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Reiseziel

Wilde Inseln im Atlantik

Auf Fogo und Santo Antao zeigen sich die Kapverden von ihrer wilden Seite. Sie überraschen mit ihrer Landschaft und Kultur.
Von Brigitta Ammer-Klein

Beim letzten Ausbruch des Pico de Fogo wurden zwei Dörfer vom Lavastrom komplett zerstört. Die Bewohner sind auf die Caldera zurückgekehrt und freuen sich über jeden Besucher. Foto: Brigitte Ammer-Klein
Beim letzten Ausbruch des Pico de Fogo wurden zwei Dörfer vom Lavastrom komplett zerstört. Die Bewohner sind auf die Caldera zurückgekehrt und freuen sich über jeden Besucher. Foto: Brigitte Ammer-Klein

Kap Verde.Gemächlich fliegt die kleine Propellermaschine über den Atlantik. Wie aus dem Nichts taucht der Pico de Fogo am Horizont auf. Nur der Gipfel des fast 3000 Meter hohen Vulkans ragt aus dem dichten Wolkenmeer. Minuten später landet das Flugzeug planmäßig auf dem Rollfeld der Kapverdeninsel Fogo.

„Cabo Verde“, grünes Kap, nannten portugiesische Seefahrer den Archipel westlich von Afrika, lange Zeit Bastion des Sklavenhandels und portugiesische Kolonie. Cabo Verde nennt sich auch der junge, erst seit 1975 unabhängige Staat.

Vulkanische Terrassenfelder bringen reiche Erträge, doch die Arbeit ist mühselig. Foto: Brigitte Ammer-Klein
Vulkanische Terrassenfelder bringen reiche Erträge, doch die Arbeit ist mühselig. Foto: Brigitte Ammer-Klein

Die neun bewohnten Inseln überraschen durch ihre enorme Vielfalt: Lange hellsandige Strände auf Sal und Boa Vista, afrikanische Lebensart auf Santiago, Musik und Kultur auf Sao Vicente. Die Inseln Fogo und Santo Antao, beliebt bei Wanderern und Individualreisenden, faszinieren mit imposanten Bergen, bizarren Gesteinsformationen und vegetationsreichen Hängen. Neben der facettenreichen Natur machen Begegnungen mit den gastfreundlichen Bewohnern und ihren lebendigen kreolischen Traditionen den Reiz einer Reise auf die Kapverden aus.

Als gleichförmiger Vulkankegel erhebt sich die Insel Fogo aus dem Meer, mit seinen 2829 Metern ist der Pico de Fogo einer der höchsten Berge im Atlantik. Die kleine Inselhauptstadt Sao Filipe begrüßt ihre Gäste mit bunt gestrichenen Häusern und kolonialem Charme.

Das Hauptziel der wenigen Besucher, die es nach Fogo verschlägt, ist jedoch die riesige Caldera auf gut 1600 Metern Höhe. Wer an der Küste losfährt, ahnt noch nichts vom Ausmaß der Tragödie, die sich 2014 dort oben ereignete. Bereits seit dem 16. Jahrhundert wurde über wiederkehrende Aktivitäten des Vulkans berichtet. Der Inselname Fogo, das Feuer, erzählt davon. Ende 2014 gab es einen erneuten Ausbruch. Innerhalb weniger Tage wälzte sich der Lavastrom bis zu den Dörfern Portela und Bangaeira hinab. „Über 1000 Menschen verloren alles, ihre Häuser und ihr gesamtes Hab und Gut“, berichtet Marisa in ihrer Pension.

Kürbisse und Süßkartoffeln sind Bestandteil jeder kreolischen Mahlzeit. Foto: Brigitte Ammer-Klein
Kürbisse und Süßkartoffeln sind Bestandteil jeder kreolischen Mahlzeit. Foto: Brigitte Ammer-Klein

Zwischenzeitlich ist das Leben auf die Caldera zurückgekehrt, etliche Bewohner Portelas schaufelten ihre Häuser aus der Lava oder bauten neu. Es gibt auch wieder einige privat geführte Unterkünfte und einen kleinen Laden, sogar ein Fischhändler schaut regelmäßig im Dorfzentrum vorbei. Dennoch muten die zerstörten Überreste der alten Dörfer gespenstisch an.

Wandern zum Krater

Am Abend lockt ein gigantischer Sternenhimmel – und Sr. Ramiro mit seiner Geige. Zusammen mit anderen Musikern aus dem Dorf spielt er regelmäßig in seiner kleinen Kneipe. Nach ein paar Gläsern Wein geht es los: Eine Musik, so mitreißend, rhythmisch und voller Lebensfreude, wie man sie in der unwirklichen Umgebung kaum erwarten würde.

Der Krater von 2014 kann im Rahmen einer nicht schwierigen Wanderung erkundet werden. Vorbei an Weinreben, die direkt im schwarzen Schotter gedeihen, führt der Weg zum schwefelgelben Kraterrand. Von dort bietet sich ein weiter Blick über die mit Lava bedeckte Hochebene.

Wer den Gipfel des Pico de Fogo besteigen will, muss früh aus den Federn. Noch in der Dunkelheit beginnt der fünfstündige Aufstieg, der nur mit einem lokalen Führer gestattet ist. Das Gehen im Geröll ist fordernd, Schritt für Schritt kommt man dem Gipfel langsam näher.

