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Lernen

Wo Spanien auf der Zunge zergeht

Bei „learn spanish while cooking“ in Rota nördlich Cádiz am Atlantik kann man sich das Land über Hirn und Mund einverleiben.
Von Monika Löffelmann

Während traditionelle Gerichte gekocht werden, lernen die Teilnehmer spanisch und haben einen großen Spaß. Foto: Löffelmann
Während traditionelle Gerichte gekocht werden, lernen die Teilnehmer spanisch und haben einen großen Spaß. Foto: Löffelmann

Andalusien.Die Liebe geht durch den Magen. Ganz besonders gilt dies für die Liebe zu seinem Urlaubsland. Wer von Frankreich schwärmt, hat oft genug den Geschmack der französischen Küche am Gaumen. Wer aus Griechenland heimkehrt, sucht alsbald ein griechisches Lokal auf, um bei Tsatsiki, Gyros und Retsina die Ferien wiederaufleben zu lassen. Kein Wunder, dass kulinarische Reisen immer beliebter werden. Touristen, die nicht nur am Strand abhängen wollen, sondern Erholung in der Begegnung mit ihrem Urlaubsland suchen, entdecken die fremde Küche und das Kochen als Aktivität für sich.

Zusammen mit Kulturreisen, Wander- und Abenteuerurlaub, Sprachferien finden sich bei Reiseveranstaltern und auf Tourismusportalen neuerdings auch vielfältige Angebote, sich dem Land seiner Wahl mit der Kochschürze um den Bauch zu nähern und mit Gaumen und Zunge in dessen Spezialitäten einzutauchen. Von der italienischen Küche in der Toskana, über schwäbische Gerichte im Schwarzwald zur Haute Cuisine im französischen Périgord oder Elsass – Hobbyköche können auf Reisen ihren kulinarischen Horizont direkt an der Quelle erweitern.

Fast noch ein Geheimtipp

Romantik pur, wenn abends am Strand die Sonne im Atlantik versinkt. Foto: ml
Romantik pur, wenn abends am Strand die Sonne im Atlantik versinkt. Foto: ml

Angelockt von der Aussicht auf andalusische Sonne, einem ersten erfrischendem Bad im Atlantik und nicht zuletzt auf Tapas und Paella haben wir das kleine südspanische Städtchen Rota als Urlaubziel gewählt. Der lebendige Ort am nördlichen Ende der Bucht von Cádiz mit einem kilometerlangen feinen Sandstrand, der sich bis zu einem Naturreservat hin erstreckt, ist vom Tourismus noch nicht vollständig vereinnahmt.

Lediglich im August drängen sich hier die (in der Mehrzahl spanischen) Urlauber am Strand und abends in den Gassen. Dem nahen Stützpunkt der US-Navi, die hier seit 60 Jahren eine Militärbasis unterhält, verdankt es Rota, dass es im Winter nicht zur Geisterstadt mutiert, wie so viele Küstenorte, sondern ganzjährig Gastronomie und Geschäfte geöffnet sind.

Der lange Sandstrand in Rota ist ein Traum – und nur im August richtig voll. Foto: ml
Der lange Sandstrand in Rota ist ein Traum – und nur im August richtig voll. Foto: ml

Besonders schön ist es natürlich im Frühjahr und Herbst, wenn die Abende lau, die Tage nicht zu heiß sind, so dass man Lust hat, die Gegend zu erkunden. Rota selbst ist geprägt von Bauten der Phönizier, die hier beispielsweise die bis heute von Fischern genutzten Korallenbänke errichteten, und der Baukunst der Mauren, die ja auch im nahen Sevilla Touristenscharen aus aller Welt anlockt. Mehrmals täglich fährt ein Katamaran von Rota quer durch die Bucht nach Cádiz – eine der ältesten Städte Westeuropas.

Kulinarische Sprachreise nach Rota

  • Anreise:

    Direktflüge gibt es von München nach Jerez de la Frontera; von da per Zug nach Cádiz und weiter per Fähre nach Rota (Fahrpläne überprüfen); oder vom Flughafen per Mietwagen oder Taxi (einfach ca. 50 €) nach Rota.

  • Übernachten:

    Direkte Strandlage und Vier-Sterne-Komfort bieten die Hotels Duque de Nájera und Playa de la Luz. Zudem gibt es Privatunterkünfte und Ferienwohnungen.

  • Learning&Cooking:

    Infos zu Angeboten und Preisen finden sich unter www.learningandcooking.es; Kontakt: info@learningcooking.es

  • Gerichte:

    Pilar y Cristina bloggen regelmäßig: www. aprendiendoacocinar.es

  • Klassische Fidueá: Zutaten:

    2 geriebene Tomaten, 2 geriebene Zwiebeln, 1 kl. Löffel roter Chillipaste, Olivenöl, Fischbrühe, frische Shrimps, Tintenfisch, feine (Fideo-) Nudeln, Aioli, Salz.

