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Entdeckung

Triest überrascht im Detail

Die Stadt am Meer – immer im Schatten der westlich gelegenen oberitalienischen Badeorte – hat mehr zu bieten, als man denkt.
Von Michaela Schabel

In Triest bilden Habsburger Architektur-Charme und italienische Lebensweise eine Symbiose. Foto: Michaela Schabel
In Triest bilden Habsburger Architektur-Charme und italienische Lebensweise eine Symbiose. Foto: Michaela Schabel

Triest.Weit öffnet sich die Piazza dell’Unità d’Italia zum Adriatischen Meer, umrahmt von der Herrschaftlichkeit Habsburger Repräsentationsbauten. Bestens restauriert, nachts stilvoll illuminiert, mit einer Reihe renommierter Kaffeehäuser und Lokalitäten zählt dieser Platz zu den schönsten der Welt.

Kein Wunder, über ein halbes Jahrtausend, von 1382 bis 1918, gehörte Triest zur Habsburgermonarchie. Der Aufstieg Triests begann, als Kaiser Karl VI. Triest zum Freihafen und zum wichtigen Stützpunkt der k.u.k. Kriegsmarine ernannte. Unter Königin Maria Theresia, von 1740 bis 1780 Regentin, erblühte Triest zur wichtigsten Adriastadt und überfügelte sogar Venedig.

An der Promenade kann man wunderbar sonnenbaden und im Meer schwimmen. Foto: Michaela Schabel
An der Promenade kann man wunderbar sonnenbaden und im Meer schwimmen. Foto: Michaela Schabel

Das Meer ist in Triest präsent wie das Badezimmer. Wenn der Triester ein Bad nimmt, dann nicht im Bad, sondern direkt im Meer an der über vier Kilometer langen Strandpromenade im Stadtteil Barcola im Norden Triests. Man zieht sich schnell um auf der schön gepflasterten Promenade oder in einem der kleinen Parks, schwimmt beliebig lang im türkisblauen Meer, duscht mit Süßwasser, fertig.

Die Triester geben sich gelassen

Dableiben, relaxen, lesen oder Karten spielen, essen und trinken, alles ist möglich im schmucken Triest. Die Gelassenheit der Triester und ungewöhnliche Sauberkeit im Bereich der Promenade überraschen. Eigens angelegte Betonterrassen verbreitern teilweise die Liegemöglichkeiten. Man kann sonnenbaden, Badetücher ausbreiten, Liegen aufstellen, wo immer man will, direkt auf die Promenade, unter den Schatten der Bäume, am Rande der zahlreichen Springbrunnen oder auf den Klippen. Große Metalltreppen führen bequem über die Felsen ins Meer.

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Der Weißensee erinnert an tiefe Buchten in Norwegen, sein türkisblaues Wasser lässt Tropen-Feeling aufkommen.

In der Verlängerung der Promenade kommt man zum Schloss Miramare, dessen weiße Fassade aus Kalkstein schon von Weitem durch die exponierte Lage auf einem Klippenvorsprung die Blicke auf sich zieht. Das Schloss Miramare wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für Erzherzog Ferdinand Maximilian I, den Bruder von Kaiser Franz Joseph I, im romantischen Historismus mit neugotischen und neumittelhochdeutschen Stilelementen gebaut.

In dem 22 Hektar großen Park ließ der Erzherzog das karge Umfeld in ein botanisches Paradies verwandeln. Ein „wilder“ Wald nach englischem Vorbild präsentiert eine typisierte Naturlandschaft mit mediterranen Pflanzen wie Lorbeersträuchern, Zypressen, Myrten, Gingkobaum, Küstenmammutbaum und Bambus, die der Erzherzog von seinen Reisen mitbrachte.

Ruhe und Muse – ohne Eintritt

Der italienische Park dagegen zeigt in streng symmetrischen Blumenbeeten, durch repräsentative Treppen, Brunnen und antikisierenden Bronzen die Dominanz des Menschen über die Natur. Beide Parks zusammen ergeben einen reizvoll atmosphärischen Kontrast, sind heute noch Ort der Ruhe und Muse und ohne Eintritt frei zugänglich.

