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Kultur

Reisetipp: Eintauchen in Linz

Da müssen Sie hin: Das Kulturangebot ist spektakulär und von Ostbayern aus ist Linz nur einen Katzensprung entfernt.

Eine Sinnestäuschung: Helena Martins-Costa spielt in ihrer Installation „Am seidenen Faden“ (Por um Fio, 2012) mit unserer Wahrnehmung. Zu sehen aktuell im Kunsthaus OÖ in Linz. Foto: Otto Saxinger
Eine Sinnestäuschung: Helena Martins-Costa spielt in ihrer Installation „Am seidenen Faden“ (Por um Fio, 2012) mit unserer Wahrnehmung. Zu sehen aktuell im Kunsthaus OÖ in Linz. Foto: Otto Saxinger

Künstliche Welten im Ars Electronica Center

Das AEC analysiert und kommentiert seit unglaublichen 40 Jahren die digitale Revolution und erfindet sich permanent neu. Gerade hat das Center neue Labore, Ausstellungen und Formate auf Start gesetzt. Besucher sehen in Echtzeit, wo gerade die Erde bebt und erkunden den Gletscherschwund interaktiv. Das Projekt „Compass“ richtet ein Fernrohr auf die Zukunft und stellt die brisante Frage, wie wir künftig Künstliche Intelligenz beherrschen können, die heute schon in der Lage ist, selbstständig Propaganda-Texte zu schreiben, weltweit zu verbreiten und politisch Einfluss zu nehmen. Gäste treffen die 500 Jahre alte Mona Lisa, als It-Girl 2019 animiert, Nichtigkeiten plaudernd, mit kokettem Haareschütteln. Überwältigend: der „Deep Space“. Riesen-Projektionen, satte 16 mal 9 Meter groß und höchstauflösend, zoomen von der Makro- und die Mikrowelt. Das AEC, die Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft, ist weltweit einzigartig und so ziemlich das Aufregendste, was in Linz zu erleben ist – keinesfalls verpassen!

Das Ars Electronica Center ist seit 40 Jahren ein Pionier als Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Foto: Florian Vogeneder
Das Ars Electronica Center ist seit 40 Jahren ein Pionier als Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Foto: Florian Vogeneder

Der Zauberprinz im Lentos Museum

Vis-à-vis des Ars Electronica Center, breit hingelagert ans Donauufer und schon architektonisch ein Erlebnis: das Lentos. Die Sammlung zeigt einen klug gewählten Ausschnitt von Kunst aus dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und legt den Schwerpunkt auf Künstler mit besonderer Linz-Beziehung – wie Valie Export, die in den 1960ern/1970ern etwa mit dem „Tapp- und Tastkino“ provoziert hat. Linz erwarb 2015 ihr Archiv und richtete in der Tabakfabrik das Valie Export Center ein. Noch bis Mitte September rollt das Museum Otto Zitko den roten Teppich aus und inszeniert einen Bilderrausch des „nichtmalenden Malers“. Der Grundstock des Lentos stammt von Wolfgang Gurlitt, Cousin von Hildebrand Gurlitt. Ab Mitte Oktober leuchtet eine Ausstellung das schillernde, bislang aber kaum erforschte Leben des „Zauberprinzen“ aus, seine Verbindungen zu Sammlern und seine Künstlerfreundschaften. Das Lentos – ein must-see!

Nicht nur architektonisch eine Wucht: das Lentos Museum am Donauufer Foto: linztourismus/ES
Nicht nur architektonisch eine Wucht: das Lentos Museum am Donauufer Foto: linztourismus/ES

Im Boot zur Graffiti-Galerie

Im Sommer reizt eine Tour am Wasser – auf zur Mural Harbor Gallery! Seit 2012 ist am Hafen Linz eine Galerie von überdimensionalen Graffiti entstanden, geschaffen von Topstars der Szene, die sich inzwischen darum reißen, für Linz zu arbeiten. Aryz, Lords, Nychos oder Roa zählen zu den berühmtesten Namen. Die Rundfahrt im Boot schenkt einen faszinierenden Blick auf 300 Graffiti von Künstlern aus 30 Nationen, die sich an alten Industriebauten und Häuserwänden entlang der drei Becken verewigt haben. Der Hafen Linz hat sich zu einer der größten Graffiti-Galerien in Europa entwickelt. Und: Jedes Jahr kommen neue Bilder dazu. Besucher können die Kunstwerke mit Guides auch bei einem Spaziergang entdecken, erfahren außerdem alles Wissenswerte über die Kunstform, ihre Geschichte und rechtliche Rahmenbedingungen. Wer mag, darf selbst die Sprühdose in die Hand nehmen und im Hafen Spuren setzen – bitte ausprobieren!

