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Auszeit

Urlaub nur für Erwachsene

Im Mühlviertel in Oberösterreich bieten Hotels Wellness und Kulinarik. Drei der Häuser haben ganz spezielle Zielgruppen.
von Kathrin Bayer

  • Zu zweit entspannen: Das kann man im Hotel Gugelwald im Naturbad und in der außergewöhnlichen Sauna- und Wellnesslandschaft. Foto: Alexander Kaiser/lichtlinien.at
  • Im Hotel Guglwald geht es vor allem um Wellness.Foto: Bayer

Afiesl.Vor allem ist es still. Sehr still. Auch draußen, auch am Tag. Das einzige Geräusch ist das Knirschen der dicken Mountainbike-Reifen auf den geschotterten Waldwegen. Oft trifft man über Kilometer keinen anderen Menschen. Das österreichische Mühlviertel direkt an der tschechischen Grenze hat ein stilles Verkaufsargument: die Ruhe.

Hier geht es um Entschleunigung, hier wird nicht mit Karacho bergab gebrettert, hier heißt es „Genussradeln“. Und hier gibt es tatsächlich einen „Waldluftbademeister“, wie Markus Obermüller, Geschäftsführer des Tourismusverbands Mühlviertler Hochland, erklärt. Wer in dieser Region Urlaub macht, der will und bekommt eine Auszeit vom Alltagsstress. Und weil es häufig der Nachwuchs ist, der besonders an den Kräften und den Nerven zehrt, haben sich drei Hotels auf Erwachsene spezialisiert. Allerdings auf unterschiedliche Zielgruppen.

In der Aviva Alm wird gefeiert – und selbst Bier gebraut.  Foto: Hotel Aviva
In der Aviva Alm wird gefeiert – und selbst Bier gebraut. Foto: Hotel Aviva

Am Außergewöhnlichsten ist das Konzept des Hotels Aviva – make friends. Es ist ein Single-Hotel. Allerdings könnte dieser Begriff einen falschen Eindruck vermitteln. Es ist erst einmal für Alleinreisende gedacht, das heißt, als Paar bekommt man hier kein Bett. Höchstens mit der besten Freundin – oder dem besten Kumpel. Man darf auch auf der Suche sein – muss es aber nicht. Im Aviva wird keiner zum Flirten gezwungen. Es geht vor allem darum, dass niemand alleine sein muss. Geschiedene, Verwitwete, Singles: Sie alle können hier Urlaub machen, ohne mitleidige Blicke zu ernten, weil sie beim Abendessen niemanden dabei haben. Sie müssen nicht um 21 Uhr ins Bett gehen, weil die Hotelbar schließt und sie nicht wissen, wo sie alleine noch hingehen könnten.

Rundumkonzept: Niemand ist alleine

Es ist ein Rundum-Konzept, erklärt Geschäftsführer Christian Grünbart. Das beginnt schon bei der Anreise. Auf der Homepage des Hotels kann man sich zusammen tun und Fahrgemeinschaften bilden. Im Hotel wird jeder geduzt – von jedem. Die Tische im Restaurant sind riesig, damit man sich mit möglichst vielen Leuten unterhalten kann. Den ganzen Tag über gibt es Sportangebote und am Abend Party im Après-Ski-Style, gerne auch mal in Tracht, in der dazugehörigen Alm, wo übrigens auch selbst Bier gebraut wird.

Wenn man nicht möchte, ist man nicht alleine. Doch nichts ist Pflicht. Und wenn man zu schüchtern ist, um sich beim Essen zu fremden Menschen zu setzen, helfen die Mitarbeiter des Hotels ein wenig nach. Es geht um Kommunikation. „Wir garantieren neue Freunde. So blöd kann man sich gar nicht anstellen, dass das bei uns nicht klappt“, sagt Grünbart.

Hier geht es um Romantik

Nur drei Kilometer die Straße hinunter: das genaue Gegenteil. Im Hotel Bergergut sind nur Paare erlaubt. Und hier geht es um Zweisamkeit, Nähe, Romantik – und wenn man mag, auch Erotik. Der Hotel-Fuhrpark hat das Wort „Herz“ in der Autonummer, die Homepage heißt romantik.at und zur Begrüßung bekommen die Damen eine Rose – mit dem Hinweis, wie man die Blume später im Zimmer für sinnliche Verwöhneinheiten nutzen kann.