In der Bucht des Triestiner Stadtteils Barcola findet jedes Jahr die Seglerweltmeisterschaft statt. Foto: Michaela Schabel
In der Bucht des Triestiner Stadtteils Barcola findet jedes Jahr die Seglerweltmeisterschaft statt. Foto: Michaela Schabel

Ganz anders präsentiert sich die Bucht von Barcola. Über 1800 Segelschiffe liegen hier dicht gedrängt vor Anker. Der Grund ist die „Barcolana“, die größte Segelregatta der Welt, die hier jedes Jahr am zweiten Oktobersonntag stattfindet und bis über 20 000 Teilnehmer und über 250 000 Zuschauer anlockt.

Triest auf dem Fahrrad

Wenig bekannt ist Triest unter Fahrradfans. Wer Triest per Rad erobern will, braucht viel Kraft in den Waden. Die Steigungen sind zwölf bis 14 Prozent. In den Einbahnstraßen mit parkenden Autos geht es ganz knapp her. Als Radfahrer ist man eine ziemliche Ausnahme, ständig überholt von Gruppen rasant fahrender Motorroller, für die enger Kontakt eine Selbstverständlichkeit ist. Man muss sehr konzentriert radeln, um Kollisionen zu vermeiden. Die Anstrengung ist nicht umsonst.

Ein Fahrrad-Highlight gibt es hoch oben über Triest entlang einer alten, stillgelegten Bahnstrecke, dem bekannten italienischen Radsportler „Giordano Cottur“ gewidmet. Ist man erst einmal oben, erscheint der gleichmäßige Anstieg von zwei bis drei Prozent ziemlich leicht und die Rückfahrt als lässiges Bergabvergnügen. Der Fahrradweg beginnt im Stadtteil San Giacomo und ist bis Altura an der Stadtgrenze asphaltiert, dann geschottert. Über 16 Kilometer radelt man zunächst durch Vororte, immer wieder mit Blick auf das Meer, dann durch Wälder, über Brücken, durch Tunnel, wobei sich im ersten und längsten durch Bewegungsmelder im 10er-Pack der Randleuchten ein unverhofft geheimnisvoller Charme entwickelt und das kühle Tunnelklima an heißen Tagen herrlich erfrischt.

Wenn man die Stadt hinter sich gelassen hat, blickt man auf das karg wilde „Val Rosandra“ mit schroffen Kalkfelswänden, in der Ferne auf die großen Öltanks des slowenischen Konkurrenzhafens Koper. Vorbei an Kletterwänden linker Hand mit Schwierigkeitsgrad 6 und an alten Bahnwärterhäuschen radelt man Richtung Slowenien. Ein Schild „Confine di stato“ verweist auf den Grenzübergang, den man nicht wahrnehmen würde, wäre das Schild nicht. 116 Kilometer könnte man weiterradeln bis nach Porec in Kroatien.

Ursprünglich eine Vielvölkerstadt

  • Identität:

    Bis zu den Weltkriegen, und auch noch danach, war Triest eine Vielvölkerstadt mit mehreren Seelen. Italiener, Slowenen, Österreicher und Deutsche lebten hier Tür an Tür. Jeder war anders als sein Nachbar. Die Dichter, allen voran Claudio Magris, beschrieben ausführlich die Frage der Identität der Triester.

  • Wechsel:

    Dem Italiener fehlte in dieser Diversität die Verankerung in seiner Nation. 1945 kam Triest zu Jugoslawien und erst 1954 als Freies Territorium wieder zu Italien. In der Zeit des Kalten Krieges hatte Triest mit jugoslawischer Zuwanderung, italienischer Abwanderung und Überalterung zu kämpfen.

  • Wende:

    Nach der Wende kam der Aufschwung. Heute ist Triest eine pulsierende italienische Stadt. Auf jeder Piazza erlebt man italienischen Lebensstil. Die Touristen in den renommierten k.u.k.-Kaffeehäuseren rund um die Piazza dell’Unità d’Italia am Teatro Romano fallen nicht besonders auf. Triest gehört den Italienern.

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