Die Stars der Szene reißen sich darum, für die Mural Harbur Gallery in Linz zu arbeiten.  Foto: Robert Josipovic
Die Stars der Szene reißen sich darum, für die Mural Harbur Gallery in Linz zu arbeiten. Foto: Robert Josipovic

Eine süße Botschafterin

  • Fahren:

    Der Linz-Besucher braucht kein Auto. Mit der Tram kommt er schnell und stressfrei durch die Stadt. Empfehlenswert: die Linz-Card mit zahlreichen Vergünstigungen. Von Ostbayern aus liegt die Kulturhauptstadt 2009 außerdem ganz nah. Wer in Regensburg in den Zug steigt, ist nach rund zwei Stunden am Ziel.

  • Mitbringsel:

    Die Linzer Torte. „Die süße Botschafterin der Stadt“ gibt es in Dosen aus Künstlerhand, etwa bei Jindrak, Honeder, Bruckner Kaffeehaus und der k.u.k. Hofbäckerei.

  • Essen:

    Linz bietet eine verführerische Auswahl feiner Adressen. Auf der Terrasse des „Lentos“, das vorzüglich und kreativ kocht, sitzt man nah bei der Kunst und Donau (www.lentos.at). Abends ist die „Schlossbrasserie“ ein guter Tipp (www.schlossbrasserie.at).

  • Schlafen:

    Das „arte Hotel Linz“ (arte-linz.at) bietet alles, was der kulturhungrige Gast wünscht: gut gestaltete Zimmer, einen hellen Wintergarten mit Bio-Frühstück, eine kleine Bibliothek mit Kunst- und Kulturführern und eine perfekte Lage.

Top-Adressen für Oper, Tanz, Konzerte

Theater, Konzerte, Oper, Musicals, Tanz: Linz bietet Kulturfreunden eine verschwenderische Fülle und besitzt mit dem Musiktheater, 2013 eröffnet, eines der modernsten Opernhäuser Europas, dazu exzellente Sänger und Musiker. Ein Tipp: die Opern-Inszenierung von „Médée / Medea“. Für das Haus am Volksgarten gilt übrigens, was sämtliche Linzer Kulturadressen prägt: Baukunst genießt hier extrem hohen Stellenwert. Auch das Brucknerhaus sticht architektonisch heraus. Es ist berühmt für seine Akustik und ein Anziehungspunkt für internationale Spitzenstars. Wer noch einen Schubs braucht, um seinen Linz-Besuch zu planen: Das Brucknerfest startet Anfang September und kurz danach kann man in die berühmten Linzer Klangwolken eintauchen, mit Musik, Feuerwerk, Lichtspielen entlang der Donau – ein Fest für Auge und Ohr und warm zu empfehlen!

Baukunst genießt in Linz extrem hohen Stellenwert: Hier das Musiktheater. Foto: Johann Steininger
Baukunst genießt in Linz extrem hohen Stellenwert: Hier das Musiktheater. Foto: Johann Steininger

Bunte Szene in der Tabakfabrik

Die Szene trifft sich in der Tabakfabrik, am Rand der Linzer Altstadt. Das Architekturjuwel aus den 1930ern, entworfen von Peter Behrens, hat sich zum Hotspot für Kreative und Start-ups entwickelt. Der alte Chic zieht. Open-Air-Spektakel, Galerien und Kongresse: Auf dem 70 000 Quadratmeter großen Areal der Tabakfabrik findet garantiert immer irgendein Event statt. Hier ist auch die „Schule des Ungehorsams“ zuhause, gegründet von Karikaturist Gerhard Haderer, dem österreichischen Helden der Widerborstigkeit schlechthin: unbedingt vorbeischauen!

Hotspot für Kreative: die Tabakfabrik Foto: linztourismus/zoe
Hotspot für Kreative: die Tabakfabrik Foto: linztourismus/zoe

Sinnesrausch im Kunstquartier

Das Kunstquartier Oberösterreich schickt Besucher in einen Sinnesrausch (bis 13. Oktober). Lustvolle Wasserspiele, ein schwebender Pool, Spiralen, die sich in 3D ins Auge schrauben, ein Saal als begehbare, pneumatische Blase oder ein Tanz vor dem Spiegel (Foto: Otto Saxinger): 26 internationale Künstler reflektieren über Raum, Zeit, Körper und Bewegung. Nach dem Parcours (Motto: „elastisch, plastisch, fantastisch“) schlürft man auf dem Dach exzellenten Bio-Saft und genießt vom Turm aus den Blick auf Linz – wunderbar!

Ein Tanz vor dem Spiegel: eine Impression aus der aktuellen Ausstellung „Sinnesrausch“ im Kunstquartiert OÖ Foto: Otto Saxinger
Ein Tanz vor dem Spiegel: eine Impression aus der aktuellen Ausstellung „Sinnesrausch“ im Kunstquartiert OÖ Foto: Otto Saxinger

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