Alle Zimmer haben ein Motto. In der Suite „Luft & Liebe“ steht ein Himmelbett, bei „Feuer & Flamme“ geht es neben dem offenen Feuer mit zuschaltbaren Nebelschwaden schon etwas heißer zu. Früher sogar noch heißer, wie Hotelchefin Eva-Maria Pürmayer erzählt. Gäste, die vor 15 Jahren schon einmal in diesem Zimmer waren, erzählen Geschichten vom damals berühmt-berüchtigten Betthupferl. Da klopfte noch der Koch am Abend an die Zimmertür und verteilte heiße Schokolade auf nackter Haut. Pürmayer hat das Hotel von ihrem Vater übernommen – und allzu pralle Erotik aus dem Konzept entfernt. Unter anderem, um weiteren Ärger mit dem Pfarrer im Ort zu vermeiden. So richtig brav ist das Hotel dann aber doch nicht geworden: In den Souvenir-Verkaufsvitrinen, in denen sonst Seifen, Kerzen und Wolldecken feilgeboten werden, liegen hier bunte Sex-Spielzeuge, die neuen Schwung in den Ehealltag bringen sollen.

Zwei-Hauben-Koch Thomas Hofer bekocht die Gäste nicht nur, er gibt auch Kurse. Foto: Kathrin Bayer
Zwei-Hauben-Koch Thomas Hofer bekocht die Gäste nicht nur, er gibt auch Kurse. Foto: Kathrin Bayer

Da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, ist Kulinarik neben der Romantik die zweite Leidenschaft der Besitzer von Hotel Bergergut. Da ist es doch wirklich praktisch, dass der Lebenspartner der Hotelchefin Zwei-Hauben-Koch Thomas Hofer ist. Der verteilt keine Schokolade mehr auf zarter Frauenhaut, dafür gibt er Kochkurse. Keineswegs nur für die Damen, wie Hofer erzählt. Oft genug üben die Männer am Herd, während die Angetraute im Wellnessbereich entspannt.

Wellness und Entspannung

Ob Frauenclique, Ehepaar oder Männerstammtisch: Wer wenig Wert auf Romantik, dafür aber ganz viel Wert auf Entspannung legt, der fährt ein paar Kilometer weiter ins Hotel Guglwald. Dort heißen die Zimmer Lavendel, Pfefferminz oder Granit. Und dort lässt man es sich im Wellnessbereich so richtig gut gehen. Die 4200 Quadratmeter sind außergewöhnlich: Erst schwitzt man in der Sauna „Teufels Küche“, danach kühlt man sich im „Eiswürferl“ ab: ein Zimmer mit echtem Schnee und zehn Grad unter Null. Und hier gilt: Zutritt erst ab 14 Jahren.

Im Hotel Guglwald kann man sich ein E-Bike leihen und durch den Böhmerwald radeln. Foto: Kathrin Bayer
Im Hotel Guglwald kann man sich ein E-Bike leihen und durch den Böhmerwald radeln. Foto: Kathrin Bayer

Wer ein bisschen mehr Action mag, der leiht sich im Hotel ein E-Bike aus. Das lohnt sich auf jeden Fall, denn der Böhmerwald beginnt gleich hinter dem Haus, das nicht nur an der Grenze zu Tschechien steht, sondern tatsächlich darauf. „Wenn man bei uns aus dem Fenster schaut, ist der Kopf schon in Tschechien“, erzählt Hotelchef Alexander Pilsl. Nach ein paar Kilometern auf dem Rad entdeckt man einsame Burgruinen und den Moldaustausee mitten im Wald. Dort hört man nur die Vögel zwitschern – und das Knirschen der Reifen auf dem Kies.

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Tipps und Infos

  • Anreise:

    Am besten ist, man reist mit dem eigenen Auto an – so kann man auch Ausflüge in die Umgebung machen. Von Regensburg aus fährt man etwa zweieinhalb Stunden. Wer mit dem Zug oder Flugzeug anreisen möchte, kann sich von einem Shuttle abholen lassen (wird vom Hotel organisiert). Das Aviva-Hotel bietet auf seiner Homepage eine Mitfahrbörse an.

  • Preise:

    Im Hotel Guglwald kostet ein Doppelzimmer pro Nacht ab 109 Euro, im Aviva – make friends bezahlt man für ein Einzelzimmer ab 133 Euro. Im Bergergut gibt es das Doppelzimmer ab 115 Euro. Inklusive sind Frühstück, Dinner und Wellness.

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