Ein aussichtsreicher Weg führt entlang der steilen Nordküste von Santo Antao. Foto: Brigitte Ammer-Klein
Ein aussichtsreicher Weg führt entlang der steilen Nordküste von Santo Antao. Foto: Brigitte Ammer-Klein

Der Lohn für die Anstrengung ist ein großartiger Rundblick über die gesamte Insel. Bergab geht es rasant – in nur wenigen Minuten gleitet man mit den Füßen die steilen Aschehänge hinab, ein echter Spaß.

Der Abstieg von der Caldera über die Nordflanke der Insel ist ein weiteres Highlight: Durch flechtenbehangene Passatwälder, ausgedehnte Kaffeegärten und Gemüsefelder geht es hinunter nach Mosteiros am Meer. Die unerwartet üppige Vegetation bietet einen ersten Vorgeschmack auf die Insel Santo Antao im Norden des Archipels.

Die Kapverdischen Inseln

  • Anreise:

    Mit TAP über Lissabon nach Santiago und Sao Vicente.

  • Buchung:

    Maßgeschneiderte Individualreisen bietet Seabreeze Travel. Gruppenreisen sind bei allen bekannten Outdoor-Veranstaltern wie Diamir, Hauser oder Wikinger im Programm.

  • Info:

    Der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen. Minibusse und Taxis sind aber überall verfügbar. Für die beeindruckenden Wanderungen sind sehr gute Kondition und Orientierungssinn nötig.

In der Tat könnte der Kontrast kaum größer sein: Auf Santo Antao präsentieren sich die Kapverden von einer vollkommen anderen, nicht minder faszinierenden Seite. Vielfältige Naturlandschaften sind dort vereint: Zerklüftete Gebirgsketten, tiefe Schluchten, sattgrüne Täler, steile Felsküsten und karge Vulkankegel – ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderer.

Nach Ankunft mit der Fähre heißt es erst einmal, sich im Gewirr von Händlern und Minibussen zurechtzufinden. Im Sammeltaxi tönt melancholische Morna-Musik von Cesária Évora, der berühmten Sängerin, aus den Lautsprechern. „Für das echte Kapverden-Feeling“, scherzt Luiz, der Fahrer. „Selber höre ich lieber amerikanische Songs.“ Amerika – das Land der Träume für viele Kapverdianer, zumindest aber nach Europa würden die Jüngeren gerne gehen. „Wir haben hier nicht viel, nur Fischfang und Landwirtschaft an den steilen Hängen. Das reicht kaum zum Leben. Ohne den Tourismus wären viele nicht mehr da.“

Der Talkessel von Paúl ist der grünste der Kapverden. Foto: Brigitte Ammer-Klein
Der Talkessel von Paúl ist der grünste der Kapverden. Foto: Brigitte Ammer-Klein

Zuverlässig fährt Luiz seine Kundschaft zu den kleinen Pensionen, die in den letzten Jahren im Paúl-Tal entstanden sind, selbst die abenteuerlichsten Straßen stellen kein Hindernis dar. Der Talkessel von Paúl gilt als der schönste der Kapverden, mit dichtem tropischem Bewuchs soweit das Auge reicht.

Zahllose Wanderoptionen bietet die Region, darunter zwei bekannte Klassiker. Auf alten Eselspfaden führt die aussichtsreiche Tagestour von Cruzinha nach Ponta do Sol die nördliche Steilküste entlang, auf halber Höhe zwischen senkrechten Felswänden und dem brandungsreichen Atlantik. Mittendrin liegt das Dorf Fontainhas ausgesprochen malerisch auf einem Felsvorsprung.

Mystische Stimmung

Nach Regenfällen sind die bizarren Vulkankegel im Westen von Santo Antao oft grün überhaucht. Foto: Brigitte Ammer-Klein
Nach Regenfällen sind die bizarren Vulkankegel im Westen von Santo Antao oft grün überhaucht. Foto: Brigitte Ammer-Klein

Den Ausgangspunkt der Panoramaroute vom Cova-Krater hinab ins Paúl-Tal erreicht man über eine spektakuläre Höhenstraße, die sich zwischen zahlreichen gezackten Bergspitzen windet. Am Rand des Hochkraters angekommen führt ein schmaler Serpentinenpfad hinunter in den Talgrund. Riesige Mango- und Brotfruchtbäume, kleine Kaffeeplantagen und bunte Blumen säumen den Weg. Zwischendurch erzeugen dichte Nebelschwaden eine fast mystische Stimmung.

Auf keinen Fall versäumt werden sollte eine Jeeptour zu den wüstenhaft-bizarren Landschaftsformen im trockenen Westen Santo Antaos. Wie ein abstraktes Gemälde wirken die ebenmäßig in die dunkle Lava geschlagenen Feldterrassen im Kraterkessel von Alto Mira.

Noch imposanter: Die pastellfarbenen Vulkanformationen kurz vor Chá de Norte , die an eine ferne Mondlandschaft erinnern – eine fast surreale Szenerie, die zu den beeindruckendsten auf den Kapverdischen Inseln zählt.

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