  • Zubereitung:

    Die Fischbrühe aus Gräten und Köpfen von Weißfischen und den Resten der Shrimps, einer ganzen, grob zerteilten Knoblauchknolle, getrockneter, süßer Paprika, Karotte und Zwiebel kochen und durchpassieren. In einer Pfanne die Nudeln ohne Öl rösten. In einer anderen Zwiebel in Öl andünsten, klein geschnittene Tintenfische zutun, geriebene Tomate zufügen. Etwas stärker braten. Aioli aus Ei, Knoblauch, Olivenöl pürieren. In die Pfanne mit den Nudeln Aioli hinzufügen und ohne Unterbrechung mischen, anbraten; Tintenfischmischung zufügen, heiße Brühe auf starker Flamme einrühren. Zuletzt Shrimps zugeben, etwas ruhen lassen, servieren. (ml)

Beim Kochen Spanisch lernen

Aber wir wollten ja nicht nur Sightseeing in unserer Urlaubswoche betreiben, sondern uns Andalusien mit Hirn und Magen nähern und uns Spanien sozusagen doppelt auf der Zunge zergehen lassen. Das spanisch-deutsche Ehepaar Ruth Stadler und Javier Sánchez bietet in der Altstadt von Rota ein besonderes Projekt an. Je nach Zeit und Interesse können Gruppen oder Einzelpersonen hier in einer Woche oder an Einzeltagen erste Spanischkenntnisse erwerben, diese ausbauen oder perfektionieren, während sie traditionelle Gerichte zubereiten. Theoretisch ist in dieser kulinarischen Schule nur der Anfang mit ersten spanischen Begriffen und Sätzen. Das Konzept sieht von Anfang an den praktischen Einsatz der Sprache vor. Schließlich müssen die regionalen Zutaten für die Gerichte vor Ort bei Fischern und am Markt erworben werden – und englisch oder deutsch spricht hier kaum jemand.

Der Besuch am Fischmarkt in Cádiz ist ein Erlebnis für Augen und Nase. Foto: ml
Der Besuch am Fischmarkt in Cádiz ist ein Erlebnis für Augen und Nase. Foto: ml

Ein besonderes Erlebnis ist der Bootsausflug zum Fischmarkt nach Cádiz mit einer immensen Auswahl an frischen Meeresfrüchten und Fischen, an Obst oder Gemüse, Gewürzen sowie Olivenöl aus der Region. Auch beim Wein-Tasting sind die erworbenen Spanischkenntnisse sehr hilfreich. So richtig zur Sache geht es dann aber in der „Schulküche“ in Rota – ob bei der Zubereitung von frischem Tintenfisch, leckeren Tapas oder, wie bei uns, der traditionellen Fideuà.

Sehen Sie im Video, wie Fideuà und Paella zubereitet werden:

Paella ist nicht nur in Spanien sehr beliebt

Die sechsköpfige Gruppe, darunter Belgier, Spanier, Amerikaner und Deutsche, die sich am frühen Abend bei „learning&cooking“ zusammengefunden hat, wollen das beliebte spanische Pfannennudelgericht kochen und gemeinsam verspeisen. Da alle recht gut spanisch sprechen, muss Sprachlehrerin Ruth nur selten übersetzen und erklären, braucht Chefkoch Javier kaum ins Englische wechseln. Sogar die zehnjährige Maggie versteht alles und hilft begeistert beim Kochen und dem vorbereitenden „Shrimps-Pulen“.

Eine versehentliche Erfindung

Wie aber bei der unter Touristen bekannteren Paella, gehören Meeresfrüchte unbedingt in die Fideuà, die eigentlich eine Paella mit gebratenen feinen Nudeln statt mit Reis ist. Erfunden wurde sie laut Javier aus Versehen, als ein Koch aus Valencia alles für eine Paella vorbereitet hatte, nur den Reis vergessen hatte. Er nahm stattdessen Nudeln – eine Variante, die seither viele Feinschmecker überzeugt.

Das belgische Ehepaar hatte die Fideuà in einem Lokal bestellt und freute sich, nun die Zubereitung zu lernen, etwas über die Hintergründe des Gerichts und der Zutaten zu erfahren und ihre guten Spanischkenntnisse anzuwenden und zu erweitern. Alle sind mit Begeisterung bei der Sache, schneiden, rühren, mixen und reiben. Englische, deutsche, holländische Sprachfetzen mischen sich mit spanischem Geplauder in den Dampf aus den Töpfen und Pfannen, in denen Fischsud köchelt und Nudeln garen.

Eindrücke von der Reise sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Kulinarische Sprachreise nach Andalusien

Flamenco-Fest in Rota

Ausnahmsweise servieren die Gastgeber einen trockenen Sherry als Aperitif. Schließlich findet der Kochevent am Vorabend der Feria de Flamenco in Rota statt, auf die diese Verkostung einstimmt. Rota liegt ja im „Sherry-Dreieck“, im Weinanbaugebiet um Jerez de la Frontera. Bei der mehrtägigen Feria in Rota Anfang Mai gibt es davon reichlich, serviert mit vielen Spezialitäten, in deren Mittelpunkt Fisch und Meeresfrüchte stehen.

Die Spanier tanzen gerne Flamenco:

Flamenco hat in Spanien Tradition

Die Augen bekommen derweilen die verschiedensten Flamencokleider zu sehen, mit denen schon die kleinen Mädchen herausgeputzt sind. Sie erobern die hölzernen Tanzböden, die in allen Zelten bereitstehen und von (überwiegend) Frauen jedes Alters gerne zum zwanglosen Tanzen(üben) genutzt werden.

Beim Flamencofest Anfang Mai ist das passende Outfit auch für kleine Mädchen Ehrensache. Foto: ml
Beim Flamencofest Anfang Mai ist das passende Outfit auch für kleine Mädchen Ehrensache. Foto: ml

Besonders sehenswert ist, wenn die Oma, geschminkt wie ihre kleine Enkelin, das Haar straff zum Dutt frisiert mit einer Stoffrose verziert, dem Mädchen die elegante Handbewegung vormacht und das kräftige Fußstampfen zeigt. Der Lärmpegel ist dabei enorm, die Gespräche wollen den lauten Flamencorhythmus noch übertönen und wir sind froh, dass wir das eine oder andere Wort spanisch mehr nach unserem „kulinarischen Lernurlaub“ verstehen.

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