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Tel Aviv lässt es krachen

Im Mai ist Israels Hauptstadt Gastgeber des Eurovision Songcontest. Sie bietet Mittelmeerklima – und aufregende Clubs.

Blick von Jaffa zum südlichen Stadtstrand: Auf den Grünflächen des Charles Clore Parks wird das Eurovision Village aufgebaut. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Blick von Jaffa zum südlichen Stadtstrand: Auf den Grünflächen des Charles Clore Parks wird das Eurovision Village aufgebaut. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

Tel Aviv.„Dare to dream“ (Wage es zu träumen) – so lautet das Motto des 64. Eurovision Song Contest, der im Mai in Tel Aviv stattfinden wird. Besucher der Mittelmeer-Metropole in Israel können mit dem Träumen schon einmal anfangen. „Sie erwartet nämlich eine der heißesten Partyhochburgen der Welt“, verspricht Gilad Dubinowski, der den Nachtclub „Lima Lima“ betreibt.

Dubinowski ist der Meinung, das Nachtleben in Tel Aviv könne es mit jenem in Berlin, London oder New York aufnehmen. In der Tat reist das feiernde Volk aus der ganzen Welt an, internationale DJs legen auf, eine Sperrstunde gibt es nicht. Der Ruf von Tel Aviv als Partystadt lässt sich nicht an den nur knapp 450 000 Einwohnern bemessen. Ein israelisches Sprichwort besagt: In Haifa wird gearbeitet, in Jerusalem gebetet und in Tel Aviv gefeiert.

Club spielt ESC-Songs

Netta Barzilai gewann mit ihrem Song „Toy“ den 63. Eurovision Song Contest.Foto: Jörg Carstensen/dpa
Netta Barzilai gewann mit ihrem Song „Toy“ den 63. Eurovision Song Contest.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Netta Barzilai heißt die schrille ESC-Vorjahressiegerin. Mit ihrem Song „Toy“, einer wuchtigen Hip-Hop-Elektro-Pop-Nummer, hat sie bereits vorgegeben, was die Besucher der leichtlebigen Stadt erwartet. Dubinowski wird in der ESC-Woche in seinem „Lima Lima“ jeden Tag Partys mit Eurovision-Songs aus allen Jahren feiern. Natürlich wird er auch Nettas „Toy“-Song spielen, dessen Part mit dem Hühnergegacker bereits Kult unter den ESC-Nerds ist. Der Club in der Lilienblum-Straße, in dem Reggaeton, Deep House und Old School Hip-Hop aufgelegt werden, gehört in Tel Aviv zu den Klassikern.

Nur einen Steinwurf vom „Lima Lima“ entfernt, befindet sich in der Allenby-Straße das „Sputnik“, ein Labyrinth aus dunklen Disco-Kellern, Bars, retro-futuristischer Deko, Chillout-Ecken und einer Art Biergarten. Gleich um die Ecke locken das „Pasáz“ und das „Alphabet“, Garanten für wilde Partys mit Drag-Performances. Das „BuXa“ mit seiner schrägen Puppensammlung, der „Breakfast Club“ mit der „Milk Bar“, die heterofreundliche Schwulendisco „Shpagat“, die mit der ESC-begeisterten LGBT-Community im Mai eine volle Tanzfläche erwartet: Rund um den repräsentativen Rothschild-Boulevard gibt es bis zu 40 Clubs und Kult-Bars.

Szenegänger Itay Afjin (r.) führt Touristen durchs Tel Aviver Nachtleben. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn
Szenegänger Itay Afjin (r.) führt Touristen durchs Tel Aviver Nachtleben. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn

„Die Auswahl ist riesig. Deshalb zeigen wir unseren Gästen die angesagtesten In-Bars und Szeneclubs, die nicht immer so leicht zu finden sind“, sagt Itay Afjin. Der 30-jährige Szenekenner kümmert sich im „Abraham Hostel“ um die Aktivitäten für die Gäste. Beispiele: Yoga, Hummus-Kochkurse und natürlich Stadtführungen. Auch Hebräisch können die Besucher in einem Crashkurs lernen. Besonders gut läuft jedoch das Nightlife-Programm. Mehrmals in der Woche ziehen Itay und einige der Barkeeper mit den Gästen um die Häuser.

Gäste kommen zum Feiern nach Tel Aviv

Bevor es gegen Mitternacht losgeht, wird erst einmal im Hostel vorgeglüht. Der Barkeeper zapft ein Goldstar-Bier nach dem anderen. Die Bar-Lounge ist eigentlich immer gut besucht. Meistens hängen die Gäste in Hängematten und auf kunterbunten Sitzkissen ab, bevor es in die Clubs und Bars am nahen Rothschild-Boulevard geht. Heute ist die Lounge besonders voll: Auf der Bühne heizt Aveva Dese mit ihrem Groove die Stimmung an. Die Sängerin mit äthiopischen Wurzeln ist Israels neuer Shootingstar. „Unsere Gäste sind halt jung, kommen nach Tel Aviv, um Party zu machen. Deshalb bieten wir auch regelmäßig Events und Konzerte an“, sagt Afjin.

Blick über die „Weiße Stadt“: Tel Aviv im Abendlicht Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Blick über die „Weiße Stadt“: Tel Aviv im Abendlicht Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

Dann schwärmen vier Deutsche, zwei Luxemburgerinnen, ein Inder, zwei Amerikaner, eine Neuseeländerin und drei Israelinnen ins Nachtleben aus. Erste Station ist das „Kuli Alma“, ein Mix aus Dancefloor, Biergarten, Bar, Designshop, Galerie und Kino auf mehreren Etagen. Fünf Minuten entfernt lockt „Radio EPGB“, wo jeden Tag zu anderen Rhythmen leckere Longdrinks geschlürft werden. Im benachbarten Hipster-Viertel Florentin lauschen die Besucher der Bar „Hoodna“ zwischen abgerockten Werkstätten und besprühten Wänden israelischen Bands. Um die Ecke wartet das „Teder.fm“. Der düstere Innenhof des gleichnamigen Radio-Senders mit seinen Bars, Restaurants, Platten- und Klamottenläden gilt vielen als der derzeit angesagteste In-Treff der Stadt. Der ultimative Kult-Club für Techno-Fans ist aber „The Block“ – Tel Avis Berghain-Version im Zentralen Busbahnhof. Getanzt wird auf drei Ebenen. „Keine Fotos, keine Telefone“, sagt der Türsteher. Das kennen Nachtleben-Jünger aus Berlin. Natürlich wird es erst ab ein Uhr morgens voll, die Party geht bis um acht.

Hoch hergehen wird es auch zum ESC. Eurovision-Projektleiter Gideon Schmerling verspricht eine riesige Beach-Party. Denn im Mai ist es schon warm in Tel Aviv, der Strand misst 14 Kilometer. So wird auch das Eurovision Village direkt am südlichen Stadtstrand auf den Grünflächen des Charles Clore Parks aufgebaut. Bis zu 50 000 Besucher können hier bei einem Sundowner den Blick auf das Meer genießen. Drei Konzertbühnen werden errichtet. Ausgefallene israelische Gourmetküche zu bezahlbaren Preisen sollen 60 Street-Food-Trucks bieten. Tel Aviv – übersetzt „Hügel des Frühlings“ – will es so richtig krachen lassen.

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