Joel Santos/www.vietnam.travel/dpa

Do Truoc spricht noch einmal von der Vergangenheit. Wie er als Soldat mit schwerem Rucksack und Maschinengewehr über dem Kopf durch wilde Flüsse schwamm. „Welches Glück, dass wir uns heute um Plastikmüll sorgen und nicht mehr ums tägliche Überleben“, sagt er beim Abschied. Und wirft sein Bonbonpapier gewissenhaft in den nächsten Mülleimer.

Eine Reise nach Ho-Chi-Minh-Stadt

  • Anreise:

    Von Frankfurt/Main aus geht es nonstop mit Vietnam Airlines nach Ho-Chi-Minh-Stadt. Alternativen sind Flüge mit Zwischenstopp zum Beispiel in Bangkok, Singapur, Peking oder am Persischen Golf.

  • Einreise:

    Der touristische Aufenthalt in Vietnam ist für deutsche Staatsbürger bis zu 15 Tage lang ohne Visum möglich. Der Reisepass muss mindestens sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein.

  • Reisezeit:

    Von Dezember bis April. Im Mai beginnt die Regenzeit.

  • Informationen:

    Indochina Services Europe, Steinerstraße 15a, 81369 München, Telefon (0 89) 219 09 86 60, E-Mail: info@is-eu.com, www.icstravelgroup.com

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